Leben ohne Dich - Für Franziska

Franzi


Gedenkseite für unsere über alles geliebte, einzigartige, wundervolle Tochter Franziska (FRÄNZI)


Franziska – der Mittelpunkt unserer Familie, unser Nachzügler und Nesthäkchen ging uns voran am 04.11.2005.

Fränzi wurde uns als Nachzügler 8 Jahre nach ihrem Bruder bzw. 6 Jahre nach ihrer Schwester geboren. Sie war ein sehr agiles Baby, welches von ihrer Mama in jeder Hinsicht verwöhnt wurde.

Sehr zeitig lernte sie sprechen und hatte reges Interesse an ihrer Umwelt. Blumen und Tiere liebte sie besonders. Früh entdeckte sie ihre Liebe zur Musik und sie war zeitig unser Begleiter zu Konzerten und kirchenmusikalischen Aufführungen. Ihre besonders große Liebe galt dem Jazz und sie liebte es zum Dresdner Dixiland-Festival zu gehen. Aber auch viele andere Genres der Musik gehörten zu dem, was sie sehr mochte.


Franzi


Schulisch lief alles komplikationslos und sie war eine sehr gute Schülerin. Im 9. Lebensjahr begann der Anfang eines z. T. schweren Daseins für sie. Die Diagnose, welche in der Uni-Klinik gestellt wurde, war Abscensen-Epilepsie.


Franzi


Es war für die ganze Familie ein großer Schock, besonders aber für unsere kleine Fränzi.

Starke Antiepileptika mit dämpfender Wirkung wirkten sich negativ auf ihr ganzes Dasein aus. Medikamente verschlimmerten zunächst die Anfälle, bis endlich das passende Psychopharmaka gefunden war.

Mit viel Kraft, Energie und Beharrlichkeit (oft über ihre Grenzen hinaus) kämpfte sie gegen die Nebenwirkungen an. Oft gab es von Mitschülern unüberlegte Kommentare zu ihrer Krankheit, die sie sehr traurig stimmten. Aber unsere Fränzi ließ sich nicht unterkriegen.

Sie zeigte allen, dass man auch mit "so einer Krankheit" vollwertig ist. So konnte sie nach schweren Jahren des Kampfes einen sehr guten Mittelschulabschluss erreichen. Besonders viel Freude und herausragende Leistungen hatte sie in den Sprach- und Kunstfächern.


Franzi


Nach einem praktischen Jahr trat sie einen Ausbildungsplatz zur Hotelfachfrau in Frankfurt/Main an. Aufbauend auf diesen Beruf wollte sie nach dessen Abschluss weitere Ausbildungen anstreben.

In Frankfurt hat sie schnell wieder viele Freunde gefunden, auch ihr großer Bruder lebt dort mit seiner Ehefrau, so dass auch die Möglichkeit für evtl. Ratsuche in der Nähe war.

Franziska lebte klar und ehrlich und hatte für jeden Schwachen und Bedürftigen Verständnis, sie half ohne dabei an sich zu denken. Ihr Grundsatz war es, bedingungslos zu lieben.

Viel Kraft gab ihr die innige Bindung und Liebe zu ihrer Familie, welche immer als ihr Rückzugsgebiet galt. Ganz besondere Liebe empfand sie für ihre Nichten (Patenkinder) und ihren Hund Emil. Auch ihre Freunde standen für sie in vorderster Reihe.

Wenn Fränzi zu Hause war, schien es als würde das Haus unendlich leben, und es war von soviel Liebe und Glanz erfüllt. Ihr ansteckendes Lachen ließ auch den "Unfröhlichsten" fröhlich werden.

Ab dem 14. Lebensjahr organisierte sie Reisen für sich und ihre Freunde, was ihr viel Freude und Dank bereitete. Ihr Drang nach Freiheit war groß. "Frei sein" war für sie etwas Wunderbares, hatte sie doch durch die Anfälle oft das Gefühl, im eigenen Körper gefangen zu sein. Als kleineres Schulkind schrieb sie mal nach gehäuften Anfällen voller Kummer: "Lieber Gott, hilf mir".


