Leben ohne Dich - Für Darren


Darren



Darren


Die Geschichte von Darren

Darren wurde am 21.11.1995 in Berlin geboren. Er war ein absolutes Wunschkind. Er hat mir wieder Lebenswillen gegeben, da es mir die Zeit davor nicht gut ging. Es war so schlimm, dass ich nicht mehr leben wollte. Im März 1995 habe ich versucht mir das Leben zu nehmen. Man hat mir dann den Magen ausgepumpt und am nächsten Tag sagte der Arzt dann ich sei schwanger. Ich konnte es nicht fassen! Ein Baby wächst in mir! Auf einmal war alles anders. Ich hab mich so sehr gefreut. Sofort fing ich an mein ganzes Leben umzukrempeln. Alles drehte sich um mein Baby. Er hat mir wieder Lebenswillen gegeben und dafür bin ich ihm heute noch dankbar. Ohne ihn würde es mich heute nicht mehr geben. DANKE MEIN KLEINER SCHATZ!!!

Die Schwangerschaft verlief so weit ganz gut. Wobei ich sagen muss, dass ich alleine mit ihm war und auch seine Geschwister zu dem Zeitpunkt nicht bei mir lebten. Die Gründe hierfür möchte ich nicht weiter aufführen. Im September 1995 kamen dann Probleme mit seinen Herztönen. Ich bekam Medikamente damit er nicht zu früh das Licht der Welt erblickt. Ich wollte ihn nicht verlieren. Er war mein Ein und Alles. Am 21.11. hatte ich dann einen Termin zur Fruchtwasseruntersuchung. Und was passiert: sie platzt.

Dann ging es erst mal ganz schnell. Dann brach im Krankenhaus mein Kreislauf komplett zusammen. Wieder Angst um mein Baby. Es wurde ein Notkaiserschnitt gemacht. Und dann nachmittags hab ich ihn zum ersten Mal gesehen, gefühlt und gerochen. Es war so schön. Diesen Augenblick werde ich nie im Leben vergessen. Das erste halbe Jahr war ich dann mit ihm alleine zu Hause. Dann kam auch seine mittlerweile 5-jährige Schwester zu uns. Wir waren eine kleine Familie, leider ohne Papa.

1998 lernte ich dann meinen jetzigen Mann kennen. Es war Liebe auf den ersten Blick, auch bei den Kids. Alles war super. Im März 1999 erfuhren wir dann: ein Baby ist unterwegs. Ab Juni 2000 verlief dann nicht mehr alles super. Ich hatte arge Probleme mit meinem Baby und Darren war auch laufend krank. Er war dann auch im Krankenhaus aber alles schien i.O. zu sein bei ihm. Es ging ihm zunehmend schlechter. Aber die Ärzte sagten: es ist nichts. Auch seine Blutwerte waren gut bis auf kleine Abweichungen. Hätte ich vorher geahnt was kommt, ich hätte noch mehr Ärzte aufgesucht. Am 21.11.1999 feierten wir dann seinen 4. und auch letzten Geburtstag.

In der Nacht sagt er mir dann, er habe Bauchschmerzen. Also wieder zum Arzt. Wobei ich noch anfügen muss, er hatte seit geraumer Zeit blaue Flecken, die sich keiner erklären konnte und auch immer eine Schniefnase.

Jedenfalls wollten mir die Ärzte wieder erklären, dass nichts ist. Ich bestand darauf, dass diesmal 2 Blutbilder gemacht werden: 1 kleines und ein 1 großes. Ich weiß nicht aber ich hatte so ein ungutes Gefühl. Er war so anders in der letzten Zeit. Er hat viel geschlafen, er wollte nicht in den Kindergarten, er wollte nicht Fußball spielen. Das war irgendwie nicht er.

Und kam der 1. Anruf aus der Praxis: das kleine Blutbild sei gut, ich solle mir keine Sorgen machen. Ha, hab ich gedacht. Am nächsten Tag, Darren war zu Hause, telefonierte ich mit meinem Papa. Und auf einmal sagte ich zu ihm: "Papa, ich glaub ich weiß was der kleine hat." Lange Pause: "Was?" fragte er. Ich sagte: "Der kleine hat Leukämie." Auf einmal kam nichts mehr.

