Marco Blumberg

Mein Sohn starb an einer Krankheit namens Depression, die bei 10-15% der schweren Fälle tödlich endet.
Dabei würden recht gute Heilungschancen bestehen, wenn die Depression entsprechend intensiv behandelt werden würde ...
Doch leider bleibt dies oft aus, weil das Thema ein Tabuthema ist und die Betroffenen oft mit Scham erfüll sind ...
und wenn sie dann den Weg zum Arzt schaffen, ist die lange Wartezeit auf einen Therapeuten manchmal zu lange ...,
denn schnelle Hilfe kann lebensrettend sein ...

Marco hatte diese therapeutische Hilfe leider nicht im ausreichenden Mass. Meine Aktionen, die ich selbst bezahlte, reichten am Ende nicht aus, um ihn zu retten ...
und auch nicht meine Liebe!

So gingst du von uns,
du den ich über alles bedingungslos liebte,
du der mein Sonnenschein war ...

Wir danken dir,
dass du diese Zeit mit uns verbracht hast.

Wir danken dir für jedes Lachen, dass du uns geschenkt hast,
auch für die Tränen, die wir weinten.

Wir danken dir für alles,
was du mit uns geteilt hast,
auch wenn wir uns noch viel mehr gewünscht hätten ...


Marco Bl.


Für alle, die Marco gekannt haben oder durch mich von ihm wussten ...

25.10.2008 15.14 Uhr

Das Schlimmste,
das Schrecklichste,
was ich mir jemals vorstellen konnte - ist geschehen!
Mein geliebter Sohn Marco - mein einzigstes Kind,
ist von dieser Welt gegangen.
... auf eine Weise,
die ich mir kaum vorzustellen vermag.

Wie verzweifelt,
aber auch wie mutig muss er in diesen Augenblicken gewesen sein,
um an einem wundervollen sonnigen Herbsttag ganz allein in den Wald zu gehen,
um zu sterben?!

Marco hatte keine Angst vorm Tod -
vielleicht jetzt ein bisschen vorm Leben ...

Und er glaubte an das Paradies.
Dort, dort ist er jetzt.
Und es geht ihm gut - ich weiss es.


Und fragt mich nicht
WARUM? -
wie könnten meine Worte das jemals erklären,
was mein Herz niemals zu begreifen vermag!

Und fragt mich nicht,
wies mir geht,
wenn ein Teil von mir selbst gestorben ist ...
Die Worte müssen erst noch erfunden werden,
die meine Schmerzen beschreiben könnten.

Und ich weiss nicht,
wie viel Meere meine Tränen noch füllen werden
bis mein Herz etwas Frieden findet.

Noch immer wünsch ich mir wie ein Kind,
dass ich einfach aufwache aus diesem Albtraum,
... obwohl ich doch ganz genau weiss,
dass ich gar nicht wirklich schlafe ...

In unendlicher Trauer MAMA


Ich hab grad nicht die Kraft und die Zeit alle meine Freunde und lieben Bekannten anzurufen.
Ich erzähle es euch, weil ihr ihn vielleicht etwas kanntet
oder ihr mich irgendwann nach ihm fragen würdet.
Im Anhang befinden sich einige Bilder von der Unglücksstelle und die Zeitungsartikel, aus dem es hervorgeht.

Ich weiss, viel werden jetzt vielleicht sprachlos sein und nicht wissen, was sie damit machen sollen ...
Ich bitte euch - macht euer Herz auf, dann wisst ihr, das ein liebes Wort mich etwas tröstet,
dass darüber reden oder schreiben mir hilft - es zu verarbeiten.
Wenn wir über ihn sprechen - auch über diese vielen wunderschönen Dinge, die ich/wir mit ihm teilen durften, dann ist er in diesem Moment wieder lebendig.
Und das sind doch die wundervollsten Augenblicke für mich.

Am 10.11.08 um 14 Uhr ist die Urnenbeisetzung von meinem geliebten Sohn in Neustadt.
Nein - ihr müsst nicht alle dorthin kommen.
Es wäre einfach schön, wenn ihr um diese Zeit an mich, seine Familie und Marco denkt und vielleicht mal eine Kerze für ihn anzündet - irgendwann, wenn es für euch passt.

Und wenn ich ab und zu mal die Gelegenheit habe mit euch über ihn zu sprechen.
Das würde ich mir wünschen.

Denn jetzt ist nichts schlimmer als wenn niemand etwas sagt und so tut als wäre nichts geschehen.

Ich kann euch nur sagen - liebt eure Kinder egal was sie jemals tun.
Wir können sie nicht von bestimmten Dingen abhalten, denn irgendwann gehen sie ihr eigenen Wege.
Wir können sie nur in unsere Liebe einhüllen und hoffen, dass sie gut durchs Leben kommen.
So werdet ihr mit den Dingen irgendwann in Frieden sein können.


