Leben ohne Dich - Für Michael

Michael


Michaels Schicksal

Michi war ein besonderes Kind, er begann schon bei seiner Geburt, es war am Karfreitag. Morgens um 6 Uhr bekam ich meine erste Wehe, mit der Zeit wurden sie etwas stärker, es war ja schon mein 3. Kind. Um 8 Uhr gingen wir ins Krankenhaus, es lief alles super, dann endlich um 9:24 Uhr kam dieser prächtige Junge zur Welt: am 14.04.1995. Er war 55 cm groß und stolze 4420 g schwer.

Michi hatte schwarze Haare wie Mama, aber mit blonden Strähnen, das war damals schon einzigartig. So haben alle, die damals meine Zimmernachbarin besucht haben, erst mal meinen Jungen begutachtet. Er hat sich sehr prima entwickelt und mit seinem Bruder Manuel, der nur 2 Jahre älter ist, sehr gut verstanden, sie waren wie ein Herz und eine Seele.


Michael

Weihnachten mit seinem Bruder Manuel und Schwester Sabrina
 

Michi war überall sehr beliebt, ganz besonders bei den Mädchen im Kindergarten. Er war immer sehr hilfsbereit den Jüngeren gegenüber, an seinem letzten Geburtstag waren so viele Mädchen da.

In der Woche, als dieser schreckliche Unfall passierte, sind wir beide noch in den Kindergarten und haben seine Schultüte gebastelt. Sie war gelb mit Fußbällen darauf, er war so stolz darauf. Nun steht sie immer noch unbenutzt im Schrank...

Michi war ein sehr lebenslustiger, froher Junge, und er hatte vor gar nichts Angst, kein Baum war ihm zu hoch, kein Bach zu tief. Er bekam Geld an seinem 6. Geburtstag, damit hat er sich Inliner gekauft. Er hat die Dinger angezogen und ist drauf los gerast. Wie wenn er nie etwas anderes im Leben getan hätte. Er hat alles immer gleich gelernt und war so intelligent und sehr sportlich.


Michael

Sein ganzer Stolz
 

Er hat uns so viel gegeben und jetzt fehlt er uns allen so sehr. Es ist so, als ob die Sonne seit diesem Tag aufgehört hat zu scheinen. Er hat morgens einen schon immer angelacht, er war kein Morgenmuffel. Er hat so gerne Musik gehört, alles hat er fast auswendig können.

Einige Wochen vor seinem Tod hat er immer nur ein Thema gehabt: er wollte, dass wir noch einmal ein Baby bekommen, egal ob Junge oder Mädchen, aber unbedingt ein Baby. Er wusste, dass wir keins mehr wollten und sehr glücklich waren mit unseren drei Kindern, aber er gab keine Ruhe, als ob er uns da etwas mitteilen wollte.


Michael

Michi mit Manuel an seinem ersten Kindergartentag
 

Nach seinem Tod bekamen wir dann Nathalie, ich war drei Monate später schon schwanger, obwohl ich es überhaupt nicht darauf angelegt hatte. Nathalie ist im Wesen genau die gleiche: genauso intelligent, sie mag genau die gleichen Dinge wie Michi, und seine Lieblingslieder hört sie einmal und kann sie auswendig singen.

Sie geht so gerne zum Friedhof und gibt meistens auf dem Foto auf dem Grabstein einen Kuss drauf. Manchmal denken wir, dass Michi in ihr wiedergeboren wurde. Aber so viel Ähnlichkeit hat keiner sonst und genau die gleichen Vorlieben.

Nun zum schrecklichsten Tag in unserem Leben.

Es war am Samstag, den 23.06.2001, mein Mann war auf einer beruflichen Fortbildung seit dem Freitag, er sollte am Abend wiederkommen. Es war an diesem Tag so heiß und die Kinder haben mich dann überredet, ins Schwimmbad zu gehen. Es war noch ein Freund von den Jungs dabei, er wohnte drei Blöcke weiter auf der anderen Straßenseite. Er wollte auch mit, also wollten sie die Mutter fragen, ob er mitgehen kann. Ich rief noch hinterher: "Passt auf die Straße auf!" "Ja, Mama", hat Michi gesagt und mir noch einen Kuss gegeben, dann waren sie weg auf den Kinderrädern.

Zwei Minuten später rief Manuel voller Panik, da wusste ich, es ist etwas Schreckliches passiert. Ich bin gleich runter gerannt und da sah ich ihn auf der Straße liegen, blutend. Er hat sich nicht mehr bewegt. Ich stand so unter Schock, es kam mir eine Ewigkeit vor bis der Notarzt endlich kam.

Ich habe am ganzen Körper gezittert, ich wusste nicht was mit meinem Engel passiert ist. Die anderen Kinder haben geheult, Manuel stand selber unter Schock, er war schließlich dabei gewesen. Er musste das Schreckliche mit ansehen.

