Leben ohne Dich - Für Geraldine

"Möge die Kraft mit mir bleiben..."

Das kurze und intensive Leben von Geraldine


Geraldine war ein außergewöhnlich aufgeschlossenes, extrovertiertes Menschenkind mit großer Entdeckungsfreude in allen Richtungen: Menschen, die Natur, das Tanzen, Malen und Reisen lagen ihr sehr am Herzen. Ihre enge Bindung an ihre Familie und an langjährige Freundinnen und Freunde war für Geraldine sehr wichtig. In vielen, vielen Briefen, die immer so sehr herzlich, fantasievoll und unglaublich lang waren, hielt sie Kontakt mit ihre "Engen", denjenigen, die ihr vertraut, aber gerade fern waren. Oberflächlichkeiten und "Smalltalk" lagen ihr überhaupt nicht, sie ging immer sehr intensiv auf andere zu und hatte ein großes Gespür für die Gefühle ihrer Mitmenschen. Aber auch heftige Diskussionen, in denen sie ihre Meinung hartnäckig vertrat bis hin zum "Zoff", gehörten mit zu Dini.

Neben dem Tanzen war das Reisen Geraldines größte Leidenschaft. Sie liebte es, andere Länder und Menschen kennen zu lernen. Nach dem Abitur reiste sie in viele Länder, wo sie auch immer ein soziales Betätigungsfeld fand. So arbeitete sie in einem Abourigines-Projekt in Australien mit und rief in Marokko eine Break-Dance-Gruppe für Straßenkinder ins Leben. Doch ihre Arbeit in einem Kinderheim in Tansania musste Geraldine schon nach kurzer Zeit wieder aufgeben – mit einer sehr schweren Depression kam sie zu uns nach Hause zurück in der festen Überzeugung, nicht mehr weiterleben zu können.

Aus dieser ersten und aus noch mehreren folgenden Depressionen konnte Dini mit Hilfe von Ärzten und ihr nahe stehender und sie liebender Personen wieder ins Leben zurückkehren und sie genoss zwischen den dunklen Phasen ihr Leben auch wieder sehr. Inzwischen hatte sie in Leipzig ihr Studium der Ethnologie, Philosophie und Afrikanistik aufgenommen und lebte in einer WG. Nebenbei kümmerte sie sich um Abschiebehäftlinge. Das politische System, das es nicht möglich machen konnte, dass alle Menschen auf der Welt die gleichen Chancen haben, hat sie sehr belastet. Auf Demonstrationen hat sie die Hilflosigkeit der Einzelnen ebenso wie unangemessene Gewalt der Staatsorgane, auch gegen sie selbst, kennen lernen müssen. Das alles und die immer wiederkehrenden Phasen tiefster Depression (die sie vor ihren Freunden und ihrer Familie jetzt aber verbarg, ein Umzug in eine neue WG machte das möglich) führten dazu, dass Geraldine am Ende für sich nur noch eine Möglichkeit sah:
Sie nahm sich das Leben.

Wir vermissen sie unendlich ....


Geraldine


Geraldine
 



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