Leben ohne Dich - Für Tommi


Geschichte von Tommi

Tommi

Tommi durfte ein Wochenende den Smart von seinem Paten fahren.


Lieber Tommi,

Dein Papa und ich waren überglücklich, drei so wunderbare Kinder wie dich und deine zwei Schwestern zu haben. Ihr habt uns außer den kleinen Alltagssorgen nur Freude bereitet

Von einem auf den anderen Tag geriet unser sorgloses glückliches Leben aus den Fugen.

Am 25. April 1997 wurdest Du, damals 11 Jahre alt, und drei Schulfreunde von einem befreundeten Vater an der Schule abgeholt, um nach Hause zu fahren.

Auf dem Heimweg ereignete sich dann ein schwerer Verkehrsunfall. Einem Kleinlaster auf der Gegenfahrbahn platzte ein Reifen und überrollte den PKW, indem du, mein Sohn, und deine Freunde saßen. Ein Junge und der Fahrer waren sofort tot. Du hattest ein schweres Schädelhirntrauma. Die zwei anderen Kinder wurden leicht verletzt. Dem Unfallverursacher passierte gar nichts.

Die Ärzte machten uns kaum Hoffnung, dass du überleben würdest.

Aber du kämpftest und kämpftest und hast es geschafft. Nach 4 Wochen Krankenhaus ging es zur Reha an den Bodensee. Du hattest eine schwere Aphasie davongetragen, konntest weder sprechen noch schreiben.

Vier Jahre Grundschule und ein dreiviertel Jahr Gymnasium hattest du jetzt hinter dir. und nun musstest du wieder bei null anfangen? Es war schwer für uns, dies zu begreifen.

Aber gemeinsam schafften wir dies alles. Du hattest solch eine Energie und so viel Ehrgeiz. Wolltest doch ganz schnell wieder nach Hause. Aus sechs Wochen Reha wurden drei Monate, dann ein halbes Jahr. Erst nach 14 Monaten wurdest du endlich entlassen.

Wie ungeduldig wurdest du manchmal und sehr wütend. War aber auch zu verstehen. Wir konnten dich nur bewundern, wie du dies alles meisterte. Wir waren so stolz auf dich.
Unser Familienleben wurde einfach an den Bodensee verlegt. In der Woche über war ich bei dir. Jedes Wochenende und in den Ferien kam dein Papa mit deinen zwei Schwestern zu uns.


Tommi


Wie viele Kilometer haben wir in den 14 Monaten auf der Autobahn verbracht. Um keinen Kilometer tut es uns leid. Haben wir dies doch alles für dich Tommi getan. Wie froh sind wir heute dafür, dass wir trotz der großen Entfernung so oft wie möglich als Familie zusammen sein zu durften.

Nach Ende der Reha gingst du in eine Schule für Körperbehinderte in Heimatnähe. Obwohl du im eigentlichen Sinne nicht körperbehindert warst, kamst du wegen deiner Sprachbehinderung in einer Regelschule nicht zurecht.

Du machtest weiter große Fortschritte im Sprechen und im Lernen. In deiner Freizeit spieltest du leidenschaftlich gern Fußball.

Nach der neunten Klasse wechseltest du auf eine höher führende Schule. Die mittlere Reife schafftest du spielend. Wie stolz waren wir auf dich.

Unser Sorgenkind war nun zu einem ganz normalen Teenager herangewachsen. Du trafst dich mit Freunden und hattest die ersten Mädchenbekanntschaften.
Dass du eine Sprachbehinderung hattest, merkte man kaum noch. In der Schule lerntest du fleißig weiter. Mit 18 Jahren machtest du deinen Führerschein und warst stolz, endlich Autofahren zu dürfen.

Dein Ziel war es, ein gutes Fachabitur zu bestehen. Du hattest die besten Vorrausetzungen dafür. Der Ausbildungsplatz, den du im Sommer anfangen solltest, war dir schon sicher.

