Leben ohne Dich - Für Tessa


Tessa


Tessa kam am 20.11.1996 per Notkaiserschnitt auf die Welt. Die Schwangerschaft selbst war total unkompliziert und wir freuten uns so auf unsere Tochter.

Schnell war klar, dass etwas nicht stimmen konnte! Aber was ? Die Ärzte waren uns nicht unbedingt eine Hilfe. Jeder äußerte eine Vermutung und mit den Ängsten wurden wir oft allein gelassen.

Es begannen viele Untersuchungen und die Suche im Heuhaufen. Viele Puzzleteile wurden gefunden, aber nie passte etwas komplett zueinander.
Tessa bewegte sich kaum, trank zu wenig, nahm ständig an Gewicht ab statt zu und wir waren allein mit unseren Gefühlen.

Als gelernte Arzthelferin ahnte ich vieles und das machte mir die Diagnosensuche leider nicht einfacher. Ärzte äußerten Verdachtsmomente – aber eine Diagnose wurde leider nie klar gefunden.

Es blieb der hochgradige Verdacht einer mitochondrialen Myopatie bestehen. Tessa war ab dem 4. Lebensmonat sauerstoffpflichtig, brauchte eine Ernährungssonde, da sie allein die Mengen an Nahrung nicht essen konnte. Sie war fast bewegungsunfähig und konnte nicht sprechen.

Dennoch war sie eine total "süße Maus", mit der wir fast 15 Monate in 3 verschiedenen Kliniken verbrachten. 12 Stunden täglich und mehr waren keine Seltenheit. Tessa war doch unsere Tochter und wir wollten soviel wie möglich selbst mit ihr machen und soviel Zeit wie möglich mit ihr verbringen.

Als Tessa ca. 16 Wochen alt war, sagten uns die Ärzte Tessa das erste Mal tot (eine unbeschreibliche Situation). Sie hätte keine Chance und würde wohl bald sterben.

Das Krankenhaus war unser zweites Zuhause. Freunde blieben weg, die Familie war auch eher sprachlos als eine Hilfe. Wir fühlten uns wie Aussätzige – kaum Verständnis – nur Stille um uns herum. So mussten wir oft allein unseren Kummer, unsere Ängste und auch unsere Trauer bewältigen.

Die wenigen Tage, an denen Tessa Zuhause war, waren für uns etwas Heiliges. Endlich waren wir eine kleine Familie und nicht nur "Eltern", die als Besucher vom Klinikpersonal beduldet wurden. Leute wie wir, die lange Zeit in einer Klinik bei ihrem Kind verbringen, werden dem Personal lästig. Sie sind zu oft vor Ort, wissen zuviel und stellen auch häufiger unbeliebte Fragen. Wir waren sehr kritische Eltern und speziell bei einem todkranken Kind ist es wichtig, über alles Bescheid zu wissen !

Tessa hatte Tage und Wochen, wo es bergauf ging und wir Hoffnung auf Verbesserung hatten. Aber ständig kamen neue Hiobsbotschaften auf uns zu. Tessa war blind, entwickelte ein Anfallsleiden und ihre Lunge verschlechterte sich zusehends.

Am 29.6.1998 verstarb sie dann auf der Intensivstation in meinen Armen.

Nun sind schon mehr als 6 Jahre vergangen, aber der Schmerz und die Trauer sind oft allgegenwärtig. Ich habe nach wie vor den Wunsch, damit Leben zu lernen. Es gibt schöne Momente, an die ich gern zurückdenke und diese bauen mich dann wieder auf. Meine Tränen sind mir heilig und ich wünsche mir oft Personen, mit denen ich über Tessa sprechen kann.

Familie und Freunde sprechen kaum noch über Tessa, Gedenktage werden vergessen und wir als verwaiste Eltern stehen allein da mit unseren Gefühlen. Sie ist und bleibt unsere kleine Tochter. Wenn auch nicht auf Erden, aber in unseren Herzen !!

Deine Dich liebenden Eltern
Juta und Christian
 



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