Leben ohne Dich - Für Welfrun

...und hier meine Geschichte


Ich

Meine Geschichte: .....

.....beginnt eigentlich an meinem 25. Geburtstag, am 03.09. (2003).

An diesem Tag haben wir (knapp eineinviertel Jahr verheiratet, und seit über 8 Jahren zusammen) beschlossen, dass unser Leben und unsere Beziehung nun gefestigt genug seien um eine Familie zu gründen. Gesagt getan, ab diesem Tag wurde nicht mehr verhütet. Dann, gerade mal 3 Wochen später, mein Opa war gerade zu Besuch und backte mir meinen Lieblingskuchen (nur er bekommt ihn so toll hin), musste ich mich des Geruchs wegen übergeben. Schon da hatte ich so eine Ahnung, dachte mir aber, das wäre ja der Hammer, gleich beim ersten Versuch...

Als dann ca. eine Woche später (ich hatte mich in dieser Woche mehrmals wegen verschiedener Gerüche übergeben müssen) meine Brüste zu spannen und zu schmerzen anfingen, war ich mir sicher, ich brauchte keinen Test. Am Abend eröffnete ich meinem Mann die gute Nachricht, er war total (freudig) perplex, er konnte es nicht fassen, er hatte wohl genauso wie ich mit mehreren "Probeläufen" gerechnet. Nach weiteren 3 Wochen ging ich dann zum FA und ließ mir meine "Ahnung" bestätigen. Der 29.05.04 sollte der errechnete Geburtstermin sein.

Ich habe die ersten 5 Monate der Schwangerschaft unter Übelkeit und Erbrechen gelitten, an manchen Tagen so schlimm, dass ich gar nichts bei mir behalten konnte. Aber Medikamente wollte ich nicht, aus Rücksicht auf mein wachsendes Baby. Ich war und bin der Meinung, dass jegliche Medikamente irgendwelche Nebenwirkungen haben und niemand 100-prozentig genau sagen kann, wie viel ein Baby abbekommt. Also habe ich es ohne durchgestanden.

Genauso meine Zahnarztbesuche im 6. und 7. Monat. Wie oft war ich dort und habe Schmerzen ausgehalten, zwei Wurzelbehandlungen habe ich ohne Medikamente durchgestanden, alles für mein Baby, selbst als ich Ostern Migräne bekam (2 volle Tage lang), blieb ich standhaft.

Die letzten 5 Wochen war ich dann (das erste Mal) völlig beschwerdefrei, Mann, wie habe ich diese Zeit genossen, selbst der immer dicker werdende Bauch hat mich nicht beeinträchtigt, mal abgesehen davon, dass ich nicht mehr ohne Hilfe aus meinem Lieblingssessel heraus kam. Zwar stellte mein FA in der 37. Woche erste kleine Anzeichen einer Schwangerschaftsgestose fest und bestellte mich ab da an einmal pro Woche ein, um mich engmaschiger zu überwachen, doch die anderen Symptome blieben aus.

Am Freitag dem 21.05. habe ich die letzten Handgriffe im Kinderzimmer getan, alles war fertig, bereit zum Einzug meines kleinen Mädchens. Als ich abends auf der Couch lag, dachte ich noch, heute bist du aber ruhig, machte mir aber noch keine Gedanken. In der folgenden Nacht hatte ich zum ersten Mal wirklich Schwierigkeiten mich umzudrehen, es fühlte sich an, als ob ein Stein in meinem Bauch hin und herfallen würde (heute weiß ich, dass meine Kleine zu diesem Zeitpunkt schon tot war). Am nächsten Vormittag wurde ich dann etwas unruhig, weil sich in meinem Bauch immer noch nichts rührte. Am Mittag bekam ich dann Fieber und Schüttelfrost und dachte mir noch, kein Wunder, dass du die Kleine nicht spürst, sie wird wohl mit dir "krank" sein. (Heute weiß ich, dass das Fieber und der Schüttelfrost die ersten Vergiftungsanzeichen waren.) In der Nacht auf Sonntag habe ich kein Auge zugemacht. Ich habe wohl etwas geahnt, wollte es aber nicht wahrhaben.

Am Sonntag dem 23.05.04, um 6:50 Uhr bin ich dann ins Krankenhaus gefahren, allein, denn ich wollte ja nur ein CTG machen lassen um zu sehen, dass alles in Ordnung ist. Die dortige Hebamme war auch total nett, hat mich beruhigt und ist mit mir in den Kreißsaal gegangen um ein CTG zu machen. Doch sie fand keine Herztöne. Für mich war alles klar, doch sie sagte, dass es vorkommt, dass die Babys sich verstecken und brachte mich zur Frauenärztin, zum Ultraschall.