Mir viel es wie Schuppen von den Augen. 2 Jahre vorher habe ich ein Buch gelesen von einem kleinen Jungen, der Leukämie hatte. Das Buch wurde von seinem Vater geschrieben und heißt "Nur der Frühling". Er beschrieb genau dieselben Symptome, die mein Rüppel seit einiger Zeit aufwies.

In dem Moment dachte ich nur noch: "Alles, aber bitte bitte nicht das!"

Ich ging zu meinem Sohn, sah ihn an und wusste nicht was ich tun soll. Dann der Anruf aus der Praxis. Ich möge doch gleich kommen, das große Blutbild ist da. Ich sofort los, meine Freundin passte solange auf den Jungen auf. Dort angekommen, wurde ich im Innenhof der Praxis abgefertigt.

Wohlgemerkt: ich war im 9. Monat schwanger. Der "gute Mann" kam raus und sagte wortwörtlich: "Ich vermute ihr Sohn hat Leukämie, hier ist die Überweisung für die Krebsstation. Bringen sie ihn sofort dahin."

Und dann stand ich da. Ich wusste nicht ein noch aus. Der Arzt ist gleich gegangen und hat mich stehen lassen, alleine, es war keiner da, der mich in diesem Moment auffangen konnte. Mein Mann war arbeiten und meine Tochter – damals fast 10 – war in der Schule. Ich weiß nicht wie ich nach hause gekommen bin. Dann war ich zu Hause, der Rüppel schlief noch, und in den Armen meiner Freundin bin ich zusammen gebrochen.

Also brachten wir ihn dann abends ins Krankenhaus. Mit der Chemo wurde am nächsten Tag begonnen. Hinzu kam, dass er auch noch eine Thrombose hatte und seine T-Zellen nicht i.O. waren. Es kam jeden Tag eine neue böse Überraschung.

Dann der 1. Dezember. Mit den Ärzten auf der Entbindungsstation habe ich gesprochen, da für mich eine normale Entbindung nicht in Frage kam. Zu wissen, ein Kind ist gesund und dein anderes wird wahrscheinlich sterben.

Mein Mann kam dann nachmittags und brachte den Rüppel mit. Er war total vernarrt in seine Püppi vom ersten Moment an. Er hat sie immer beschützt und auf sie aufgepasst.

Weihnachten kam er dann nach 4 Wochen das erste Mal nach Hause. Es war so schön, endlich alle 3 zu Hause zu haben. In der Sylvesternacht saß ich dann an seinem Bett, er schlief schon, er war ja mit Medikamenten voll gestopft, wünschte ich ihm, dass er wieder gesund wird. Dieser Wunsch ging leider nicht in Erfüllung. Im Februar 2000 stellte sich dann raus, dass er doch Knochenmark braucht, die Chemo und andere Medikamente schlugen einfach nicht an. Ostern fragte er dann: "Mama, kann ich auch bald die Sonne sehen?" Ich wusste keine Antwort. Dann sagte ich: "Mein Süßer, du wirst doch bald wieder gesund." Ich glaube er wusste zu dem Zeitpunkt schon, dass er irgendwann gehen wird.

Also zogen wir im Mai 2000 nach Tübingen, damit er die beste Behandlung bekommt. Er bekam dann seine normale Chemo weiter bis der Termin zur KMT (Knochenmarktransplantation) fest stand. Es war der 10. Juli.

Die Woche davor bekam er dann Bestrahlung (Ganzkörper mit einer Dosis, die eigentlich nur bei Erwachsenen angewendet wird). Problem war, er hatte noch über 30% Krebszellen. Das hätte aber nach den ganzen Chemos nicht mehr sein dürfen! Jeden Tag wurde er in Narkose gelegt, anders war die Bestrahlung nicht zu machen und nebenher bekam er Chemo. Ich weiß bis heute nicht, wie er das alles geschafft hat. Ich bin so stolz auf ihn!

Am 10. Juli dann war es soweit. Nachmittags waren seine neuen Stammzellen da. Er wurde vorbereitet, sprich sein Immunsystem wurde auf 0 runter gefahren. Nach einer halben Stunde begann er zu fiebern, ich konnte ihm nicht helfen. In sein Zimmer durfte ich nicht, ich vor einer Glasscheibe und musste zusehen wie er sich quält. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Als Mutter kannst du deinem Kind nicht helfen.

