Leben ohne Dich - Für Joanna

Für unsere liebe Tochter und Schwester Joanna:


Liebe Jo,

es war der 24. Mai 1998, als DU als zweites Zwillingsmädchen auf diese Welt gekommen bist. Noch heute strahlst DU wie der SONNENSCHEIN. So ungefähr mit einem Jahr hast DU dir die Hände an die Wangen gelegt und gesagt: "Oh Gott, oh Gott" oder die Hände hoch gestreckt: "SOOO groß werde ICH", oder DU hast sie zu Fäusten geballt und gesagt: "SOOO stark bin ICH". Was für eine Bedeutung!!!! Unseren ersten Urlaub verbrachten wir alle in der Lüneburger Heide.

Es war ein sehr schöner Urlaub.

Dann kam der Tag als Deine Lymphknoten dick waren. Dachten an einen Infekt, nichts Böses! Da das Antibiotika nicht wirkte, wurden wir ins KKH überwiesen. Wir durften dann kurz nach Hause um ein paar Sachen einzupacken. Näheres würden wir später erfahren. Von wegen, der Chefarzt hat persönlich angerufen und gesagt: "Ihre Tochter hat Leukämie und sie wird sterben wenn Sie nicht gleich kommen".
Am Telefon!!!!!

Das war der 23. November 1999.

Nach vielen unangenehmen Untersuchungen, und DU warst super lieb und tapfer, das Ergebnis: AML!! Chance?? 30/100.
Wir alle haben Dich sehr lieb und wir haben vor Dir und den anderen Kindern RESPEKT !!!


Joanna


DU bist mit dem Infusionsständer durch die Gegend gelaufen als wäre es ein Spaß, ein Spiel, das irgendwann zu ENDE geht, wenn man keine LUST mehr hat. Für die Ärzte und das Pflegepersonal warst DU das Vorzeigekind, was sich nicht so schnell umhauen lässt. Ja liebe JO, Du bist klasse!!

Schnell hast Du ja den Hick-men bekommen.
Dadurch konnte man Infusionen, Thrombos, Blutkonserven oder Abnahmen leichter geben. So auch das tägliche GIFT, die CHEMO.

DU hattest gar keinen richtigen Hunger, Dir war dauernd übel und Du musstest Dich mehrmals am Tag übergeben. Blaue Flecken am ganzen Körper, Gewichtsverlust und Deine Haare. Ich habe gesagt, was sind schon Haare??? Als sie weg waren, habe ich geheult, Jo, Deine Haare!!! Weißt Du was DU gerne gegessen hattest?? Na klar weißt DU es: Smacks, Zini-mini, Fruchtzwerge und die leckere Honig-Milch Flasche.
Ach Süße.......

Es kamen dann noch KMP's und viele LP's und die Bestrahlung auf Dich zu und wir waren und sind immer ein Team geblieben.
Dabei habe ich DIR zweimal das Leben gerettet, sonst hätte DICH Dein Engel schon früher mitgenommen. Aber nicht ohne mich, Jo, ich hätte mein Leben zu gerne für DEINS gegeben. Aber jemand hat da was dagegen. WARUM???????

Dir ging es so gut, dass wir einen Gedanken nie hatten, weil es ja nie danach aussah. Der Gedanke, dass UNSERE SONNE untergehen könnte.

Denn ich wurde unerwartet schwanger und sagte mir immer wieder, dass dieses Kind kommt um DICH abzulösen!!!
Denn es kam wie es kam........!
Ab dem 20. November ging es DIR nicht besonders, die Blutwerte waren auch nicht ok und dann kam der 23. November.

Wir waren grad im Spielzimmer vom KKH als man mir hochschwanger und ganz trocken gesagt hatte, dass DU einen Rückfall hast!! DU????? DU??? NEIN, nein, nein, das ist nicht WAHR!!!

Dann verhielten sich das Pflegepersonal und die Ärzte sehr komisch uns gegenüber. Du als Vorzeigekind der Station!! Denn wir wollten nicht, dass man DICH als Labor-Maus benutzt, so wie die es gerne wollten.
DU warst so fröhlich, wie ein freier Vogel...

