Leben ohne Dich - Für Lisa


Lisa



MEINE LISA

27. Dezember 1989 11:46 Uhr
ein neues Leben beginnt...
meine erste Tochter Lisa ist da,
wohl der schönste Augenblick meines Lebens...
mein erstes Kind.
Was sich Tage später als schrecklichste Zeit meines Lebens zeigte.

Einen Tag nach der Geburt wurde sie mir weggenommen und in ein anderes Krankenhaus gebracht...
Ich wusste nicht mal wohin.
Keiner sagte mir, dass ich sie besuchen durfte (hab es durch Zufall von der Putzfrau erfahren).
Also besuchte ich mein Baby und die Ärzte machten uns Hoffnung, dass wir sie zu Silvester zu hause hätten.

Eine Woche nach Silvester hätten wir sie fast nach Hause bekommen, hätten die Ärzte nicht mal so nebenbei den wohl schwersten Herzfehler überhaupt festgestellt (übersehen).

Lisa kam in eine Klinik für Herzkinder und musste viel ertragen.
Sie kam in den OP und sie kam nach Hause...
Neun verschiedene Medikamente jeden Morgen und Abend...
Immer und immer wieder, bis die Ärzte uns am 27.4.90 sagten...
"Wir wissen nicht weiter und wir brauchen ein neues Herz."

Wir stimmten der Transplantation zu und ließen uns auf die Warteliste setzen.
Ich fragte noch wie lange es dauern könnte bis ein Herz gefunden wird, und der Professor sagte...
manchmal geht es schnell,
DOCH MANCHE HABEN SCHON VERGEBENS GEWARTET.

Mit den Gedankten also nach Hause...
Lisa bekamen wir mit nach haus, mit der ewigen Angst, dass sie erstickt, weil ihre Lunge durch den Fehler so angegriffen war.

Ich liege im Bett und bete...
um was soll ich beten....
um was soll ich bitten...
soll ich bitten, dass mein Kind einen leichten Tod hat...
soll ich bitten, dass ein Wunder geschieht...

NEIN...
ich musste beten, dass irgendwo Eltern sind, die ihr totes Baby freigaben...

Also, warten auf den Tod, damit mein Kind leben darf.
Es hat mich fast verrückt gemacht auf den Tod zu warten
(welchen Tod auch immer).

Am ersten Mai (einen Tag nach meinem Geburtstag) bekamen wir den Anruf, dass ein Herz gefunden sei und wir sofort kommen sollen.
Lisa wurde vorbereitet und alles lief gut (außer, dass ich den Eindruck hatte, Lisa will es gar nicht und will ihre Ruhe).
Das Herz kam ca. um Mitternacht.
Irgendwann kam der Professor zu uns und sagte:
"Das kleine Herz schlägt schon!!"
Zwei Stunden später kam der gleiche und meinte, es sieht nicht gut aus, weil die Lunge schon so angegriffen sei.
Schließlich durften wir zu ihr.

Ein kleiner Raum... alles so rein und voller Apparaturen und Schläuche und mitten drin Lisa.
Einen langen Verband auf der Brust und überall Schläuche.
Kein Hoffen mehr als die Ärzte uns sagten...
wir können nichts mehr tun (und ich dachte noch wenn ich ihr sage du schaffst das, dass dann alles gut wird).
Aber ich sagte es nicht. Warum bloß nicht????
Am 2. Mai 1990 um ca. 5 Uhr war unsere Lisa TOT.

Auf ihrem Grabstein sind zwei Herzen ineinander verschlungen und der Spruch:
Mein Baby, wir sehen uns wieder eingraviert,
Die Herzen sind für zwei Kinder, zum einen für Lisa und zum anderen für das Herz aus Österreich.
 



Egal wo ich bin, egal wo ich war,
ich sah dein Gesicht, es war immer da.

Nun bist du gegangen, auf ewig fort,
– an einen schöneren, seligen Ort.

Hörst du mich, wenn meine Seele nach dir weint,
wenn sie schmerzt und aus ganzer Kraft schreit?
Siehst du mein Herz, wie es beginnt zu zerbrechen,
wie es dich vermisst und dein heiteres Lächeln?

Doch ich muss hier verbleiben
und hoffe, du wartest auf mich,
denn wir werden uns bald sehen,
dies ist ein Versprechen an dich.
 



Immer wenn es Abend wird
und im Haus ist Ruh,
schweifen meine Gedanken ab,
ich frage mich, wo bist Du?

Fort ist der Klang deiner Stimme,
deine Wärme ist nicht mehr hier
Was soll ich hier noch ganz alleine
Denn mein Herz gehört nur Dir.

Alles würde ich dafür geben,
hätt ich dich in meinem Arm
könnt noch einmal mit Dir reden
sterben könnt ich dafür gern.

Ich gäb alles für dein Lachen
Noch einmal in deine Augen sehn
Einmal noch deinen Mund küssen
Und zusammen das letzte Stück
auf dem Weg gemeinsam gehen
 



Wo bist Du?
frage ich das kleine Licht

Hier bin ich!
Mama spürst Du mich nicht?

Ich spüre Dich,
doch sehe ich Dich nicht

entgegne ich dem Licht
und höre, wie es spricht:

Es zählt nicht, was Du siehst oder nicht,
wichtig ist nur, Du spürst mein Licht-
in dir, Mama, nicht äußerlich!

Ich spüre Dich deutlich,
innerlich.

Zum Greifen nah, fehlt nur ein Stück.
Zum richtigen Glück.

Warum bist Du gegangen, mein kleines Licht,
so traurig bin ich,
ohne Dich!

Ach Mama
so weine doch nicht,
Ich bin in Sicht,
schließe Deine Augen und fühle mich
ich bin ganz nah.

Warum? Ich wieder frag,
warum nur gehst Du,
kleines Licht,
lässt mich im Stich,
Ich liebte Dich!

So lieb mich weiter,
ich bin doch da!

Warum, ist alles, was aus mir spricht,
und so erklärt mir das kleine Licht:

Nicht traurig sein Mama,
ich liebe Dich.
Der kleine Körper, ich besaß,
der wollte nicht,
hinderte mich zu werden,
was ich werden wollte.
Nie wollte ich Dich verlassen,
doch musste ich,
Mama,
verstehst Du mich?

Schmerzlich erkläre ich dem Licht,
am Verstehen scheitert es nicht,
nur tut es so weh.

Meine Mama,
so weine nicht,
Zeit vergeht,
bald bin ich wieder in Sicht!
Kämpfe für mich!
Ich brauche Dich!

Ich liebe Dich!!

Mein süßes kleines Licht,
wie kann ich um Dich kämpfen,
Du bist doch schon tot.

Nein Mama,
nicht tot bin ich.
Nur Zeit brauch ich,
ein bisschen nur,
ich bitte Dich, empfange mich,
gleich herzlich wie beim ersten Mal!!

Wie anders außer herzlich könnt ich Dich empfangen,
Du süßes Licht,
sehnsüchtig erwart ich Dich!

Also dann Mama,
nicht traurig sein!
Erwarte mich,
bald bin ich Dein.

Mein Licht soll strahlen,
richtig hell,
so das Du nie den Mut verlierst,
tot ist nicht mein Lebenslicht,
nur der Körper musste gehen.

Ich bin bei Dir, Ich leuchte Dir,
niemals mehr sollst Du trauern um mich-
es gibt keinen Grund.

Du wartest auf mich und ich auf Dich!!

In tiefer Liebe MAMA und PAPA
Wir lieben dich so sehr!

 



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