Leben ohne Dich - Für Luca



Lucas Geschichte:

Luca war unser erstes Kind, ein richtiges Wunschkind. Im Laufe der Schwangerschaft, die problemlos verlief, gaben mein Mann und ich unser Geld für eine wunderschöne Babyausstattung aus.

Kurz vorm Geburtstermin sagte meine Hebamme, wenn die Fruchtblase platzt, leg dich hin, der Kopf ist noch abschiebbar. Ich hatte viel gelesen, wusste von einem Nabelschnurvorfall und nahm mir ihre Worte eigentlich zu Herzen.

Am Abend des 23.10.1997 lag ich auf dem Sofa und schaute fern. Die Fruchtblase platzte. Ich dachte, wie günstig, dass ich sowieso gerade liege und schob das Becken noch etwas hoch. Während mein Mann mit dem Krankenhaus telefonierte, gab mir Luca mal wieder einen ordentlichen Tritt.

Mein Mann erklärte der Hebamme, die am Telefon war, die Sachlage und sagte, wir würden jetzt liegend kommen.

Die Hebamme war entrüstet... wo wir denn diesen Schwachsinn her hätten, total veraltete Ansichten, wenn sich jede Frau, der die Fruchtblase platzt, gleich hinlegen würde und nicht mehr aufstehen würde....usw.

Wir kamen uns ziemlich dämlich vor, die hysterische Erstgebärende... Die Hebamme sagte, ich soll jetzt baden oder duschen und wenn die Wehen regelmäßig kämen, dann könnten wir kommen, natürlich ganz normal, eine Schwangerschaft sei ja bekanntermaßen keine Krankheit.

Also stand ich auf.... ich werde mir das niemals verzeihen können... und spürte, wie sein kleines Köpfchen ins Becken rutschte. Gegen Mitternacht hatte ich heftige Wehen, alle 2 Minuten und wir fuhren ins Krankenhaus.

Die Hebamme, die auch am Telefon gewesen war, setzte mich auf einen Hocker und füllte einen Aufnahmebogen aus. Am Ende dieser Tortur lag ich unter ihrem Schreibtisch und krümmte mich.

Dann machte sie ein CTG, suchte lange, bis das CTG meine Herztöne fand und sie verdoppelte. Diese hohe Herzfrequenz fiel mir nicht weiter auf, da ich mit den Wehen beschäftigt war.

Sie rief dann den Arzt, die machten einen Ultraschall und sagten gar nichts mehr. Am Morgen des 24.10. um 4:26 Uhr kam mein Luca zur Welt, die Hebamme wickelte ihn in ein Tuch und ging mit ihm raus, ich schrie, warum geben sie ihn mir nicht, warum schreit er nicht???

Der Arzt sagte, weil er tot ist und ging ebenfalls aus dem Raum. Ein paar Sekunden später kam er wieder rein und initiierte mir eine hohe Dosis Beruhigungsmittel und schob mich in ein Zimmer.

5 Stunden später (!) sagte ich meinem Mann, such ihn und mach ein Foto, warum ich nicht mitging verstehe ich bis heute nicht. Gegen Mittag kam der Arzt wieder mit der Telefonnummer des Bestattungsinstitutes und sagte, wir sollen da gleich anrufen, es sei ja Freitag.

Dort sollte ich die Sarggröße angeben, ich sagte, dass seine Strampler-Größe 50/52 war und brach zusammen.

Alle Beteiligten an dieser Tragödie machten soviel falsch, wie man nur falsch machen konnte. Sie legten ihn mir nicht in den Arm, ja zeigten ihn mir nicht einmal, es gab weder ein Foto (zum Glück hat mein Mann dieses eine selber gemacht), noch einen Fußabdruck oder ein Haarlöckchen.

Wir bestanden auf einer Obduktion, die aber nichts ergab, da der Arzt (aus gutem Grund) Plazenta und Nabelschnur nicht mitschickte.

Der Bestatter verweigerte mir, ihm einen von seinen eigenen Stramplern anzuziehen, so wurde er in ein weißes Kleidchen (für 173 DM) gesteckt und das einzige Mal, das ich ihn sah, steckte er in diesem blöden Kleidchen und lag in seinem kleinen weißen Sarg...

Meine Umgebung versteht nicht, warum ich immer noch um ihn weine (es ist doch schon sooo lange her) und warum ich ganz offensichtlich nie darüber hinwegkomme. Ich denke, das verstehen nur andere Betroffene und ich bin froh, dass es diese Seite gibt...
 



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