19. Kennenlerntreffen

Zerbrochen — und dann?

Motiv


Als ich die Ankündigung zum 19. Kennenlerntreffen auf der Pinnwand sah, habe ich mich spontan, ohne zu überlegen, angemeldet. Ich wollte schon lange an einem dieser Treffen teilnehmen. Nach ca. 10 Minuten kamen dann doch Zweifel in mir hoch. Gewiss wird das kein leichtes Wochenende werden. Erinnerungen kommen hoch, die Schicksale der anderen Eltern sind dann auch ganz nah. Schaffe ich das ? Und da lächelt mich mein Kevin von seinem Bild an ... Ja ! Ich fahre ! Dieses Wochenende soll mir und Kevin gehören.

Am 4. März 2011 habe ich mich auf den langen Weg von Berlin nach Attendorn gemacht. Bei meiner Ankunft auf dem Parkplatz wurde ich von Bodo, Tina, Heike, Uwe und Marita ganz lieb begrüßt.

Ankommen

Ich war natürlich zu früh und habe die Zeit für einen Spaziergang genutzt. So nach und nach füllten sich die Sessel im Vorraum und wir rutschten immer wieder zusammen, damit auch alle Platz hatten. Was mir unheimlich gut tat, war die Tatsache, dass wir (obwohl viele zum 1. Mal hier waren) sofort irgendwie einen Draht zueinander hatten. Dank der liebevoll gestalteten Namenskärtchen konnten wir uns auch gleich mit Namen ansprechen.

Nach dem Abendbrot ging es dann in den Gruppenraum. Mein Gefühl, als ich den Raum betrat, kann ich gar nicht richtig beschreiben. Es war alles sooo schön hergerichtet. Die vielen farbigen Blumen, die Sonne mit den Strahlen unserer Kinder. Einfach nur wunderschön. Als ich Kevins Bild und seine Kerze auf seinen Strahl stellte, musste ich mit den Tränen kämpfen.

Mitte

Tina und Bodo begrüßten uns und es begann die Vorstellungsrunde. Tina gab einen kleinen Engel der Ursel (ihrer Sitznachbarin) und der Engel ging dann von Hand zu Hand. Dieses Vorstellen war sehr ergreifend, aber mir ging es gut dabei, weil ich über meinen Kevin sprechen durfte und alle hörten einander zu. Das gibt es doch für uns im Alltag kaum noch.

Mitte

Zum Ausklang hat Bodo uns den Spruch „Abschied“ vorgetragen und wir hörten das Lied „Precious Child“ von Karen Taylor Good.

Kaminzimmer

Unser erster Tag endete mit einem gemütlichen Zusammensitzen im Kaminzimmer.

Der Sonnabend begann mit einer nicht leichten kreativen Aufgabe. Wir alle sollten Dinge von unseren Kindern mitbringen, die wir in der ursprünglichen Form entbehren können. Das war für mich schon eine fast unlösbare Aufgabe. Was nehme ich bloß ? Kevins Basketball T-Shirt ? Oder dies oder das ? Nein, ich kann das doch nicht kaputt machen. Das geht einfach nicht. Ich habe mich dann für Fotos und seine Dartpfeile entschieden.

Scherben

Hier in Attendorn habe ich dann erfahren, dass es allen Eltern so ging wie mir. Dass es allen sehr schwer gefallen ist, eine von den kostbaren Sachen unserer Kinder auszuwählen. Tja, wenn wir gewusst hätten, was wir daraus machen sollen oder können…

Tja dann ... Wir bekamen Bilderrahmen, Fliesenkleber, Pinsel, Farben... alles wieder bereitgestellt von Tina und Bodo. Und los sollte es gehen. Aber das war gar nicht so einfach. Wieder diese starke Nähe zu unseren Kindern, wieder Erinnerungen, die mit Wucht auf uns niederknallten. Aber was soll euch sagen, es sind wunderschöne und ganz spezielle Machwerke entstanden. (Ich denke, Bodo wird hier einige Bilder einfügen.)

Scherben   Scherben

Scherben   Scherben

Gleich im Anschluss folgte eine Befindlichkeitsrunde. Das Befinden der Eltern war sehr sehr unterschiedlich. Aber das Wichtigste war: Wir konnten es aussprechen, wie es uns geht und man hat uns zugehört.

