Kevin-Benjamin


Die Geschichte von unseren Sohn Kevin-Benjamin

Am 2.12.02 erfuhr ich von meiner Frauenärztin, dass ich schwanger bin, im Vorfeld hatte ich 2 Tage vorher einen Schwangerschaftstest gemacht. Aber um wirklich sicher zu gehen, bin ich an diesem 2.12.02 zum Arzt gegangen.

Ich war schon im zweiten Monat, unser Sohn war zu diesem Zeitpunkt 11 mm groß, ganz klein und winzig und sein Herzchen schlug kräftig und regelmäßig. Ich bekam mein erstes Ultraschallbild. Wahnsinn, in mir wuchs ein neues Leben heran!

Als ich auf dem Weg nach Hause war, schrieb ich meinem Verlobten eine SMS, dass wir es jetzt offiziell wissen: wir werden Eltern. Ich hätte meinen Verlobten gerne bei der ersten Untersuchung dabei gehabt, nur leider war er zu der Zeit bei der Bundeswehr und er konnte nicht weg.

Ich war überglücklich, wir werden Eltern. Unser Sohn war vom ersten Augenblick willkommen und geliebt!!!! Wir haben es unseren Familien und Freunden erzählt, die Freude war bei allen unheimlich groß!!!!

Das macht mich heute noch sehr glücklich!

Nur leider fingen schon früh die Probleme an. Auf der Arbeit habe ich zu schwer getragen (Altenpflege)und musste abends ins Krankenhaus! Mein Verlobter und seine Mama kamen sofort. Die Angst war groß, dass mit unseren Kind etwas nicht stimmen könne.

Aber nein, die Ärzte gaben Entwarnung, mit unseren Sohn wäre alles in Ordnung. Mein Gott, was waren wir alle erleichtert. Das kann ich gar nicht in Worte fassen.

Ich blieb ein paar Tage im Krankenhaus, musste mich schonen, das viel mir absolut nicht schwer, denn ich wusste wofür ich es tat, für unseren Sohn!

Am Tag der Entlassung ging es mir relativ gut. Nur die Angst, ja diese unendliche Angst, dass wieder was sein könnte, die machte uns fertig.

Aufgrund meines schweren Berufes wurde ich arbeitsunfähig für die ganze Schwangerschaft geschrieben. Ich durfte nichts tragen, ich musste mich schonen, das habe ich alles unheimlich gerne gemacht! Ich habe spezielle Nahrungsmittel nicht gegessen, die man während der Schwangerschaft nicht essen sollte.

Anfang des Jahres 2003 waren wir bei Freunden einen gemütlichen Abend verleben, ich stand von der Couch auf, merkte, dass es zwischen meinen Beinen nass wurde, ich fühlte und schaute meine Finger waren voller Blut.

Mein Verlobter brachte mich umgehend ins Krankenhaus. Ich wurde untersucht, es war aber alles in Ordnung mit unseren Sohn. Die Ärzte teilten uns mit, dass das schon mal mit den Blutungen auftreten könne! Es hieße nicht, dass sofort eine Fehlgeburt drohe.

Ich blieb ca. 14 Tage im Krankenhaus, hatte ab und zu komplette Bettruhe, aber ich wusste für wen ich es mache, für unseren Sohn!!!!!

Ich wurde Anfang der 16. Schwangerschaftswoche entlassen, musste mich natürlich schonen. Ein paar Tage später hatte ich wieder leichte Blutungen, mein Verlobter bracht mich sofort in dasselbe Krankenhaus. Ich wurde untersucht, es war aber alles in Ordnung. Wir durften gehen.

Nun dachten wir, wir könnten jetzt endlich die Schwangerschaft genießen Als ich wieder bei der Nachsorge-Untersuchung bei der Frauenärztin war (16. Woche), stellte sie auf den Ultraschall fest, dass irgend etwas mit unseren Kind nicht stimme, aber sie könne nichts richtiges erkennen. Gott sei Dank war meine Mum bei mir! Meine Ärztin überwies mich als Notfall zur pränatalen Untersuchung bei einer renommierten Ärztin!

Was hatten wir für eine Angst. Bei der Untersuchung stellte die Oberärztin fest, dass unser Sohn einen Bauchwandbruch hat, genannt auch Omphalocele-Organe, Magen und Darm befinden sich nicht im sondern oben auf dem Bauch. Das ist ein Gendefekt.

