Leben ohne Dich - Für Alina



Geschichte von Alina Doreen


Alina wurde am Montag, den 12. Juni 2006 um 13:41 Uhr geboren. Es war ein Kaiserschnitt, da Alina in der Beckenendlage lag.

Alina war unser drittes Wunschkind. Ihre Geschwister sind schon 8 und 5 Jahre alt. Wir wussten schon in der Schwangerschaft, dass Alina einen Herzfehler hat und gleich nach der Geburt auf Intensivstation muss.

Alina wog bei der Geburt 2480 g und war 47 cm groß. Sie war sehr fit nach der Geburt und hätte man von dem Herzfehler nichts gewusst, hätte man es ihr nicht angesehen. Sie musste aber auf Intensiv bleiben, da sie ein Medikament erhielt, was den Ductus offen hielt.

Wegen der ganzen Zugänge konnten wir sie leider nicht auf den Arm nehmen. Am nächsten Tag haben auch unsere anderen beiden Kinder Alina besuchen dürfen und haben sie gestreichelt.


Die ersten Bilder von Alina:


Alina


Alina


Alina



Am Mittwoch wurde dann eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt um festzustellen, welche Art von Herzfehler Alina hat. Die Untersuchung ist soweit ganz gut gelaufen. Man hat festgestellt, dass Alina keine Pulmonalklappe hatte, deshalb hat das Herz immer mit Druck pumpen müssen. Deshalb war auch der rechte Vorhof so massivst vergrößert.

Die Ärzte wollten nun ein paar Tage später noch mal einen Herzkatheter machen und dabei die Membran, wo die Klappe hätte sein sollen, auffräsen. Bis dahin würde es Alina gut gehen, und sie könnten dann sehen ob sich der rechte Vorhof zurückbilde. Das wäre wichtig um zu entscheiden, was für eine OP Alina braucht.

Nach dem Eingriff war Alina sehr gestresst und sehr schnell mit dem Puls. Sie erholte sich aber dann über Nacht und war am Donnerstag wieder ganz stabil, so dass ihre Geschwister sie noch mal besuchen konnten.



Alina



Am Freitagmorgen rief mich dann der behandelte Arzt an und meinte er hätte keine guten Nachrichten für mich. Alina hätte sich über Nacht verschlechtert und sie würden jetzt schon operieren. Sie können nicht mehr warten. Alina sollte eine Herzklappe bekommen und sie würden gegen 12:00 Uhr mit der OP beginnen.

Während ich von den Ärzten aufgeklärt wurde über OP und Anästhesie, ist mein Mann schon zu ihr gefahren. Ich war zu diesem Zeitpunkt ja noch immer stationär in der Klinik wegen dem Kaiserschnitt.

Alina war zu diesem Zeitpunkt schon beatmet und wurde dann Punkt 12 Uhr in den OP gebracht. Wir durften sie bis zur OP-Schleuse noch begleiten. Die Ärzte meinten, dass nach 4 Stunden die OP beendet ist und wir dann 1 Stunde später wieder zu ihr können. Sie würden uns dann anrufen.

Als sich um 18 Uhr immer noch keiner gemeldet hat, wurden wir schon unruhig. Irgendwie spürten wir, dass etwas nicht stimmt. Gegen 19 Uhr kam dann endlich der Anruf, aber es sieht nicht so gut aus. Die OP wäre eigentlich gut verlaufen, aber als sie Alina auf Intensiv bringen wollten, hat ihr Herz abgestellt.

Sie wurde wiederbelebt und wieder in den OP gefahren. Dort haben sie den Brustkorb wieder aufgemacht, da alle Organe angeschwollen waren. Nachdem der Druck weg war, hat sich auch der Kreislauf wieder stabilisiert. Die Ärzte konnten sich das alles nicht erklären und tippten auf einen Infekt irgendwo in Alinas Körper.
Die Ärzte würden Alina jetzt auf Intensiv bringen und in einer Stunde könnten wir zu ihr.

