Leben ohne Dich - Für Lara Marie


Lara Marie


Zwiegespräch:

Wo bist Du?
frage ich das kleine Licht.

Hier bin ich!
Mama, spürst Du mich nicht?

Ich spüre Dich,
doch sehe ich Dich nicht,
entgegne ich dem Licht
und höre, wie es spricht:

Es zählt nicht, was Du siehst oder nicht,
wichtig ist nur, Du spürst mein Licht –
in Dir, Mama, nicht äußerlich!

Ich spüre Dich deutlich,
innerlich.
Zum Greifen nah, fehlt nur ein Stück.
Zum richtigen Glück.

Warum bist Du gegangen, mein kleines Licht,
so traurig bin ich,
ohne Dich.
Ach Mama,
so weine doch nicht.
Ich bin in Sicht,
schließe die Augen und fühle mich,
ich bin ganz nah.

Warum?
ich wieder frag',
warum nur gehst Du,
kleines Licht,
lässt mich im Stich,
ich liebte Dich!

So lieb mich weiter,
ich bin doch da!

Warum?
ist alles,
was aus mir spricht,
und so erklärt mir das kleine Licht:

Nicht traurig sein Mama,
ich liebe Dich.

Der kleine Körper, ich besaß,
der wollte nicht,
hinderte mich zu werden
was ich werden wollte,
Dein gesundes kleines Licht.
Nie wollte ich verlassen Dich,
doch musste ich,
wollt' doch nicht krank sein Mama,
verstehst Du mich?

Schmerzlich erkläre ich dem Licht,
am Verstehen scheitert es nicht,
nur tut es so weh.

Meine Mama,
so weine nicht.
Zeit vergeht,
bald bin ich wieder in Sicht!
Kämpfe für mich!
Ich brauche Dich!
Ich liebe Dich!

Mein süßes kleines Licht,
wie kann ich kämpfen um Dich,
Du bist doch schon tot.

Nein Mama,
nicht tot bin ich.
Nur Zeit brauch' ich,
ein bisschen nur,
ich bitte Dich,
empfange mich,
gleich herzlich wie beim ersten Mal!
Wie anders außer herzlich könnt' ich empfangen Dich,
Du süßestes Licht,
sehnsüchtig erwarte ich Dich!

Also dann Mama,
nicht traurig sein!
Erwarte mich,
bald bin ich Dein.

Mein Licht soll strahlen,
richtig hell,
so dass Du nie den Mut verlierst;
tot ist nicht mein Lebenslicht,
nur der Körper musste gehen.
Ich bin bei Dir,
ich leuchte Dir,
niemals mehr sollst Du trauern um mich –
es gibt keinen Grund.


Du wartest auf mich und ich auf Dich.
Ich liebe Dich.


Lara Marie


Still, seid leise,
es war ein Engel auf der Reise.
Sie wollte ganz kurz bei euch sein,
warum sie ging, weiß Gott allein.
Sie kam von Gott,
dort ist sie wieder.
Wollte nicht auf unsre Erde nieder.
Ein Hauch nur bleibt von ihr zurück,
in eurem Herzen ein großes Stück.

Sie wird jetzt immer bei euch sein,
vergesst sie nicht, sie war so klein.
Geht nun ein Wind am milden Tag,
so denkt, es war ihr Flügelschlag.
Und wenn ihr fragt,
wo mag sie sein?

Ein Engel ist niemals allein.


Lara Marie
 

Am 08. Juni 2003 wurde Lara Marie geboren.

Sie war ein ganz gesundes Baby, 3700 g schwer, 51 cm groß mit einem Kopfumfang von 36,5 cm. Wir waren überglücklich als endlich da war! Die nächsten 3 Monate waren wunderschön. Sie war das schönste Kind, das ich je gesehen habe, und wir waren die stolzesten Eltern der Welt. Lara Marie war perfekt. Sie hat mit 7 Wochen durchgeschlafen, hat nur geweint wenn Sie Hunger hatte und schon ganz früh gelacht.

Am 30. August habe ich beim einreiben von ihrem Bauch gemerkt, das dieser auch der rechten Seite ganz hart und dick war. Wir sind mit ihr in die Kinderklinik gefahren und beim Ultraschall wurde ein Tumor festgestellt. Wir hatten große Angst um sie. Natürlich sind wir sofort stationär aufgenommen worden und es hat eine ganze Reihe von Untersuchungen stattgefunden. Der Tumor war an Stelle einer Niere gewachsen. Sie war so tapfer und hat nie geweint! Alles hat sie über sich ergehen lassen und trotzdem immer noch gelacht.

Weil sie keine Metastasen hatte wurde entschieden sie sofort, ohne vorhergehende Chemotherapie zu operieren. Am 11. September wurde sie um 11:30 Uhr abgeholt. Sie hat noch gelacht als man sie in ihrem Bettchen aus dem Zimmer gefahren hat. Danach ist sie nie wieder aufgewacht.

Die OP lief super, der Tumor konnte gänzlich entfernt werden. Um 16:00 Uhr durften wir wieder zu ihr, sie schlief tief und fest und sollte am nächsten morgen aufwachen. Die Ärzte waren sehr zufrieden und voller Zuversicht.

Nachts dann die böse Überraschung: Blut im Bauchraum: Not-OP. Der Chirurg ließ mich um 5:30 Uhr zur Intensivstation kommen. Ich hatte so große Angst, ich dachte ich werde verrückt! Er sagte mir, dass Lara Marie sterben muss. Sie hatte einen Darminfarkt, der Darm und die Gesunde Niere waren in der Nacht abgestorben, eine schwere Komplikation durch die OP. Ich habe im ersten Moment gar nicht verstanden was der Arzt sagt, sterben? Meine Lara Marie? Das ist unmöglich !

Aber es wurde Wirklichkeit. Ich hatte noch Zeit meinen Mann, meine Eltern und Lara Maries Patentante anzurufen. Sie alle sind gekommen und haben von ihr Abschied genommen. Dann ist sie um 7:15 Uhr in meinen Armen gestorben.

Sie wurde am 15. September 2003 beerdigt. Es waren sehr viele Menschen da, die sie auf ihrem allerletzten Weg begleitet haben. Beim Engelsamt in der Kirche flatterte ein Schmetterling durchs Kirchenschiff. Derselbe war hinterher in der Totenhalle, direkt über ihrem kleinen Sarg. Ich glaube es war ein Zeichen. Meine Freundin sagte: Ich denke Lara Marie hat im Himmel eine ganz wichtige Aufgabe zu erfüllen. Deshalb hat Gott sie schon so früh zu sich geholt. Das glaube ich auch.

Lara Marie, ich liebe dich!

Wir vermissen uns unendlich und sind doch so dankbar, dass wir dich kennen lernen durften. Du bist das Beste was mir passieren konnte. Ich würde alles darum geben dich wieder hier zu haben. Und ich freue mich schon heute auf den Tag, an dem ich dich endlich wieder in meine Arme schließen darf.


Lara Marie
 



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