Marco Bl.

 

VERABSCHIEDUNG

Diese Nacht schlafe ich kaum, wie die Nächte davor auch so selten. Zu unruhig bin ich. Zu viel will ich noch aufsaugen von hier von seinem Leben, denn diese Gelegenheit gibt es so nie wieder!
Und heute werde ich meinen Sohn noch einmal sehen dürfen, wenn auch ganz anders, als ich es mir hätte jemals träumen lassen. Heute ist der Tag, wo wir ihn noch einmal aufgebahrt und in Ruhe sehen können, um uns von ihm zu verabschieden.
Es ist ein Wunder, dass dies geht, wo er doch von einem Zug überrollt wurde. Ich bin dem Bestatter so dankbar, dass er Marco so herrichten konnte, damit wir ihn noch einmal sehen können bevor er eingeäschert wird.
Denn wie würde ich dies sonst glauben können?
Glauben können, dass er tot sein soll? Wenn ich es nicht wenigstens erlebe, ihn tot daliegen sehe vor mir, dann sind dies doch nur Worte, die mir Menschen erzählen. Die ich als wahr empfinden kann oder auch nicht.
Und so sitze ich hier in seinem Zimmer und schreibe einen Brief an ihn in dieser Nacht vor unserem letzten Wiedersehen.

01. November 2008

Mein lieber Marco,
mein geliebtes Söhnchen.

Jetzt sitze ich doch tatsächlich an deinem Schreibtisch und schreibe mit deinem Stift in deinem Buch diesen letzten Brief an dich ...
Das du nicht mehr da sein sollst, ist noch immer unfassbar für mich.
Ja, ich habe jetzt 4 Tage in deinem Bettchen geschlafen und alle tun wirklich so als wärest du tot!
Ich spiel dieses komische Spiel mit - es gibt echt bessere! - doch ich hab nun wirklich die Nase voll!
Komm jetzt bitte aus deiner Ecke hervor, wo du dich versteckt hast.
Bitte!
Ich hab jetzt keine Lust mehr drauf!

Oder - - - - - - - - -
Oder ist dies doch die Wahrheit?!?
Heute in ein paar Stunden kann ich dich sehen ...
Ich weiss, dass ich das muss und ich hoffe, ich überstehe dies.
Ich weiss nicht, wie es sein wird.
Muss es wissen und hab doch solche Angst.
Verstehst du das???
Ich weiss nicht, wie es mir geht, wenn du vor mir liegst, kalt und nichts mehr sagst und ich dir nicht mehr in deine wundervollen Augen schauen kann.
Ich weiss noch nicht, wie ich das überstehe!
Doch ich muss mutig sein, dem Tod ins Auge schauen - so wie du, um zu glauben, was ich gar nicht glauben will.

DU BIST TOT!
Kommst nie wieder zurück.

Oh, mein Marco'le, wie soll ich das überstehen?
Bitte, bitte, du bist doch schon im Himmel.
Bitte sende Papa und mir Kraft - ganz viel Kraft.
Die brauchen wir morgen sicher - die nächste Zeit überhaupt.
Ich hoffe, es zerreist mir nicht mein Herz.
Ich hoffe, ich überstehe es.

Ich liebe dich so unendlich!
Und ich vermisse dich! So sehr!!!!

Ich hab in deinem Zimmer geschlafen, um noch mal ganz nah bei dir zu sein.
Anzufassen, was du jemals berührtest, um deine Energie zu spüren.
Auch, um noch etwas aus deinem Leben zu erfahren.
Es war erschütternd.

Ich hoffe, es geht dir jetzt gut dort.
Bitte, bitte gib mir ab und zu mal ein Zeichen von dir - Papa freut sich sicher auch!
Werd unser Engel, der uns beschützt.

Ich leg ein Foto von uns beiden rein - so sind wir auch in der Asche zusammen.

Und die 2 Karten von P. und dir.
(Es waren Karten für ein Fitnessstudio mit dem Namen seines verstorbenen Freundes und ihm selbst)
Vielleicht gibt es da auch was im Himmel?
Lass es dir gut gehn mein Sohn.


Ich hab dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben.

In unendlicher Traurigkeit
deine liebende sehnsuchtsvolle Mama


Marco Bl.

05.01.2016

2628 TAGE - OHNE DICH unfassbar!

Es hört nie auf.

Ja, es wird weniger - mit der Zeit.. auch wenn ich das noch nicht erreicht habe.