Nach anstrengenden Prüfungsarbeiten zum Fachabitur freutest du dich auf ein langes Wochenende. Durch Fronleichnam hattest du vier Tage Zeit, bevor die Prüfungen weitergingen.

Donnerstagmittag, am Feiertag, saßen wir alle beim Mittagessen. Ich hatte dein Lieblingsessen gekocht, und wir fünf unterhielten uns angeregt, was jeder die vergangene Woche erlebt, gelernt und uns bewegt hatte.

Danach gingst du in dein Zimmer, um noch etwas zu schlafen, bevor du mit deinen Freunden etwas unternehmen wolltest.

Eine Stunde später, als ich nach dir schaute, lagst du leblos in deinem Bett. Dein Papa und ich versuchten dich ins Leben zurückzuholen, bis der Notarzt kam. Aber auch er hatte keinen Erfolg mehr.

Dein Herz blieb einfach stehen. Die genaue Todesursache wissen wir bis heute nicht.

Lieber Tommi, mit elf Jahren warst du dem Tod schon einmal näher als dem Leben. Aber wir durften dich noch einmal 8 Jahre behalten.
Wir sind so dankbar für die Zeit, die wir mit dir verbringen durften. Du hast unser Leben unsagbar bereichert. Warum du nun mit 19 Jahren plötzlich gehen musstest, werden wir wohl erst erfahren, wenn wir uns in deiner Welt wieder sehen.

Wir lieben und umarmen dich.

Deine Mama, dein Papa, deine Schwestern Annika und Franziska.


Tommi

Tommi im Urlaub in Bulgarien.
 



Lieber Tommi,

Immer, wenn wir von dir erzählen,
fallen Sonnenstrahlen in unsere Seelen.
Unsere Herzen halten dich gefangen,
so, als wärst du nie gegangen.
Was bleibt sind Liebe und Erinnerung.
Und wir fragen noch immer:
Warum?


Tommi, wir vermissen dich unendlich. Du fehlst uns überall.
In unseren Herzen wirst du immer weiterleben. Wir halten dich lebendig, indem wir viel von dir erzählen und auch schon mal über deine Späße lachen. Du wirst immer deinen Platz in unserer Familie haben. Irgendwann werden wir uns wiedersehen, daran glauben wir.

Wir lieben dich so sehr

deine Mama, dein Papa, deine Schwestern Annika und Franziska
 



Gedichte für Tommi

Wenn ich wüsste

Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich dich einschlafen sehe,
würde ich dich besser zudecken
und zu Gott beten, er möge deine Seele schützen.
Wenn ich wüsste, das es das letzte Mal ist,
dass ich dich zur Tür hinausgehen sehe,
würde ich dich umarmen und küssen
und dir noch einmal übers Haar streichen.
Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist,
dass ich deine Stimme höre, ich würde
jede Geste und jedes Wort auf Video aufzeichnen,
damit ich sie Tag für Tag wieder sehen könnte.
Wenn ich wüsste, das es das letzte Mal ist,
dass ich den Tag mit dir teilen kann,
ich würde jede Minute noch mehr genießen
und dir sagen, was ich an dir liebe.

Das Morgen ist niemandem versprochen,
weder Jung noch Alt haben die Gewissheit,
und heute könnte die letzte Chance sein, die du hast,
um deine Lieben glücklich zu machen
und ihnen zu sagen, was sie dir bedeuten.

(Verfasser unbekannt)



Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust,
wird es dir sein, als lachten alle Sterne,
weil ich auf einem von ihnen wohne,
weil ich auf einem von ihnen lache.
Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!

(Antoine de Saint-Exupéry)


Das größte Geheimnis ist das Leben.
Das tiefste Geheimnis ist die Ewigkeit.
Das schönste Geheimnis ist die Liebe.

Geheimnis, dem selbst der Tod machtlos
gegenübersteht.
 

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