Als diese dann immer wieder auf der gleichen Stelle verharrte und den Bildschirm heller und dunkler einstellte um genaueres zu sehen, wusste ich schon was Sache war, in dem Moment kam mein FA rein, er hatte in diesem Krankenhaus Belegbetten und war gerade mit seiner Visite fertig, als er hörte, dass ich da bin und kam gleich zu mir. Er hat mich noch freudig begrüßt, er dachte wohl ich hätte Wehen und es würde losgehen. Er wollte sich das CTG-Ergebnis anschauen und merkte erst jetzt wie die Lage war, er nahm der Ärztin das Gerät aus der Hand und suchte selber, aber auch er fand keine Herztöne.

Er sagte mir dann, dass mein Baby tot sei, und dass ich es aber auf normalem Weg entbinden soll. Er erklärte auch noch einiges dazu, ganz genau kann ich mich nicht erinnern, denn der Schmerz war zu groß, aber es hatte mit Risiko-Minderung zu tun. Und dass es für die spätere Trauerarbeit von Vorteil wäre.

Im ersten Moment dachte ich, der hat wohl ´nen Schuss, was verlangt der da von mir. Doch irgendeine folgende Ahnung sagte mir, dass er wohl Recht hatte. Er riet mir zur PDA, um so wenig wie möglich Schmerzen zu haben.

Ich bin dann mit der Hebamme zurück in den Kreißsaal, von wo aus ich erst mal meinen Mann angerufen habe. Er versprach sofort zu kommen und meine Tasche mitzubringen. Und weil mein Mann seit Jahren eine KH-Phobie hat, weil sein jüngerer Bruder 2001 fast in einem KH gestorben wäre, war von Anfang an ausgemacht, dass meine Schwester mich durch die Geburt begleitet.

Als ich dann aber wusste, dass meine Maus nicht mehr lebt, wusste ich nicht was ich machen soll, ob ich ihr das zumuten kann oder nicht, ich habe hin und her überlegt, weil ich aber nicht ganz alleine sein wollte, rief ich sie dann später doch an.

Um 7:30 Uhr bekam ich die erste Tablette vorgelegt um die Geburt einzuleiten. Um 8 Uhr war dann mein Mann bei mir, und blieb trotz Unruhe und Schweißausbrüchen ganze 2 Stunden bei mir, was mir sehr viel Kraft gegeben hat in diesem Moment.

Aber schon da zeigte sich, dass wir unterschiedlich mit dieser Situation umgingen. Während ich noch einen Funken Hoffnung hatte und alles nicht an mich ran lassen wollte, kam bei ihm die Wut, er sprach davon, den Arzt zu verklagen...

Ich wollte das auf keinen Fall, konnte mir aber zu dem Zeitpunkt darüber keine klaren Gedanken machen. Er ist dann um 10 Uhr gegangen, weil er ja auch noch arbeiten musste. Er versprach sofort meine Schwester anzurufen, damit sie dann kommt.

Für sie war es nicht einfach, sie ist zuhause los, in dem Gedanken gleich Tante zu werden, am Telefon wollten wir ihr ja nix sagen, denn sie hatte eine Stunde Autofahrt vor sich.

Ich lag also im Kreißsaal und wusste, dass sie dann so um 11 Uhr da sein würde, aber es wurde elf, es wurde zwölf, es wurde eins, und ich machte mir echt Sorgen, einerseits wollte ich noch etwas schlafen bevor es losging, weil ich ja nachts nicht geschlafen hatte, aber ich konnte nicht, weil ich mich sorgte.

Ja und was war passiert? Sie ist statt direkt in den Kreißsaal zu gehen erst mal auf die Station gegangen, weil mein Mann gesagt hat, sie soll nicht so schnell fahren, es dauert sicher bis es richtig losgeht. Und auf Station sagte man ihr dann, dass Frau Löffler gerade eben entlassen wurde (die meinten eine andere Frau, die so hieß wie ich), und meine Schwester ist dann zu mir heim gefahren, was auch 'ne halbe Stunde dauert, aber da war niemand, mich hat sie telefonisch nicht erreicht, weil im Kreißsaal mein Handy aus war, und dann hat sie meinen Mann angerufen, der dann Panik bekam. Er wusste ja was mit mir war und er dachte, dass ich mir vielleicht was antue, wenn die mich noch mal allein weggeschickt haben bis es losgeht. Also hat er was weiß ich wo angerufen wo ich bin und hat meine Freunde verrückt gemacht, einige, die in KH-Nähe wohnen, sind sogar losgezogen, um mich zu suchen. Aber glücklicherweise ist ihm dann eingefallen im Kreißsaal anzurufen, und dann klärte sich alles auf. Meine Schwester war dann um halb zwei bei mir.