Danach waren wir alle ganz schön k.o.. Wir hatten aber zum Glück Freizeit bis 15:00 Uhr. Ich habe die Stunden mit Heike und Birgit für einen ausgedehnten Spaziergang zum Biggesee genutzt. Das tat uns richtig gut.

Feuerritual

Am Nachmittag hatten wir Dirk Matzik von T.A.B.U. zu Gast. Er hat mit uns das Feuerritual („Wovon ich loslasse“ ; „Was ich dafür bekomme“ ) durchgeführt.

Als Ausklang hat Bodo das Gedicht von Jörg Zink „Was ich dir wünsche“ vorgetragen und wir hörten das Lied „Geboren um zu leben“.

Nach dem Abendbrot saßen wir wieder im Kaminzimmer zusammen. Neben vielen guten Gesprächen, bei denen auch oft die Tränen gelaufen sind, gab es aber auch Grund zum Lachen. Das hat mir an diesem Wochenende auch so gefallen. Wir konnten eben einfach auch mal lachen.

Der Sonntag begann mit einer Befindlichkeitsrunde. Wieder ging der kleine Engel von Hand zu Hand.

Methodenkarten

Beim Betreten unseres Gruppenraumes lagen rund um die Strahlen verschiedene Themenkarten, oder besser gesagt, Bilder mit den unterschiedlichsten Motiven. Jeder von uns sollte sich eine Karte auswählen, die ihn irgendwie anspricht. — Na, da ging es wie bei kleinen Kindern zu ! Wenn zwei sich um eine Sache streiten. Gestritten haben wir uns natürlich nicht. Das Ganze sorgte für einen kurzen Heiterkeitsausbruch.

Als dann endlich jeder seine Karte hatte, sollten wir diese zeigen, den Grund der Auswahl erklären und erzählen, welche Gedanken und Gefühle uns beim Anblick durch den Kopf gehen. Auch das war wieder sehr emotional. Die Worte waren mit Lächeln oder von Tränen begleitet. Und immer war unsere tiefe Sehnsucht nach unseren Kindern zu spüren.

Emotional ging es auch weiter. Wir hörten (einige sangen auch mit) die Hymne der verwaisten Eltern „Bridge Over Troubled Water“ und die Tränen flossen bei mir (aber nicht nur bei mir).

Ballons

Nach dem wir Kärtchen mit unseren Wünschen an leuchtend blauen Ballons befestigt hatten, gingen wir auf ein Feld. Der Himmel war blau, die Sonne schien. Ich bin mir sicher, dafür haben unsere Kinder gesorgt. Alle zusammen haben wir die Ballons aufsteigen lassen. Ich stand, schaute dem Ballon hinterher, bis er nicht mehr zu sehen war und heulte. Aber das Weinen war irgendwie auch befreiend.

Ein gemeinsames Mittagessen noch und diese Kennenlerntreffen ist vorbei.

Tina und Bodo — ein großes Danke an euch beide, dass ihr uns dieses Wochenende ermöglicht habt. Ein Wochenende mit reden, mit weinen, mit schweigen und mit lachen. Ein Wochenende mit unseren Kindern.

Für mich waren es unvergessliche Tage ganz nah mit meinem Kevin. Danke, dass ich euch kennenlernen durfte.

Simone mit ihrem Kevin

Wir

Unsere Eltern mit den Namen unserer Kinder:

Stehend: Horst (Stephanie), Michael & Ursel (Michi), Birgit (Angelika), Klaus & Susanne (Kevin), Conny (Johannes), Silvia & Wolfgang (Normen), Simone (Kevin), Tina (Yannis), Heike (Dominik), Christa & Willi (Inken), Uwe (Bastian), Michael & Agnes (Nils), Birgit (Svenja)

Knieend: Bodo, Gabriele (Manuel), Josette (Nicole), Dieter (Tim), Heike (Bastian), Marita (Stephanie), Anne (Nadine)

Liebe Simone: Ganz herzlichen Dank für deinen sehr schönen Bericht!
Tina & Bodo

Alle Bilder © Copyright "Leben ohne Dich"



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