Leben ohne Dich - Für Paula


Geschichte von Paula

Paula kam im Juni 2003 per Notkaiserschnitt auf die Welt. Sie musste wiederbelebt und 4 Tage beatmet werden und erlitt durch den zu langen Sauerstoffmangel eine schwere Hirnschädigung. Sie lag anschließend 4 Wochen auf der Kinderintensivstation. Da diesbezüglich ein Klageverfahren läuft, möchte ich auf nähere Erläuterungen nicht weiter eingehen.


Paula


Uns als Eltern sagte man so nach und nach, wie es um Paula stand: sie würde NIE laufen, sprechen, denken können.
Für Steffen und mich brach eine Welt zusammen. Wir sind in ein tiefes Loch gefallen. Dieses Gefühl irgendwie zu beschreiben, geht nicht.

Aber wir hatten Hoffnung, sind mit ihr schwimmen gefahren, haben zahlreiche Therapien mit ihr gemacht. Paula stand im Mittelpunkt unserer Patchworkfamilie (v.l.n.r.: bestehend aus Steffens Sohn Daniel, Papa Steffen, Christianes Tochter Melissa, Mama Christiane, Steffens Tochter Lena und mittendrin PAULA).


Paula


Sie war unser Engel
– mit ihren langen, blonden, gelockten Haaren.


Paula


Durch sie haben wir wahnsinnig viel nette, hilfsbereite Menschen kennen gelernt (Foto: Paula mit ihrer Logopädin im Kindergarten). Sie hat uns eine neue "andere" Welt gezeigt. Sie hat es uns einfacher gemacht, mit dieser so schweren Situation fertig zu werden. Es war uns egal, dass sie nichts konnte. Es sollte ihr nur gut gehen. Stundenlang, nächtelang lag sie bei uns auf dem Bauch. So gut habe ich noch nie geschlafen. Wir haben es genossen. Sie ging später sogar in einen Integrationskindergarten. Für mich war es erst sehr schwer, aber es ging ihr dort super gut. Jeder wollte mit ihr kuscheln, sie beschützen.

Wir planten ein Geschwisterchen für Paula und für unsere Seele. Diese Schwangerschaft war für uns aufgrund der vorher schiefgegangenen Entbindung eine Zeit voller Ängste.

Mehrere Operationen und Krankenhausaufenthalte erinnerten uns immer wieder daran, dass Paula sehr krank war. Auf mein werdendes Kind konnte ich mich leider wenig konzentrieren.

Ab Weihnachten 2004 – Paula war jetzt 1 Jahr und 6 Monate – ging es ihr immer schlechter. Ihre Körpertemperatur sank bis auf 32 Grad. Sie kam auf die Intensivstation. Man sagte uns im Krankenhaus, dass Paulas Vitalfunktionen am untersten Level laufen. Schon die kleinste Infektion könnte ihren Tod bedeuten. Wieder bekamen wir eine ganz andere Sicht auf alles, wieder dieses tiefe Loch. Jetzt begann für uns, vor allem für Paula, eine noch qualvollere Zeit.

Im August 2005 wurde Mira geboren. Es war eine Bilderbuchentbindung. So wie wir es uns erhofft hatten. Uns sind säckeweise Steine vom Herzen gefallen.
Wir legten Paula und Mira oft zusammen. Da wurde mir besonders bewusst, wie schlecht es Paula ging. Sie rührte sich nicht, schaute traurig, oft wie hilfesuchend, nie ein Lächeln, ihr Körper war kalt.


Paula


Mira dagegen – erst wenige Tage auf der Welt – lächelte uns an, strampelte, drehte den Kopf, war warm.

Paula bekam ununterbrochen schmerzlindernde, entkrampfende Tropfen. Dadurch schlief sie auch viel, verschleimte und röchelte. Wenn sie aufwachte, jammerte sie. Sie bekam kaum Luft. Es zerriss uns das Herz. Sie tat uns sooo unendlich leid. Sie spuckte Blut. Wir entschlossen uns, wieder mal ins Krankenhaus zu fahren. Steffen legte sie im Wohnzimmer in die Autositzschale. Ich packte den Klinikkoffer. Als Steffen die Sitzschale im Auto fest machen wollte, war sie tot. Da er mit Paula zurück kam, mich ansah wie noch nie zuvor, brauchte er nichts sagen. Ich schrie, wollte es nicht glauben: "......meine Paula...., es stimmt nicht...., sie ist nicht tot...., meine Paula..........."

