Leben ohne Dich - Für Jochen Andreas



Jochen Andreas

Jochen im Juni 2005 in Dresden


Jochen litt an Neurofibromatose Typ 1 (Morbus Recklinghausen), einer unheilbaren, vor allem aber nicht therapierbaren Krankheit. In den allermeisten Fällen verläuft diese Krankheit so, dass der Erkrankte eine Beeinträchtigung seines Befindens hat, aber trotzdem damit leben kann.

Aber es gibt sehr wenige Fälle, wo diese Krankheit sehr aggressiv verläuft und bösartige Tumore bildet – sogenannte Sarkome.

Als Kind hatte Jochen nicht unter seiner Krankheit zu leiden, erst nach der Pubertät traten die ersten Symptome auf. Er litt unter Schmerzen im linken Bein, und später hatte er zunehmend Beschwerden beim Laufen.

Im August 2006 wurde dann eine "maligne Transformation" der Neurofibromatose festgestellt. In der Lunge befand sich ein Sarkom und im ganzen Körper Metastasen. Die Prognose war von Beginn an sehr schlecht.

Die Chance, dass Jochen die nächsten fünf Jahre überlebt, lag nach Ansicht der behandelnden Onkologen der Uniklinik Regensburg bei unter 5%.

Nach ersten Erfolgen der Chemotherapien verschlechterte sich aber Jochens Zustand ab Juni 2007 zusehends. Nach einer Operation am linken Oberschenkel, bei der ein 20 cm langer nekrotischer Tumor entfernt wurde, bekam er auch Krampfanfälle und später offene Stellen am linken Bein.


Jochen Andreas

Jochen nach seiner ersten Chemotherapie im November 2006


Alles, was die Ärzte letztendlich an Therapien versuchten, waren umsonst und am 9. August 2007 teilten die Ärzte uns mit – die Chemotherapien werden nicht mehr fortgesetzt, Jochens Zustand ist nicht mehr heilbar.

Der Schock war für uns, meine Frau und mich, riesig. Jochen war unser einziges Kind und nun sollten wir ihn verlieren.

Die Verlegung in eine Palliativeinrichtung in Regensburg, die uns vorgeschlagen wurde, lehnten wir ab. Wir wollten die Zeit, die unserem Sohn noch blieb, gemeinsam mit ihm zu hause in seiner gewohnten Umgebung verbringen. Er sollte all die Dinge, die ihm lieb und wichtig waren, um sich haben.

Am 17. August 2007 wurde Jochen von Regensburg nach Hause transportiert. Schlimm für uns war es, mit ansehen zu müssen, wie unser Sohn gegen seine Krankheit ankämpfte, wo doch der Kampf schon verloren war. Er hat furchtbar gelitten, aber er gab nicht auf. Noch immer machte er Pläne für die Zeit nach seiner Heilung. Wir wollten ihm nicht widersprechen.


Jochen Andreas

Jochen am 9. August 2007


Täglich bekam er 28 Tabletten, dazu gegen die Schmerzen ein Schmerzpflaster und bei Bedarf Morphintropfen. Am Nachmittag des 28. August stellten sich erste Bewusstseinstrübungen ein und er fiel in einen Dämmerzustand, aus dem er ab und zu auftauchte. Auch konnte er kaum noch sprechen.

Aber nach dem Abendessen, das wir noch gemeinsam mit ihm einnahmen, verstärkte sich der Dämmerzustand. Er lag nur noch da, atmete schwer, ohne sich zu bewegen. Diese Nacht wachte ich an seinem Bett und hoffte nur, dass er doch noch bei uns bliebe. Hier habe ich wieder beten gelernt.

Doch schließlich rief ich unseren Hausarzt an, der dann sofort die Einweisung ins hiesige Klinikum veranlasste. Die Ärzte dort sagten uns gleich, dass Jochen wohl nicht mehr nach hause käme. Wir ließen unseren Sohn nicht mehr allein.

Einige Male war Jochen noch ansprechbar, zumindest gab es Augenkontakt. Aber ab Donnerstagvormittag lag er nur noch reglos im Bett ohne etwas von dem, was um ihn herum geschah, wahrzunehmen. Wir, meine Frau und ich, saßen hilflos am Bett, hielten seine Hände, sprachen mit ihm, flehten ihn an, uns nicht zu verlassen. Umsonst!

Am 30. August 2007, um 12:50 Uhr, hörte Jochen auf zu atmen. Sein Leiden war zu Ende – unser Sohn Jochen war tot!

Ob er gewusst hat, dass er sterben muss? Wir wissen es nicht! Wir wissen nur, dass er bis zum Schluss noch Pläne hatte. Keinen davon konnte er in die Tat umsetzen.

Jochen, lebe wohl auf Deinem Stern. Wir wissen, eines Tages werden wir uns ganz sicher wiedersehen. Dieses Wissen gibt uns die Kraft, weiter zu leben.

Doch bis dies geschieht, fehlst Du uns unendlich!

Mama und Papa
 



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