Leben ohne Dich - Für Robin


Der Tod ist nichts,
ich bin nur in das Zimmer nebenan gegangen.
Ich bin ich, ihr seid ihr.
Das, was ich für euch war, bin ich immer noch.
Gebt mir den Namen, den ihr mir immer gegeben habt.
Sprecht mit mir, wie ihr es immer getan habt.
Gebraucht nicht eine andere Redensweise,
seid nicht feierlich oder traurig.
Lacht weiterhin über das, worüber wir gemeinsam gelacht haben.
Betet, lacht, denkt an mich, betet für mich.
Damit mein Name im Hause ausgesprochen wird,
so wie es immer war,
ohne irgendeine besondere Betonung,
ohne die Spur eines Schattens.
Das Leben bedeutet das, was es immer war.
Der Faden ist nicht durchschnitten.
Warum soll ich nicht mehr in euren Gedanken sein,
nur weil ich nicht mehr in eurem Blickfeld bin?
Ich bin nicht weit weg, nur auf der anderen Seite des Weges.


Der Abschied

Und nun war es Abend.
Ich habe es weniger eilig als der Wind,
doch ich muss gehen.
Kurz waren meine Tage unter euch
und noch kürzer die Worte, die ich gesprochen habe.
Doch sollte meine Stimme in eurem Ohr verklingen
und meine Liebe eurer Erinnerung entschwinden,
dann werde ich wiederkommen.
Und mit reicherem Herzen und dem Geist willfährigeren Lippen werde ich sprechen.
Ja, ich werde wiederkehren mit der Flut,
und mag der Tod mich verbergen
und die größere Stille mich umhüllen,
ich werde dennoch wieder euer Verstehen suchen.
Und nicht vergeblich werde ich suchen.
Wenn etwas wahr ist, das ich gesagt habe,
wird diese Wahrheit sich in einer klaren Stimme offenbaren
und in Worten, die euren Gedanken enger verwandt sind.
Ich fahre mit dem Wind, aber nicht in die Leere hinunter.

Nur ein Leben, das das Leben im Körper sucht, fürchtet das Grab.
Hier gibt es keine Gräber.
Ich bin bereit.
Der Strom hat das Meer erreicht
und noch einmal drückt die große Mutter ihren Sohn an die Brust.
Lebt wohl dieser Tag ist zu Ende.
Wenn wir uns im Dämmern der Erinnerung noch einmal begegnen sollten,
werden wir miteinander reden,
und ihr werdet mir ein tieferes Lied singen.
Und wenn unsere Hände sich in einem anderen Traum begegnen sollten,
werden wir einen weiteren Turm in den Himmel bauen.

Khalil Gibran: Der Prophet
 

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