Paula aber lächelte. Sie war erlöst von den leidigen Schmerzen.
Aber wir wollten sie gar nicht mehr loslassen. Meine große Tochter Melissa (auf die ich da besonders stolz war) und Steffen haben sie gebadet, gekämmt, die Fingernägel lackiert – einfach schön gemacht. Wir haben sie bis zum Abend im Arm gehalten. Ihre Schwester Lena, die Großeltern, Verwandte, Freunde konnten sich von ihr ausgiebig verabschieden. Ich weiß nicht wie, aber irgendwie habe ich noch unsere 17 Tage alte Mira versorgt und gestillt.

Für mich mit der schlimmste Moment – Steffen brachte Paula weg.....für immer.

Wir hatten das Privileg den kleinen weißen Sarg selbst zu gestalten. Innen habe ich ihn rosa gestrichen wie ihr Zimmer und mit vielen Blumen, Käfern, Schmetterlingen und Bildern von uns beklebt. Auf den Innendeckel des Sarges haben wir unsere Wünsche für sie aufgeschrieben. Von außen haben alle, die mit Paula viel zu tun hatten (Verwandte, Bekannte, Freunde, Therapeuten und Kindergärtnerinnen) mit bunter Farbe einen Händeabdruck auf dem Sarg hinterlassen – symbolisch für: wir wärmen, tragen und beschützen dich!


Paula  Paula


Steffen hat Paula in ihr "Bettchen" gelegt zusammen mit vielen, vielen Kuscheltieren.
Ein Teil eines zerbrochenen Steines hat er ihr in die eine Hand gelegt und ein Teil einer Brosche in die andere Hand. Wir, die Familie, haben die anderen Teile. Für uns eine symbolische Verbindung.


Paula


Auf der Beerdigung wurde Lorena McKennitt und Nena gespielt. Am Grab haben wir viele Herzluftballons steigen lassen. Jeder hatte noch die Möglichkeit, Paula Wünsche auf einem Zettel mitzugeben.

Am nächsten Tag wollten wir beide bloß noch weg.
Wir sind nach Potsdam gefahren und im Park Sanssouci spazieren gegangen und haben uns viel über unser kleines Paulinchen unterhalten.

Sie fehlt uns so sehr. Das Kuscheln mit ihr, das "sich um sie sorgen" – einfach alles!
Wir sind unendlich dankbar für 2 Jahre mit ihr.




Gedanken von Sabine
(eine ganz liebe Mama mit ihrem behinderten Luc,
die ich durch Paula kennen gelernt habe)

"Es tut so weh,
Obwohl man es wusste,
Dann doch völlig unvorbereitet,
Hat man dich angesehen
ging das Herz auf
und tat gleichzeitig so weh,
Du hast Augen für Dinge im Leben geöffnet,
die man sonst vielleicht nie gesehen hätte.
Das ist ein Geschenk.
Und nun bist du gegangen
und hast einen Teil unserer Herzen mitgenommen."


Paula



Unser liebes kleines Paulinchen!

Du konntest nicht laufen, du konntest nicht sprechen...
aber du hast Berge versetzt.
Du hast einfach so viel Freude in uns erweckt,
wenn du einfach NUR gegähnt hast oder im Schlaf andeutungsweise gelächelt hast.
Das gab uns wieder Kraft.
Du hast manchmal dem Licht nachgesehen oder beim Spazieren gehen, den sich bewegenden Bäumen nachgeschaut.
Du hast für uns sooo viel gemacht.

Wir sind dir unendlich dankbar dafür, dass wir solche für uns unbekannten Gefühle erleben durften.
Wir werden dich für immer und ewig in unserem Herzen tragen.

Deine Mama und dein Papa


Paula
 



Home  |  Zurück  |  Seitenanfang