Doch die Bilder kommen - einfach so mitten rein in den Tag, ohne zu fragen, ob es passt.
Ich sehe das Gesicht meines Sohnes. Die Augen, seine wundervollen fragenden Augen, die so viel sagen, was sein Mund selten zu sprechen wagte.
Ich sehe ihn so lebendig vor mir, hör seine Stimme, in seine eigene Art sich auszudrücken.
Hör sein Lachen, sehe seine Verzweiflung, so viele Dinge, die ich mit ihm erlebte ...
Er wird niemals mehr älter werden, Falten bekommen oder ich Enkelkinder von ihm oder ein Schwiegerkind.
Marco wird nicht mehr grösser werden.
Für ihn war es gross genug.
Zeit zu gehen.

Auch wenn ich es nicht glauben will, dass dies die Wahrheit ist.
Auch wenn ich ihn noch immer höre und sehe und mir vorstelle, dass wir erst vor "Kurzem" telefoniert haben.
Die Zeit dazwischen, zwischen dem letzten Mal ihn sehen und umarmen, zwischen dem Abschied und meinem Hier und Jetzt sein verschwindet, scheint nicht zu existieren.
Was ist schon Zeit? Eine Uhr die tickt, mal langsam, mal schneller, ganz wie wir es empfinden.
Zeit ist nur eine Uhr.
Wenn ich die Uhr nicht wahrnehme, verschwindet auch die Zeit.
Und es gibt keinen Raum dazwischen, zwischen mir und ihm ...

Wenn ich mich mit anderen über Marco unterhalte, auch über seinen Tod, dann rückt dies etwas in die Realität.
Ja, er ist nicht mehr, wenn es die anderen auch sagen ...

Nicht mehr so in seinem Körper, sodass ich ihn berühren oder er mir helfen könnte das Zelt aufzubauen, so wie wir es viele Male zusammen taten ...

Marco ist im Licht und leuchtet als Stern am Himmel, wenn ich des Nachts zu ihm heraufschaue.
Mein Stern XX im Sternbild Drachen.
Gewidmet meinem Sohn und seinem Entschluss zu sterben.

Leuchte mein Sohn vom Himmel, verbreite weiter dein Strahlen, wie du es so oft tatest.
Jetzt bist du halt nicht mehr mein Sonnenschein sondern mein Sternenschein.
Es wärmt nicht ganz so, nicht ganz so, wie deine Sonnenstrahlen, diese Strahlen des Sterns.
Doch ein wenig Licht bringen sie mir, wenn ich in der Dunkelheit meines Lebens zu ertrinken drohe.

Ich liebe dich so unendlich!
Auch wenn mein Herz so traurig ist, weil du so nicht mehr da bist, so ist es auch glücklich, dass ich diese Zeit mit dir teilen durfte.
Es war die schönste und wertvollste Zeit meines Lebens, in der ich gelernt habe bedingungslos einen Menschen zu lieben.

Denn dich liebe ich bedingungslos.
Egal, was du getan hast.

Ich liebe dich!
Und das wird immer bleiben.

Dieser Platz in meinem Herzen
dort wirst du immer sein, solange mein Herz bereit ist zu pulsieren.
So lange bist du bei mir - mein geliebter Sohn ...

ICH LIEBE DICH - FÜR IMMER!


Marco Bl.

Traumzeit

Jeden Tag denke ich an dich.
Und noch immer steht dieses grosse WARUM –
mit einem riesigen Fragezeichen im Raum.

Etwas,
worauf ich auch jetzt
noch nicht wirklich eine Antwort finde ...

Mein Kopf versucht es zu verstehen,
doch mein Herz ist noch immer fassungslos ...
Es kann all das nicht akzeptieren
und ist so unendlich tieftraurig.

Manchmal in der Nacht,
da träume ich von dir.
Das sind meine schönsten Momente,
denn da sind wir wieder miteinander
und erleben manch verrückte Dinge ...

Das Aufwachen ist dann besonders schwer –
nach dieser Traumzeit ...

Und dann kommt wieder diese unendlich lange Zeit,
wo du scheinbar keinen Platz mehr hast,
wo es keine Gelegenheit gibt über dich zu sprechen,
so als wenn du niemals existiert hättest.

Dabei gab es so viel Schönes, Lustiges, Spezielles,
all diese Geschichten,
die unser gemeinsames Leben ausmachten.

Doch sie zu teilen, ergibt sich selten ...
und so werden meine Erinnerungen gnadenlos von der Zeit geschluckt.

Oft muss ich mir Bilder anschauen,
worauf du zu sehen bist,
um zu glauben,
dass du wirklich da warst
und ich nicht nur von dir träumte ...

Tränen rinnen über meine Wangen,
lautlos schreit mein Herz,
viele Fragezeichen
neben diesem Schmerz ..,

In tiefer Verbundenheit zu dir mein Sohn
deine verwaiste Mama



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