Leben ohne Dich - Für Michael & Melanie

Michael

Michi musste im 7. Monat sofort per Kaiserschnitt geholt werden. Seine Herztöne waren unregelmäßig. Die Ärzte stellten bei ihm fest, dass er eine Speiseröhrenfehlbildung hatte und er sofort operiert werden musste, ein Stück künstliche Speiseröhre wurde eingesetzt.

Die Schwangerschaft mit ihm war auch nicht unproblematisch, schon im 4. Monat musste ich drei Monate im Krankenhaus liegen bleiben. Nach einer Woche konnte ich Michi endlich in der Kinderklinik besuchen, vorher nicht möglich, zu schwach vom langen Liegen und vom Kaiserschnitt.

Als ich ihn zum ersten Mal sah, war ich sehr geschockt, so winzig und an vielen Schläuchen angeschlossen. Gut, dass meine Mutter auch bei mir war, sie konnte mich trösten.

Vier Wochen später der nächste Schock: Bei der Chromosomenanalyse wurde bei Michi festgestellt, dass er auch noch das Down-Syndrom hatte. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich fragte mich immer: Warum gerade ich? Ich war noch jung. Nur Mütter ab 35 Jahre bekommen häufig Kinder mit Down-Syndrom.

Dann folgten noch zwei Operationen, die er tapfer durchgestanden hat. Die größten Probleme bei ihm waren die wiederkehrenden Lungeninfektionen, wegen denen er immer an das Beatmungsgerät angeschlossen werden musste.

Einmal hatte er einen guten Tag. Als ich ihn besuchte und mit ihm sprach, freute er sich und lachte auch. Das waren die schönsten Momente gewesen. Einen Tag vor seinem Tod ging es ihm so schlecht, dass er wieder auf die Intensiv musste.

Am nächsten Tag bekam mein Mann auf der Arbeit einen Anruf vom Krankenhaus, wir sollten sofort kommen. Dort angekommen erhielten wir die Todesnachricht. Die Ärzte haben versucht ihn immer wieder zu beleben, aber Michi wollte nicht mehr.

Wir brachen sofort in Tränen aus und als wir uns einigermaßen beruhigt hatten, fragten wir die Ärzte, ob wir ihn noch einmal sehen dürfen. Gemeinsam gingen wir in den Keller zum Kühlungsraum und dort konnten wir von ihm Abschied nehmen. Mit schlafenden Augen und gefalteten Händen im weißen Kleidchen sah er aus wie ein Engel und so ist er auch immer in unserem Herzen.
 



Melanie

Meli kam auch als siebenmonatiges Kind zu Welt. Später bei der Routinenuntersuchung am Kopf stellten die Ärzte fest, dass sich bei ihr der Wasserkopf gebildet hatte, eine Drainage vom Kopf bis in den Bauch wurde eingesetzt, damit das überflüssige Hirnwasser ablaufen konnte.

Fünf Operationen hat sie tapfer durchgestanden. Trotz ihrer Krankheit war sie immer fröhlich geblieben. Sie war eine gute Schülerin, in der Grundschule, sowie im Gymnasium. Bei allen war sie sehr beliebt, freundlich, lustig, hilfsbereit, tierlieb, naturverbunden und künstlerisch begabt.

Dann am 30. Mai wurde sie ganz plötzlich und unerwartet, für alle unfassbar, aus unserer Mitte gerissen. Sie starb in der Nacht in ihrem Zimmer ganz still und leise. Bei der Obduktion konnten die Ärzte auch nicht feststellen woran sie starb. Sie vermuten Herzversagen.

Einen Tag vor der Beerdigung konnten wir sie in der Aussegnungshalle nochmals sehen und Abschied nehmen. Sie hatte ihre Lieblingskleidung an. Lieblingsschmuck um ihren Hals, Lieblingsteddy in ihrem Arm und Rosenkranz um ihre gehaltenen Hände. Es sah aus, als ob sie schlafen würde.

Melis Leben hatte einen Sinn: nämlich unseres zu bereichern, und das hat sie geschafft.

Lieber Michi und liebe Meli: Unsere Liebe zu euch bleibt immer ewig. Einzigster Trost und Hoffnung sind, wenn wir sterben, euch im Jenseits wiederzusehen.

Deine Mama, Papa und Schwester Dani
 



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