Wir sind sehr oft ins KKH gefahren, weil wir Blutkonserven und neue Werte haben wollten, eine Schwester im Flur zu mir sagte: "Was wollen Sie hier, Joanna wird so oder so sterben". Eine Schwester auf der Onkologie-Station, die Dich seit einem Jahr betreute!!! Das Morphin, was wir für DEINE Schmerzen bekommen haben, hat so gerade eben ausgereicht.

Eine bittere Erfahrung mussten wir mit diesem Medikament einmal machen.
Wir haben DICH auf dem Arm gehabt und DU hast verwirrt gefragt: "MAMA? PAPA?". Wir haben geantwortet unter Tränen: "JO, hier ist doch die Mama und der Papa". Immer wieder schrie ich: "HIER mein SCHATZ, hier bin ich doch". DU hast uns nicht erkannt durch das Morphin.
Es war SCHRECKLICH!!!

Und überall das Blut, mein Schatz, DU hast überall geblutet. ÜBERALL!! In den ganzen Monaten hast DU meine Finger gehalten und gesagt: "MAMA Kuss, LIEBE DICH". DU wolltest immer Auto fahren und hast Flugzeuge gesehen wo keine waren. Deinen Lieblingsfilm Tarzan hast Du auch in den letzten 4 Wochen, als der Rückfall kam, angesehen.

In den letzten 2 Wochen hast DU gar nichts mehr essen können, und getrunken grad mal 200 ml. Das war es auch leider schon.

Am Montag, dem 18. Dezember 2000, haben wir DICH wie immer und so oft in den 4 Wochen sauber gemacht.
Ich glaube ein Engel stand schon an DEINEM BETT, denn DEINE Augen waren nicht bei uns. Wir haben DICH unter Tränen sauber gemacht und DIR so viel noch gesagt, wie z.B.: "Wir lieben DICH, geh jetzt DEINEN Weg, wir sind so stolz auf DICH" und noch vieles mehr....! Dann bist Du noch mal zu uns gekommen und hast Papa und mir sehr bewusst einen Kuss gegeben und innerlich "ICH LIEBE DICH" gesagt.

Als DU Deinen Mittagsschlaf gemacht hast, hast DU deinem Engel die Händchen entgegen gestreckt......!
Verdammt noch mal, WARUM???
Ich wollte mit DIR tauschen, ICH, ICH, ICH!!!
Warum DU???

DU fehlst uns allen sehr!!!

Neun Tage, und mit Verspätung, kam DEINE Schwester Anna zur Welt.
DU hast das wohl so mit ihr ausgemacht, denn sie hat DEIN Lachen.
JO, die SONNE scheint!!!!

Ich danke Dir von ganzem Herzen, dass ich DICH auf die Welt bringen durfte, dass wir DEINE Eltern sein durften.

Joanna, wir lieben DICH alle sehr: Ich, Papa, Alina, Maurice, Marvin, Michelle und Anna.


Gedichte und Gedanken an Dich.

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Manchmal stehe ich hier an deinem Grab,
kann es immer noch nicht fassen.
Ich sage ganz leise, dass ich dich mag,
warum hast du mich nur verlassen?
Doch du, du wolltest ja nicht gehen,
es lag nicht in deiner Macht.
Wir haben dich alle kämpfen gesehen,
doch hat es nichts gebracht.
Die Krankheit war ganz einfach zu schwer,
du hast dein Letztes gegeben.
Doch irgendwann, da ging es nicht mehr,
sie beendete zu früh dein kleines Leben.

 
 
Mein SONNENSCHEIN:

Wie ein Stern in dunkler Nacht,
hast du dich davon gemacht.
Du bist gegangen ohne zu klagen,
ich konnte dich nicht einmal mehr fragen:
wie du dein Sterben hast gesehen.
Konntest du das alles verstehen?
Wie viele Nächte hast du geweint?
Ab wann warst du mit Gott vereint?
Hat er dir zu verstehen gegeben,
dass du wirst nicht mehr lange leben?
Hat er dich darauf vorbereitet,
hat dich schon vorher ein Engel begleitet?
Deine letzten Tage hier auf Erden,
konntest du da noch glücklich werden?
Denn von Angst war bei dir nichts zu spüren.
Du wusstest, du würdest den Himmel berühren.
Du hast im Stillen Lebewohl gesagt
und dich in Frieden auf den Weg gemacht.

In Liebe von Mama und Papa

 



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