Kurz danach bekam ich die zweite Tablette vorgelegt, weil sich noch nichts tat. Um 17 Uhr kam mein Mann noch einmal ins KH, was mich sehr freute, aber als dann um 18 Uhr die Wehen richtig heftig losgingen, ging er wieder, denn das war zu viel für ihn, ich habe ihn regelrecht weggeschickt, weil ich mich mehr um ihn sorgte als mich auf mich zu konzentrieren. Die Hebamme, die zu diesem Zeitpunkt Dienst hatte, lag mir gar nicht, sie war mir von Anfang an unsympathisch, morgens hatte ich zwar eine sehr junge und mit der Situation wohl unerfahrene, aber dafür sehr nette Hebamme. Als dann besagte zweite Hebamme ihre Schicht antrat, machte sie äußerst unpassende Bemerkungen. Sie kam zu mir und sagte wort-wörtlich: "Na, hast du geweint, ist doch alles halb so schlimm, wirst sehen, nächstes Jahr liegst du hier und bekommst ein gesundes Kind, wirst sehen."

Ich fand das echt die Höhe, meine Schwester und ich wir waren sprachlos...

Auch sonst war sie nicht die Schnellste, wenn ich geklingelt habe, hat sie immer ewig gebraucht bis sie kam, das bestätigte mir auch meine Schwester, denn ich hatte kein gutes Zeitgefühl. Mein Arzt hatte ihr extra gesagt, dass sobald die Wehen stärker sind, sie sofort die Anästhesie schicken soll um die PDA zu legen, und was macht sie: gibt mir erst mal 'ne Spritze (keine Ahnung was) und geht wieder. Die Spritze hat zwar die Schmerzen gelindert, aber kurz darauf durchzuckte mich ein Schmerz, ich konnte vor Schreck und Schmerz nicht atmen. Meine Schwester hat sofort reagiert und die Hebamme gerufen, das dauerte...

Als sie dann endlich da war, sagte sie, ach das war nur der Blasensprung, das tut immer etwas weh. Selbst jetzt hat sie nur auf Drängen meiner Schwester die Anästhesisten gerufen. Um 21 Uhr lag dann endlich die PDA und ich wollte mich grad etwas entspannen, als ich merkte, dass plötzlich so ein Press-Drang einsetzte. Die Anästhesistin (eine sehr nette und einfühlsame Frau, die mir in der kurzen Zeit, in der sie bei mir war, ca. 1 Stunde, sehr viel Mut und Kraft gegeben hat) rief dann die Hebamme und glücklicherweise war grad Schichtwechsel, die neue Hebamme war mir auch auf Anhieb sympathisch und ich atmete auf.

Um 21:43 Uhr gebar ich mein kleines Mädchen still. Ich ließ sie mir direkt auf den Bauch legen, sie war so unendlich schön. Die Namen (3 Stück), die ich in der engeren Wahl hatte, passten alle nicht, stattdessen entschied ich mich für den Namen, den mein Mann ausgesucht hatte, der mir aber vorher gar nicht gefiel. Aber als ich die Kleine so ansah, sah sie aus wie ein kleines Wickinger-Mädchen, blond, blass und einfach nur schön. Kein anderer Name hat in diesem Moment so gut gepasst wie Welfrun (was ja aus dem nordisch-skandinavischen Raum stammt). Und sie sah aus als schliefe sie nur, ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass sie aufwacht, doch ich wusste es ja besser.

Während ich dann genäht wurde, wurde die Kleine gemessen und hübsch eingewickelt (ich wusste nicht, dass ich oder die Hebammen sie auch hätten anziehen können, ich habe in dieser Situation nicht danach gefragt, ... schade eigentlich... ). Dann bekam ich sie mit in ein Nebenzimmer und hatte eine Stunde Zeit mich zu verabschieden und Fotos zu machen. Es war eine schöne, wenn auch schlimme Stunde für mich. Ist es doch die einzige Zeit, die mir zur Erinnerung bleibt...

Meine Schwester hat es so tapfer durchgestanden und mich so toll unterstützt, das werde ich ihr nie vergessen. Sie war stark bis das Baby da war, wir haben, als sie kam, zusammen geweint, aber als es losging war sie so stark, erst als das Baby dann da war, brachen bei ihr alle Dämme, da konnte ich dann nicht weinen, ich musste mir meine Kleine einprägen, es genießen sie zu halten, denn ich wusste ja, dass unsere Zeit begrenzt war. Meine Schwester war auch in den ersten zwei Wochen (sie hatte Pfingstferien) rund um die Uhr bei mir, weil ich nicht allein bleiben konnte und mein Mann ja tagsüber arbeiten musste. Sie war auch diejenige, die mich wieder in den Alltag geführt hat.

Nachtrag:

Mein FA sagte, dass meine kleine Welfrun am Freitag irgendwann im Laufe des Tages gestorben sei, also auf den Tag genau eine Woche vor ihrem errechneten Geburtstermin. Sie starb an einem Plazenta-Infarkt. Was diesen ausgelöst hat, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
 



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