© Reg Littlefield

 

 

Die SHG Berlin stellt sich vor


 
"Da tat es mir wohl, vor dir zu weinen,
um sie und für sie, um mich und für mich.
Ich ließ den Tränen, die ich zurückgehalten, freien Lauf.
Mochten sie fließen, so viel sie wollten.
Ich bettete mein Herz hinein und fand Ruhe."

Aurelius Augustinus
 

Der Tod eines Kindes ist ein zutiefst erschütternder Einschnitt. Nichts ist mehr so, wie es war. Wir Eltern sind fassungslos, verzweifelt, wütend – vielleicht sogar ohne Hoffnung auf eine lebbare Zukunft. Oft wissen wir nicht, wie wir mit dem Schmerz und den starken Gefühlen umgehen sollen.

Im geschützten Raum und in der unterstützenden Gemeinschaft mit anderen trauernden Eltern ist es uns möglich, die vorhandenen Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Wir können unsere Trauer teilen und mitteilen. In diesem Miteinander werden dann vielleicht auch neue Kraftquellen entdeckt, die uns im Alltag stärken. Gemeinsam wollen wir uns Zuversicht, Hoffnung und Kraft geben.

Oft finden wir Eltern keine Worte für den großen Schmerz nach dem Tod unseres Kindes. Daher bieten wir in den Gruppenstunden gelegentlich auch kreative Arbeiten an. Wir brauchen dazu keine Worte. Wir können alles, was in uns ist, auf gestalterische Art nach außen tragen und in unsere „Objekte“ einarbeiten. So entstehen kleine Kostbarkeiten, die unsere Trauer und Liebe wunderbar zum Ausdruck bringen.

Seit Dezember 2007 gibt es die Selbsthilfegruppe "Leben ohne Dich - Berlin". Wir leiten die Gruppe ehrenamtlich, der Besuch der Gruppenstunden ist  kostenfrei. Wir würden uns jedoch freuen, wenn die so wichtige und umfangreiche Arbeit des Vereins „Leben ohne Dich" e.V. durch eine Vereinsmitgliedschaft unterstützt wird.

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„Es müsste doch so sein, dass jeder Mensch irgendwo hingehen könnte; denn es kommen Zeiten, wo man sich an irgendjemand wenden muss.“

Fjodor Dostojewski

Mitmenschen, nehmt uns Trauernde an

Geht behutsam mit uns um, denn wir sind schutzlos.

Die Wunde in uns ist noch offen und weiteren Verletzungen preisgegeben.

 

Wir haben so wenig Kraft, um Widerstand zu leisten.

 Gestattet uns unseren Weg, der lang sein kann.

Drängt uns nicht, so zu sein wie früher, wir können es nicht.

Denkt daran, dass wir in Wandlung begriffen sind.

Lasst euch sagen, dass wir uns selbst fremd sind.

Habt Geduld.

 

Wir wissen, dass wir Bitteres in eure Zufriedenheit streuen,

dass euer Lachen ersterben kann, wenn ihr unser Erschrecken seht,

dass wir euch mit Leid konfrontieren, das ihr vermeiden möchtet.

 

Wenn wir eure Kinder sehen, leiden wir.

Wir müssen die Frage nach dem Sinn unseres Lebens stellen.

Wir haben die Sicherheit verloren, in der ihr noch lebt.

 

Ihr haltet uns entgegen: auch wir haben Kummer!

Doch wenn wir euch fragen, ob ihr unser Schicksal tragen möchtet, erschreckt ihr.

 Aber verzeiht: unser Leid ist so übermächtig, dass wir oft vergessen,

dass es viele Arten von Schmerz gibt.

 

Ihr wisst vielleicht nicht, wie schwer wir unsere Gedanken sammeln können.

Unsre Kinder begleiten uns.

Vieles, was wir hören, müssen wir auf sie beziehen.

 

Wir hören euch zu, aber unsere Gedanken schweifen ab.

Nehmt uns an, wenn wir von unseren Kindern und unserer

Trauer zu sprechen beginnen.

Wir tun das, was in uns drängt.

Wenn wir eure Abwehr sehen, fühlen wir uns unverstanden und einsam.

 

 Lasst unsere Kinder bedeutend werden vor euch.

Teilt mit uns den Glauben an sie.

Noch mehr als früher sind sie ein Teil von uns.

 

Wenn ihr unsere Kinder verletzt, verletzt ihr uns.

Mag sein, dass wir sie vollendeter machen, als sie es waren,

aber Fehler zuzugestehen fällt uns noch schwer.

Zerstört nicht unser Bild.

Glaubt uns, wir brauchen es so.

 

 Versucht, euch in uns einzufühlen.

Glaubt daran, dass unsere Belastbarkeit wächst.

 

Glaubt daran, dass wir eines Tages mit neuem Selbstverständnis leben werden.

Euer Zutrauen stärkt uns auf diesem Weg.

 

Wenn wir es geschafft haben, unser Schicksal anzunehmen,

werden wir euch freier begegnen.

Jetzt aber zwingt uns nicht mit Worten und Blick, unser Unglück zu leugnen.

Wir brauchen eure Annahme.

 

Vergesst nicht: wir müssen so vieles von neuem lernen.

Unsere Trauer hat unser Sehen und Fühlen verändert.

 

Bleibt an unserer Seite.

Lernt von uns für euer eigenes Leben.

 

 Erika Bodner

 

 

 

Text am 09 Mar 2009 durch Sabina eingestellt
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