Franzi


Fränzi feierte ihren 20. Geburtstag in Griechenland. Voller schöner Eindrücke schrieb sie uns: "Wenn ich zurück bin, werde ich euch von diesem wunderschönen Land mit den sehr netten Menschen berichten".

Als Krönung bekam sie von ihren Dresdner Freunden einen Fallschirmflug geschenkt. Ein großer Wunsch ging damit für sie in Erfüllung. Auch hier sagte sie nach der Landung: "Es ist wunderbar, von oben auf die Erde zu schauen und frei zu sein."

Auf meine besorgten Bitten, sie möge doch auf sich Acht geben, erwiderte sie stets: "Mama, ich lebe jetzt, oder die Krankheit muss mit mir auskommen". Als kleines Kind sprach sie schon in einer bemerkenswerten Offenheit vom Tod und welchen Grabstein mit welchem Spruch darauf sie später auf ihrem Grab gern mal hätte (All das konnten wir als ihr kostbares Vermächtnis erfüllen).


Franzi


Zu ihrem 21. Geburtstag kam Fränzi nach Dresden. Gemeinsam mit Freunden und der Familie feierten wir im Garten der größeren Schwester an einem Lagerfeuer. Es war für uns alle, besonders für Fränzi, ein sehr schöner Tag.

Fränzi versuchte immer ihre freien Tage in Frankfurt zurückzuhalten, damit sie dann recht lange zu Hause in Dresden bleiben konnte. So kam sie im Oktober wieder – ein letztes Mal – zur Geburt des 3. Kindes ihrer Schwester.

Mein Geburtstag war – wie von Gott bestimmt – die letzte gemeinsame glückliche Familienfeier.

Am 01.11.2005 fuhr sie wieder nach Frankfurt mit dem ICE. Am Bahnhof sagte sie zu uns: "Ach ihr lieben Elli's, die schöne Zeit war wieder so schnell vorbei." Der Zug fuhr ins Dunkel. (Der ICE nach Frankfurt fährt am Haus ihrer Schwester vorbei, das Flugzeug, mit welchem sie auch manchmal die Strecke flog, fliegt über ihr Grab, da ist die Einflugschneise.)


Franzi


Am 03.11.2005 sprachen wir über viele Dinge am Telefon, auf meine Frage, wann ich sie denn am nächsten Tag erreichen kann, sagte sie: "Mama, versuche es irgendwann, Du wirst ja sehen, ob ich dann schon vom Dienst zurück bin."

Am 04.11.2005 versuchte ich mehrfach per Telefon Kontakt zu bekommen, vergeblich, das Handy war abgeschaltet. Eine unbändige Angst stieg in mir hoch, hatte ich doch wegen der Anfälle stets Ängste um mein geliebtes Kind.

Ich rief bei meinem Sohn an, er machte sich sofort mit seiner Frau auf den Weg. Zwischenzeitlich hatte ich in der Arbeitsstelle angerufen, dort sagte man mir, sie sei nicht zur Arbeit erschienen (das passte überhaupt nicht zu ihr)und sie sei auch nicht erreichbar. Ich alarmierte die Vermieterin, welche den Notarzt rief. Als mein Sohn ankam sah er die Notarztwagen – das Blaulicht war ausgeschaltet.

Die unsagbare Angst ließ uns 400 km von unserer Tochter entfernt fast den Verstand verlieren. Was dann folgte ist unbeschreiblich, unser Sohn musste uns die Mitteilung vom Tod seiner geliebten kleinen Schwester machen.

Unser über alles geliebtes Kind war in den frühen Morgenstunden, am Geburtstag ihrer älteren Schwester, infolge eines schweren epileptischen Anfalls in eine andere Welt gegangen.

Für uns Alle stand die Uhr still, unsere Welt brach zusammen.

Fränzis Schwester und ihre Familie (einschließlich Neugeborenes) fuhr am nächsten Tag nach Frankfurt. Bruder und Schwester gingen zu ihrer kleinen geliebten Schwester und konnten es nicht fassen, dass sie dort lag und nicht aufstand (Schwager und Schwägerin standen erschüttert im Hintergrund).

