Leben ohne Dich - Für Stefan


Stefan


Trauerrede: Für Stefan

Es gibt Tage, an denen man unendlich glücklich ist oder aber viele Sorgen mit sich trägt, an denen man einfach nur den Gedanken hat: "Haltet die Welt an, ich möchte aussteigen!".

Am 10. April 2009 stand die Welt für einen Augenblick still. Und seit diesem Zeitpunkt, ist nichts mehr, wie es vorher war und wird nichts mehr so sein, wie es sein sollte.

Es gibt so viele Fragen, aber alles bleibt unbeantwortet, es gibt so viel zu sagen, doch wird es nur in unseren Gedanken geschehen, es gibt so viel was man machen möchte, so viel was man tun möchte, aber man kann es einfach nicht. Es ist eine Leere, die da ist und man fühlt sich so hilflos.

Doch Du selbst hast gesagt: "Um einen Fehler rückgängig zu machen, braucht man eine Zeitmaschine, und die Theorie besagt, man benötige die Energie eines ganzen Universums, um diesen Sprung zu machen. Aber ist es das wert, für einen Fehler ein ganzes Universum auszulöschen?"

Es ist schwer die richtigen Worte für einen Menschen zu finden, den man so geliebt hat und mit dem man so viele Höhen und Tiefen erleben durfte. Du fehlst uns so sehr!

Deine Nähe, deine Worte, dein Humor, deine vertrauten Gesten, dein Lächeln – einfach DU! Du warst so liebevoll, geduldig, respektvoll, zuverlässig, ordentlich, manchmal schon fast perfektionistisch, energisch, kraftvoll, bodenständig, impulsiv, zurückhaltend, aber auch so unendlich faul! Und wenn Du etwas unbedingt wolltest, dann hast Du Dich durchgesetzt, egal was alle anderen zu Dir gesagt haben. Du hast einfach im Jetzt gelebt, für Dich war der Moment, der Augenblick wichtig.

Du musstest viel kämpfen im Leben, oft wieder aufstehen, andere Wege suchen und wieder von vorn anfangen. Du hast es immer geschafft, auch wenn es hart für Dich war und der Weg steinig und lang. Doch Du hast auch immer gewusst, dass Du diese Wege nicht alleine gehst.

Es war immer jemand für Dich da und es gibt viele Menschen, die immer an Dich geglaubt haben – Deine Familie, Deine Freunde, Deine Kollegen und viele weitere, die Dich auf Deinem kurzen Lebensweg begleitet haben, die für Dich der ruhende Fels in der Brandung waren, durch deren Liebe und Zuneigung Du gewappnet warst und Deinen Weg meistern konntest.

Und für das, was Du bekommen hast, hast Du auch immer versucht etwas zu geben. Nicht nur deine Familie, sondern auch viele andere Menschen sind von deiner Liebe, deinen Gedanken und kleinen Gesten begleitet worden. Ohne großes Getöse hast du wichtige Spuren im Leben deiner Mitmenschen hinterlassen. Dadurch wirst Du für uns immer allgegenwärtig sein.

Privat warst Du immer auf der Suche nach dem bisschen Glück und Liebe, die das Leben vervollkommnen. Du konntest tief und innig lieben, aber es zeigen und in Worte fassen, das fiel Dir schwer. Wenn Du bereit dazu warst, dann war es meist schon zu spät. Nur die eine Liebe konnte Dir immer wieder Kraft geben und das war die Leidenschaft des Motorradfahrens.

Das Motorradfahren vermittelte Dir ein unbeschreibliches Gefühl – Du konntest Du selbst sein, ohne Dich verstellen zu müssen und Dich anpassen zu müssen – Du warst einfach nur frei und konntest fliegen. Für Dich gab es nichts Schöneres, als auf dem Rücken Deines Babys zu sitzen und Dir den Wind um die Ohren wehen zu lassen, weit weg vom Stress des Alltags, von gewohnten Welten, von festgefahrenen Liebesbeziehungen und von Lebenskrisen – um neue innere Kraft und Stärke zu finden.

Wir haben Dich schweren Herzens und mit vielen sorgenvollen Gedanken fahren lassen, wir kannten Deine grenzenlose Leidenschaft und auch Deinen Übermut. Wir haben Dir immer wieder zu verstehen gegeben, dass Du nie schneller als Dein Schutzengel fahren sollst.

Doch es sollte den Tag geben, den wir innerlich bei all unseren Gesprächen übers Motorradfahren aus unseren Herzen und unseren Köpfen verbannt haben, und den wir nie erleben wollten.

Durch den tragischen Unfall wurdest Du uns jetzt für immer entrissen. Das hat unsere ganze Welt auf den Kopf gestellt.

Es gibt keinen Tag, an dem wir nicht an Dich denken. Es ist sehr schwer zu akzeptieren, dass Du nicht mehr wiederkommen sollst. Es herrscht immer das Gefühl, dass Du jeden Moment zur Tür hereinkommst.

Wie schön wäre es, Dich noch mal in den Arm nehmen zu können, Dir persönlich sagen zu können, dass man Dich lieb hat, dass man Dich vermisst, oder Dich lachen zu hören oder ...

All das ist so schwer zu beschreiben, und es zieht einem die Füße unter dem Boden weg. Es gibt ein Sprichwort, welches besagt: "Wenn Kinder klein sind, gib ihnen Wurzeln, wenn sie groß sind, gib ihnen Flügel." – und scheinbar war es an der Zeit, Dir Flügel zu geben und Dich gehen zu lassen, auch wenn es uns das Herz zerreißt.

Wo immer Du auch bist, wir wünschen dir nur das Beste. Wohin Du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen. Geh in Frieden und denk immer daran, dass wir dich lieben. Es ist uns eine Ehre, Dich kennen gelernt zu haben und Dich lieben zu dürfen. Wenigstens bleibt für uns die gemeinsame Erinnerung an Dich und die feste Hoffnung, dass Du nun Deinen Frieden gefunden hast!

Wir danken Dir für die wunderschöne, gemeinsame Zeit, die wir miteinander verbringen durften. Die Stunden mit Dir sind die wertvollsten in unserem Leben. Die Liebe ist die stärkste Kraft im Universum und durch das Band der Liebe wirst Du mit uns verbunden bleiben, solange bis wir uns wiedersehen und uns wieder in die Arme nehmen, irgendwann, irgendwo hinter dem Regenbogen.
 



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