Michi wurde nach der Erstversorgung nach Basel geflogen, ich fuhr hinterher, musste ewig lange an der Notfallaufnahme warten. Irgendwann kam der Arzt und meinte, es sieht gar nicht gut aus, zu schwere Kopfverletzungen. Er muss operiert werden.

Dann endlich abends um 19 Uhr durfte ich zu ihm auf die Intensiv, mittlerweile war auch mein Mann eingetroffen. Ich werde diesen Anblick nie vergessen wie dieser kleine Körper da lag, voll mit Schläuchen und Geräten.

Ich blieb die Nacht an seiner Seite, habe gebetet, dass er diese Nacht überlebt, und mir so eingeredet, dass dann alles wieder gut wird, aber so war es leider nicht. Er hat die Nacht überlebt, aber die Ärzte gaben ihm absolut keine Chance. Sie meinten, wenn er wieder aufwacht, würde er schwerstbehindert sein. Zweimal wollte man bei Michi Gehirntod feststellen, aber sogar da hat er noch gekämpft. Er war, obwohl die Hirnverletzungen so schwer waren, nie hirntot.

Dann hat man nach einigen Tagen entschieden, ihn zu uns ins Krankenhaus zu verlegen, da man in der Schweiz nichts mehr für ihn tun konnte, und man ja nicht sagen kann, wie lange so etwas gehen kann. Man konnte nur noch abwarten bis sein kleines Herz aufhört zu schlagen.

Ich denke, Michi wollte nicht verlegt werden, und so hat er am Mittwoch, den 27.06.2001 abends um 20:41 Uhr entschieden, diese Welt zu verlassen. Es tut mir heute noch sehr weh, dass ich nicht bei ihm war, aber ich denke, das wollte er auch so.

Und so mussten wir unseren Schatz hergeben, das Kostbarste, was wir je hatten: unseren Michael.

Die Geschwister wollten von sich aus an der Beerdigung teilnehmen und sie haben ihn noch im Sarg sehen wollen. Ich denke auch, das war sehr wichtig, Sabrina meinte nur, dass er sehr kalt war. Aber dass es gut war, ihn noch einmal zu sehen.

Es waren sehr viele Leute an Michis letztem Weg, am Montag, den 2. Juli, es war so heiß an diesem Tag. Nun müssen wir den Weg ohne unseren Schatz gehen.

Wir sehen den Unfallverursacher sehr oft und am liebsten würde ich ihn auch umbringen. Er hat uns das Allerliebste genommen, was wir je hatten.

Nun war vor kurzem Michis 10. Geburtstag und es hat mich unsagbar traurig gemacht, dass kein Mensch an ihn gedacht hat. Wissen die denn nicht, wie weh so etwas tut?

Wir sind vor zwei Jahren umgezogen, wir wollten einfach nicht mehr überall Michi sehen, im Zimmer, überall. Und auch bei dieser Entscheidung, dass wir eine neue Wohnung bekamen, denke ich, hat mein Michi seine Finger im Spiel gehabt. Er war gerne in dieser Wohnung, da hat vorher ein sehr guter Freund von ihm gewohnt, und er hat immer davon geschwärmt. Wir waren die letzten Bewerber, und wir haben sie bekommen – wenn das kein Zufall ist oder Glück.


Michael

Michis letztes Foto, voll cool und stolz auf seine Igel-Frisur
 

Michi fehlt uns total und trotzdem müssen wir ohne ihn weiterleben, aber er hat uns in seinem kurzen Leben so viel geschenkt und gegeben.

Michi, wir werden Dich immer lieben und nie vergessen. Danke für die Zeit mit Dir.


Deine Dich ewig liebende Mama


Wir alle vermissen ihn so sehr, seine Geschwister und wir Eltern. Er war so eine Bereicherung in unserem Leben, jetzt leben wir nur um zu leben.

Eines Tages sehen wir ihn hoffentlich wieder.


Michael
 
 

Lieber Gott – warum ?


Warum ist unser Michael tot?
Warum ist das passiert?
Warum hast Du ihm nicht geholfen?
Warum musste er mit 6 Jahren sterben?

Wozu?

Lieber Gott – hilf uns !
Hilf uns im Leiden,
dass wir es aushalten,
dass wir nicht verzweifeln,
dass wir es irgendwie, irgendwann verstehen
und es stehen lassen können.

Lieber Gott – Michael ist bei Dir
Und Du hast ihn lieb.
Du hast ihn uns geschenkt
und wieder zu Dir genommen.

Lieber Gott – wir bitten Dich,
dass wir Dir glauben können,
dass Du auf ihn aufpasst,
dass wir ihn einmal wiedersehen können.
Lieber Gott – hilf uns !
 

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