Sie deckten Fränzi mit einer warmen Decke zu und legten rosa Rosen um sie herum. Mein Mann und ich standen unter schwerstem Schock, wie im Traum wurden alle Vorbereitungen für den letzten Weg getroffen. Mein Sinnen galt nur der Rückführung unseres über alles geliebten Kindes, was am 4. Tag geschah. Am 08.11.2005 kam unser Kind für immer zurück in ihr geliebtes Dresden. Fränzis Schwester richtete ihre kleine Schwester liebevoll für den letzten Gang her.

Wir konnten innig und über einen längeren Zeitraum von ihr Abschied nehmen.


Franzi


Am 11.11.2005 haben wir unser geliebtes Kind für immer der Erde übergeben müssen. Viele, viele Menschen waren gekommen, Freunde, frühere Lehrer, Mitschüler, Bekannte und andere. Ihre beste Freundin sang in der Trauerhalle Fränzis Lieblingslieder "Yesterday" und "My Way" à capella.


Franzi


Ich hatte stets große Angst um meine Fränzi, aber der Gedanke, dass diese Krankheit dazu führen kann, dass sie für immer gehen muss, ist nie zu begreifen.

Großen Halt gibt mir mein Glaube an Gott, hat er doch diesen wunderbaren Menschen 21 glückliche Jahre in unsere Obhut gegeben, die unser ganzes Leben geprägt haben.

Für mich, als ihre sie über alles liebende Mutter, gibt es nun ein Leben davor und ein Leben danach. Mein großer Trost ist es, dass wenn meine Zeit gekommen ist, dass ich dann mein geliebtes Kind wieder sehen werde.

Franziska, unseres Lebens großes Glück, ging uns voran. Du wirst immer tief in unseren Herzen sein, unsere Liebe zu Dir ist grenzenlos.
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In unendlicher Liebe mein Kind, Deine Mama.


Franzi


Von ihrem Vater zur Trauerfeier


Franzi (02.07.1984 - 04.11.2005)

Du warst voller Pläne, voller Ideen,
wolltest noch die Welt und ihre Menschen besehen.
Wo Du weiltest, war Sonnenschein!
Du lachtest Dich in alle Herzen hinein.

Hattest stets ein offenes Ohr für anderer Sorgen und Nöte,
gabst oft den Bettlern die letzte "Kröte"
warst streitbar und sehr emotional
schwer zu berechnen, aber doch rational.

Jeder liebte Dich, der Dich kannte,
für Deine Nichten warst Du die "coole" Tante.
Auf Partys und Feiern warst Du zu Hause
Und zu gern weiltest Du im Elternhause.

Dann dieser Freitag am ungeliebten Ort:
Dein Licht ging plötzlich aus, du musstest fort!
Nun stehen wir heute an Deinem Grab und können es nicht fassen:

Franzi, Franzi warum musstest Du uns verlassen?
 



Von Ihrem Bruder Sebastian zur Trauerfeier


Geleit für Franzi

Wie soll in einer Grabrede ein Leben bedacht werden, zwischen dessen Buchdeckel Bibliotheken passten – ich will es versuchen.

Jemandem die letzte Ehre erweisen. Was bedeutet das?

Vielleicht bedeutet das, in so schwerer Stunde trotzdem hier zu sein, die Trauer über den Verlust zu ertragen, sich ihr zu stellen. Franzi fehlt.

Ich möchte nun nicht über das Unfassbare und für mich schwer Akzeptable sprechen. Ich möchte über Franzi sprechen, wie ich sie sah.

Ich glaube – nein –– ich weiß, dass Du hier bist, wenn auch anders als von uns in vielen tränen- und schmerzensreichen Stunden gefordert.

In die Arme will ich Dich schließen, Dir so viel sagen – aber das geht nun nicht mehr auf dem irdischen Weg.

Wer warst Du also?

Du erschienst, wo andere ankamen, wenn andere gingen, schrittest Du. Wenn andere weinten, tröstetest Du, wo andere wegsahen, blicktest Du hin, halfst auf.