Sie versicherte uns, dass das nicht schlimm ist, man könne das entweder später operativ behandeln oder die Organe arbeiten sich selber in den Körper hinein, dazu würde der Sack, wo die Organe sich auf dem Bauch befinden, oben befestigt.

Bei so einer Erkrankung werden Babys in der etwa 36. Woche per Kaiserschnitt auf die Welt geholt! Ca. 4-monatiger Aufenthalt für unseren Sohn, aber wir als Familie wären immer bei ihm gewesen.

Ich musste dann regelmäßig zur pränatalen Untersuchung ins KH und parallel zu meiner Frauenärztin. Wir waren wirklich in guten Händen, nichts könne mehr schief gehen, dachten wir, nicht nur wir sondern auch die Ärzte!

Am 11.05.03 brachte mich mein Verlobter wegen Bauchschmerzen erneut ins KH, aber diesmal dorthin, wo sich die pränatale Diagnostik befindet. Es wurde ein CTG gemacht und dann hat man auch gesehen, dass ich vorzeitige Wehen hatte. Ich wurde stationär aufgenommen, bekam wehenhemmende Medikamente und hatte Bettruhe, nur zur Toilette durfte ich aufstehen.

Ich habe alles gemacht, was die Ärzte gesagt haben. Unserem Sohn ging es blendend. Ich sollte am 27.05.03 entlassen werden, aber am 25.05.03 ist meine Fruchtblase geplatzt. Aber die Geburt sollte heraus gezögert werden! JEDER TAG ZÄHLT sagten die Ärzte!!

Ich bekam erst eine Lungenaufbauspritze und wurde hinunter in den Kreißsaal geschoben zur Beobachtung. Mein Verlobter kam auch sofort nachdem er informiert wurde. Meine Mum war auch da. Beide begleiteten mich zum Ultraschall, wo die Ärzte sahen, dass noch genug Fruchtwasser vorhanden war!

Mein Gott, was hatten wir Angst, es war erst die 33. Woche.

Die Nacht war sehr unruhig. Morgens wurde erneut ein CTG gemacht, wo die Herztöne von unseren Sohn sehr schlecht waren. Eine erneute Ultraschalluntersuchung wurde gemacht, die Ärzte stellten fest, dass ich kein Fruchtwasser mehr habe, sie müssten sofort handeln! Mein Verlobter wurde bei der Bundeswehr sofort verständigt, er war in 20 Minuten da!

Ich kam in den OP. Mein Verlobter durfte nicht mit rein, wegen der Vollnarkose. In der Zeit, wo ich im OP war, kam auch meine Mum. Der Kaiserschnitt war vorbei, im Unterbewusstsein bekam ich mit, wie mir jemand gratuliert hat. Ich wurde in den Kreißsaal geschoben, mein Verlobter saß neben mir und sagte, dass unser Sohn sterben würde.

Ich hätte am liebsten gesagt "ICH WILL AUCH STERBEN"! Er würde sterben, weil unser geliebter Sohn schwer krank wäre, er wäre sehr sehr krank, die Lungen wären nicht richtig ausgereift, so dass er schon weiß zur Welt kam und auch nicht geschrien hätte, sagten die Ärzte. Mein Verlobter ging immer zu unserem Sohn, kam wieder zu mir, um mir alles zu erzählen.

Wie hilflos ich war, ein paar Zimmer weiter lag unser Sohn. Ich konnte ihm nicht helfen. Eine Seelsorgerin kam zu uns, ob wir unseren Sohn taufen lassen wollten? Natürlich sollte unser Sohn getauft werden. Und das alles in 59 Minuten.

Leider konnte ich mich nicht von meinem Kind verabschieden, als er noch gelebt hat. Und das fehlt mir ungemein!

Anstatt eines Kinderwagens haben wir einen 60 cm kleinen weißen Sarg kaufen müssen, denn unser Sohn sollte eine würdige Beerdigung bekommen, und wir einen Ort, wo wir hingehen können um eine Kerze anzuzünden oder um ihm einfach nahe zu sein!

Am 5.06.03 wurde unser Sohn in großer Anteilnahme beerdigt. Was für ein grausamer Tag für jeden von uns!! Ich habe das Gefühl, je länger unser Sohn tot ist, umso größer wird die Sehnsucht!!

Mein lieber Sohn: Du wirst unvergessen und immer geliebt bleiben!

Wir vermissen Dich sehr, mein Sohn!!!!

In ewiger liebe Mama, Papa und Deine Familie
Millionen Küsse für Dich mein Stern
 



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