Nach 6-wöchigem Aufenthalt in der Klinik durfte er dann nach hause. Es sollte aber nicht von Dauer sein. 2 Tage später (am Abend) kam er aus seinem Zimmer und spuckte Blut. Also wieder Klinik. Sie behielten ihn da und dann wurde alles nur noch schlimmer. Mein Kind kam nie wieder nach hause.

Drei Wochen lag er auf einer normalen Kinderkrebsstation. Dann am 8. September nachmittags rief mein Mann mich aus der Klinik an: "Pamela, komm sofort in die Klinik, Darren wird auf die Intensivstation verlegt."

Alles habe ich fallen lassen, ich war mit den Mädels grad Anziehsachen einkaufen. Ich dann nach hause, mein Mann kam mit dem Taxi, ich in das Taxi und zu meinem Sohn. Dort angekommen, hab ich gedacht: was jetzt?

Ich wusste nicht ein noch aus. Eine Schwester brachte mich dann zu ihm und ich habe meinen Sohn nicht mehr erkannt. Er lag in einem viel zu großem Bett und die Farbe seines Körpers war grau. Der Grund für die Verlegung war, dass sein Herz nicht mehr normal geschlagen hat. Sein Herz schlug 160 – 180 mal in der Minute!!! Am Abend dann war es so schlimm, dass der Arzt zu mir kam und sagte: "Wir müssen Ihren Sohn ins künstliche Koma legen, er schafft es nicht mehr alleine." Ich ging dann zu ihm, guckte ihn an, er lächelte mich an so wie er es immer getan hat, und ich dachte: "Mein Süßer, das ist das letzte Lächeln was ich von dir bekomme." Und ich hatte recht. Der Arzt sagte dann noch zu mir nach dem sie ihn ins Koma gelegt haben, er wisse nicht ob er die Nacht übersteht. Ich sagte nur: "Wenn er gehen will, dann kann er gehen, ich möchte ihn nicht quälen."

Mein Rüppel lag dann bis zum 23.9 2000 im Koma. An diesem Tag sollte dann nichts mehr so sein wie es einmal war. Am frühen Morgen wurde ich vom Krankenhaus angerufen und wurde gefragt, wann ich denn käme. Ich war ja schon unterwegs zu ihm. Dort angekommen nahm mich seine Ärztin in den Arm und sagte: "Frau Dohm, ihr Sohn kann nicht mehr, sagen sie ihm, dass sie nicht böse sind wenn er geht, und dass sie ihn immer lieben werden."

Das tat ich dann auch. Ich wollte nicht, dass er sich weiterquält, weil die Ärzte mir ein paar Tage vorher gesagt haben, dass er nur für mich kämpft, weil er mich nicht alleine lassen will. Und das wollte ich nicht. Nicht meinetwegen sollte er kämpfen, für sich ja, aber wenn er sich anders entschieden hat, muss ich das akzeptieren. Es fiel mir schwer ihm das zu sagen, aber irgendwo wusste ich auch, dass er dann endlich nach 10-monatigem Leiden seinen Frieden hat. Und nur das war wichtig.

Wir ließen ihn dann nachmittags noch taufen. Es war ein sonniger September-Sonntag. Irgendwann gegen 17 Uhr legten die Ärzte ihn mir dann in meine Arme. Ich hielt ihn fest, weil ich Angst hatte ihn fallen zu lassen und ihn zu verlieren. Die Monitore waren stumm geschaltet. Etwas später schaute ich dann auf den Monitor, seine Herztöne waren bei 30. Ein paar Minuten später schaute ich eine Schwester an, sie schüttelte nur den Kopf und ihr liefen die Tränen. Es war um 17:26 Uhr.

ER HAT ENDLICH SEINEN FRIEDEN GEFUNDEN!!!

Er fehlt mir so sehr, dass es mich manchmal schier zu zerreißen droht. Es wurde mir das genommen, was ich am meisten liebe: MEIN KIND!!!

Diese Zeilen sind für dich mein Schatz, wo auch immer du gerade bist.

Ich liebe dich und werde nie vergessen, wie sehr du um dein Leben gekämpft hast.

In Liebe. Deine Mama Pam
 

Darren
 



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