Leben ohne Dich - Für Nicola Maren


Nicola Maren


Unsere Tochter wurde am 29.11.2005 um 23:57 Uhr per Kaiserschnitt geboren, eine Minute nach ihrer Zwillingsschwester.

Ungefähr 3 Stunden nach ihrem Tod, genau weiß das niemand.

Gegen 19:45 Uhr, als die Hebamme das letzte CTG machte, lebte sie noch, war unruhig, wir haben darüber spekuliert, warum sich ihre Herztöne so schwer einfangen lassen. Bei der Ultraschalluntersuchung durch den Arzt im Krankenhaus um 21:20 Uhr war sie tot.

Was ist geschehen, warum musste sie sterben?

Niemand weiß es, keiner kennt den Grund für diesen sinnlosen Tod, einen Tag vor dem Ende der 39. Woche einer Schwangerschaft, die eigentlich völlig problemlos war.

Hätten wir den Grund bei einer Obduktion erfahren? Wir glauben es nicht und sahen deshalb davon ab. So bleiben verschiedene Theorien, von beteiligten und nicht beteiligten Ärzten und unserer Hebamme aufgestellt, die mehr oder weniger plausibel klingen.

Die Fakten: eine behandelte Schwangerschaftsdiabetes, dick-grünes Fruchtwasser, ein Nierenproblem bei der frisch operierten Mutter, sonst nichts.

Am wenigsten wahrscheinlich ist wohl das, was der Chefarzt der Geburtsklinik der Mutter unterstellen wollte, nämlich dass die Blutzuckerwerte in den Tagen vor der Geburt viel höher waren als angegeben, selbst wenn, wie sollte das zum Tod eines Zwillings geführt oder beigetragen haben? (Derselbe Arzt hatte fünf Tage zuvor nach einer ausgiebigen, von ihm selbst durchgeführten Doppler-Ultraschalluntersuchung erklärt, die Zwillinge seien so gut versorgt, dass ihnen in der folgenden Woche nichts geschehen könne ...)

Unsere Welt brach an diesem Tag zusammen und sie wird, obwohl sie für Außenstehende fast aussieht wie zuvor, nie wieder dieselbe sein.

Es erstaunt und schmerzt uns, wie sehr wir einen Menschen vermissen, den wir nur von Ultraschallbildern lebendig kennen, den wir nie warm in die Arme schließen durften, dessen Stimme wir nie gehört, dessen Augen wir nie offen gesehen haben.

Jeden Tag sehen, hören und spüren wir ihre Zwillingsschwester und werden daran erinnert, was wir verloren haben. Wir lieben dieses freundliche, fröhliche und lebensfrohe Wesen über alles und sind so glücklich, dass sie uns geblieben ist und trotzdem wird unser Herz oft schwer, wenn wir sie anschauen und uns fragen: Warum wir?

Ein Teil von uns ist mit Nicola gestorben. Nun bleiben uns nur Erinnerungen an die wenigen Stunden, die sie bei uns und ihrer Schwester im Krankenzimmer sein durfte, Fotos und ein Grab, das uns immer an den schlimmsten Tag unseres Lebens erinnern wird:

Am 12.12.2005 haben wir mit unserer kleinen Nicola einen Teil unserer Zukunft, unseres Glücks und unserer Zuversicht für immer begraben.
 



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