Wir waren einfach nur froh, dass Alina lebt. Mein Mann hat dann entschlossen die Nacht bei uns zu bleiben, und so sind wir losgefahren um für ihn ein paar Sachen zu kaufen. Wir wurden dann aber im Laden angerufen und sofort vor die OP-Schleuse gebeten. Wir waren geschockt und haben alles liegen gelassen.

Wir wurden dann vor dem OP empfangen. Alinas Kreislauf ist wieder zusammengebrochen und die einzige Chance, die sie jetzt noch hat, ist eine Art Herz-Lungen-Maschine, eine ECMO. Es steht 50 zu 50 ob sie es schafft. Wenn sie es schafft, sollen wir uns nicht erschrecken wenn wir Alina wieder sehen. Sie wird dann ganz aufgeschwemmt sein von eingelagertem Wasser.

Das war uns egal, wir wollten nur, dass sie lebt. Gegen 21:00 Uhr kam dann auch endlich der erlösende Anruf. Die ECMO ist angeschlossen und Alina ist momentan stabil. An diesem Abend haben wir Alina auf Intensiv noch taufen lassen, denn man hat sich gedanklich schon mal mit dem Tod auseinandergesetzt.

Alina ging es jetzt soweit gut. Die ECMO sollte noch bis Sonntag laufen, bis dahin würden auch die Antibiotika helfen. Länger wollte man Alina nicht an der ECMO lassen, weil sonst wieder Komplikationen auftreten könnten, die dann Langzeitschäden wären.

Alina war wirklich sehr aufgeschwemmt und der Brustkorb wurde auch nicht zu gemacht. Er war mit einer durchsichtigen Folie abgedeckt, worunter man ihr Herz schlagen sehen konnten. Am Sonntagmorgen wurde dann die ECMO ausgeschaltet und Alina baute anfangs auch einen guten Blutdruck auf. Es hielt aber leider nicht lange an. Es war ein rauf und ein runter.

Gegen Abend hörte auch die Niere auf zu arbeiten und Alina kam an eine Dialyse. Um 22 Uhr wurden wir gefragt ob Alina noch mal wiederbelebt werden soll, wenn es ihr weiter schlechter geht. Es würde aber ihr nicht helfen, sondern nur das Leiden verlängern.

Die Ärzte hatten zu diesem Zeitpunkt alles getan was sie konnten. Jetzt kam es auf Alina an. Sie musste kämpfen. Wir lehnten eine Wiederbelebung ab und wollten nur, dass wenn Alina sterben sollte, dies auf unseren Armen passiert. Dies wurde uns auch versprochen.

Gegen 24 Uhr haben mein Mann und ich uns hingelegt, weil wir doch sehr erschöpft waren. Um 3 Uhr wurden wir aber wieder angerufen, und da war uns klar, dass Alina stirbt. Wir bekamen sie dann auf unseren Schoß gelegt und um 03:50 Uhr ist Alina dann gestorben.



Alina



Die Zeit danach war teilweise sehr hart. Wir fragten uns oft warum ein so kleines Würmchen schon gehen muss. Wir sind beide sehr gläubig und wissen, dass Alina jetzt bei Gott ist und sie dort keine Schmerzen mehr hat. Wir haben zwischenzeitlich sogar mit Gott gehadert, aber wir sind trotz allem froh, dass es ihn gibt. Er hat uns die Kraft gegeben, dies alles durchzustehen.

Wir wissen auch, dass Alina alles nicht ohne Langzeitschäden überlebt hätte, und vielleicht hat Gott Alina und uns vor dem allen bewahrt. Wer weiß ob Alina jemals glücklich geworden wäre und ob wir als Familie das alles hätten tragen können.

Unsere beiden Kinder glauben immer, wenn sie einen Regenbogen sehen, dass Alina darauf tanzt. Und die Vorstellung ist auch ganz schön.

Wir haben lange gebraucht bis jeder einzelne wieder seinen Platz in der Familie gefunden hat. Aber wir haben es geschafft, auch – und vor allem – mit Gottes Hilfe.

In liebevoller Erinnerung an Alina

Mama und Papa
Jessica und Silas
 



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