Die, die Dich kannten, sahen in Dir einen stolzen, lachenden Menschen. Die, die Dich liebten, sahen Deinen Stolz und Deine Verletzbarkeit, Hand in Hand schreitend.

Die Tränen Deines raumgreifenden Lachens waren immer gewürzt mit einer gewissen Melancholie. Und die, die Dich nicht kannten, werden den Verlust heute spüren.

Seit Deiner Geburt brannte Dein Lebensfeuer, und dadurch gelang es Dir, eines jeden Menschen Lebensfunken zu entfachen.

Dein Durst aufs Leben war selber mit ungeheuren Wassermassen nicht zu stillen, genau so wie diese Massen nun nicht unsere geweinten Tränen – stumm oder laut – ersetzen könnten. Aber auf welches Leben warst Du durstig?

Nicht auf das, was alle Realität nennen. Dein Leben war in den Wolken Deiner Träume. Es fand in Deinem eigenen Königreich statt – Deinem inneren Königreich, wofür nur Du den Schlüssel besaßest. Dort schwebte die Güte, Hässlichkeit war ausgeschlossen. Es gab keine Fesseln. Fesseln, die versklaven, an graue Tage binden und Herzen brechen, Träume verschütten.

Du hattest einmal gesagt, dass die Krankheit mit Dir auskommen muss – nicht Du mit der Krankheit. Diesen Satz konntest Du nur in Deinem inneren Königreich leben.

Nun hast Du Dein Königreich in ein anderes mitgenommen und wirst dort in ihm aufgehen, da bin ich sicher. Trotzdem bleibst Du eine Vorzeitige, Du bist vor dieser Zeit gegangen, weit vor ihr.

Es heißt, wen die Götter lieben, den holen sie zuerst. Unvorstellbar, dass Dich jemand nicht lieben konnte, wenn er Dich kannte.

Zur Welt suchtest Du den Entwurf, ohne zu spüren, dass Du selbst der Entwurf warst. Das Leben, das durch Dich hindurch schoss, ist Dir nun entwischt.

Aber ich verspreche Dir, dass ich es suchen werde, auch im Sandsturm der Wirklichkeit. Für uns bleibt nur, der Welt von Dir zu erzählen, Dich und Dein Feuer in uns in die Welt hinauszutragen.

Vielleicht möchtest Du mir in diesem Herbst einen meiner langen Schals kräftig um die Ohren wehen: Dann werde ich den Wind küssen.
 



Von ihrem Schwager Mario zur Trauerfeier


Es wurde Herbst, die Tage rauer
Und Deine Welt, die Dich unendlich liebt,
fiel in tiefe, schwere untröstliche Trauer.
Warum nur schon jetzt, wo liegt der Sinn im plötzlichen Schluss,
dass ein so junger Baum mit all seinen Träumen
inmitten der Blüte schon fallen muss?

Ein Bäumchen warst Du, in dessen Schatten
so viele Bedürftige Zuflucht hatten.
Wir hoffen, dass Du hast Zuflucht gefunden
Aus Deiner kalten Realität.

Wir denken an Dich – Stunden um Stunden –
Und trösten uns, dass es Dir jetzt besser ergeht.


Franzi

Fränzis Geburtstag am Grab 2006



Franziska zum 1. Jahresgedächtnis von ihrem Vater


Ein Jahr schon bist Du von uns fern
und lebst auf einem anderen Stern,
von irdischen Sorgen und Nöten befreit,
von Krankheiten, Kummer und von Leid.

Uns ist es, als ob es erst gestern wär':
Du fuhrst von uns weg ohne Wiederkehr!
Fern der Heimat, in aller Stille
verließest Du Deine irdische Hülle.

Wir können es immer noch nicht fassen:
Warum musstest Du uns so bald verlassen?
Wir wähnten uns glücklich und im Frieden
Mit allem, was uns so beschieden

bis zu diesem Tag vor einem Jahr
seit welchem alles anders war.
Es bleibt uns, Deiner zu gedenken:
Du bleibst bei uns im Fühlen und Denken!

Und werden wir dereinst auch gehen
So hoffen wir auf ein Wiedersehn!
 



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