Leben ohne Dich - Für Jesko


Jesko


Im September 2005 erfuhr ich, dass ich wieder schwanger bin. Ich hatte in den zwei Jahren davor drei Fehlgeburten. Nun hatte ich natürlich Angst, dass ich auch dieses Kind verlieren könnte, doch bis Ende Januar verlief alles normal. Wir waren so glücklich.

Am 05.02.06 bekam ich so ein Ziehen im Unterleib, Bauch und Rücken und ich wusste nicht genau: sind das jetzt Wehen oder nicht, also rief ich meine Mutter in Berlin an (ich war fast drei Jahre zuvor von Berlin nach Darmstadt gezogen), sie sagte, es seien sicherlich Wehen und ich möchte doch bitte ins Krankenhaus fahren, lieber einmal zuviel, als einmal zu wenig.

Also fuhren mein Mann und ich in das Krankenhaus, für das ich mich auch für die Geburt entschieden habe, dort wurde mir gesagt, dass mein Muttermund schon geöffnet wäre und ich, da ich erst in der 23. SSW war, in die Kinderklinik gebracht werden müsse.

Dort angekommen, sagte man mir, man müsse den Muttermund mit einer Not-OP schließen. Ich bekam auch sofort einen wehenhemmenden Tropf. Not-OP hinter mich gebracht, kam ich auf die Station.

Ab jetzt heißt es: nur liegen und Tropf. Da lag ich nun und wartete. Meine Entzündungswerte fielen aber leider nicht, sondern erhöhten sich von Tag zu Tag. Dann Mittwoch Nacht ist meine Fruchtblase geplatzt, bei der Untersuchung hatte man mir jedoch gesagt, das wäre nicht schlimm, das Fruchtwasser würde sich nach und nach wieder bilden.

Donnerstag entschieden sich die Ärzte, nach vorheriger Absprache mit uns, was passieren würde, wenn unser Kind jetzt zur Welt kommt, die Naht am Muttermund zu öffnen und die Geburt auf normalem Wege in Gang zu setzen.

Um 8:00 Uhr bekam ich dann Wehen und um 12:34 Uhr war unser Kind dann auf der Welt, es wurde von Ärzten dann gleich mitgenommen, wir wussten noch nicht einmal was es ist. Nach einer unendlich lange Stunde sagte man uns, wir haben einen Jungen und ob wir ihn nottaufen lassen wollen. Da war uns schon klar, er hat kaum eine Chance, aber ich gab die Hoffnung nicht auf.

Er bekam also einen Paten, der auch sofort in die Klinik kam. Unsere Familie und unsere besten Freunde kamen. Meine Eltern kamen aus Berlin nach Darmstadt, ich bestand darauf, denn ich wusste, dass es nicht gut aussah und ich wollte, dass sie ihren Enkel wenigstens einmal sehen konnten.

Er war so klein, 30 cm, und war nur 450 g schwer. Aber er sah so friedlich aus, unser kleiner Jesko, wie er dort im Brutkasten lag, ich habe ihm gesagt, dass er das schaffen würde, dass wir uns so auf ihn gefreut haben und er jetzt nicht einfach von uns gehen dürfte, er wundervolle Großeltern habe, dass sein Papa sich so auf ihn gefreut hat, er immer gesagt hat: "Es ist ihm egal, was es wird, Hauptsache der BUB ist gesund"... und nun hatte er seinen BUB bekommen.

Am nächsten Tag waren wir den ganzen Tag bei ihm. Wir streichelten ihn und hofften immer noch, dass er nicht sterben wird. Wir entschlossen uns abends um 20:30 Uhr nach Hause zu fahren, um ein bisschen Kraft zu tanken. Wir sagten den Schwestern, wenn etwas ist, sollten sie uns sofort anrufen, wir bräuchten ca. 30 Minuten zum Krankenhaus.

Noch auf der Heimfahrt klingelte mein Handy, der behandelnde Arzt sagte mir, dass Jesko langsam von uns ging und wir doch bitte kommen sollen, um uns zu verabschieden.

Wir drehten um, drei Minuten später klingelte wieder das Handy, wir sollen bitte langsam fahren, nicht dass uns noch was passierte, Jesko wäre um 21:14 Uhr entschlafen.

Der Schmerz zerriss uns fast. Es war, als ob sich unser Kleiner von uns verabschiedet hatte, und nicht wollte, dass wir dabei sind, wenn er geht. Der Arzt sagte, er hätte nicht erwartet, dass es doch so schnell ging. Wir hoffen, dass er keine Schmerzen hatte als er starb.

Alles was uns geblieben ist, sind ein paar Bilder, Abdrücke von seinen Händen und Füßen, sein Grab und natürlich unsere Erinnerungen. Wir werden ihn nie vergessen.


Jesko
 



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