Leben ohne Dich - Für Zoe Madhu


Zoe Madhu


Kleiner Sonnenstrahl...

Für einen Augenblick
blieb die Erde stehen
und ein sanfter Sonnenstrahl
tastete sich behutsam durch die Wolken.

Er war klein und leuchtete
sehr hell in das Leben derer,
die ihn trafen.

Wir ahnten nicht,
dass er keine Chance
bekommen würde,
noch heller zu werden.

Kleiner Sonnenstrahl,
wir können es nicht begreifen,
dass Du nicht mehr bei uns bist,
und vermutlich werden wir es
nie verstehen.

Wir haben tausend Fragen,
auf die es keine Antwort gibt.
Eines aber möchten wir Dir sagen:
Danke, dass Du bei uns warst.

Es war ein wunderschöner Augenblick,
und Dein Licht wird immer in uns weiterleuchten.

Wo immer du jetzt bist, unser kleines Funkelsternchen,
wir lieben Dich von ganzem Herzen !

Mama und Papa



Geschichte von Zoe Madhu

Dass Du, unser Funkelsternchen, überhaupt zu uns gekommen bist, war ja schon ein unglaubliches Wunder! Seit meinem 16. Geburtstag hieß es ja eigentlich, dass ich keine Kinder bekommen kann. Doch dann...

Ich ging am 24.11.2003 zu meinem Frauenarzt, ich hatte seltsame Schmerzen in meiner Brust, und da mir erst ein paar Monate vorher ein Knoten aus der Brust entfernt wurde, dachte ich, es geht wieder von vorne los.

Ich musste auch gar nicht lange warten, schon war ich an der Reihe. Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln fragte mich mein Frauenarzt, was denn los sei. Ich ihm alles erklärt und er fragt mich, wann ich denn meine Periode bekommen sollte. Da musste ich erst mal kurz nachdenken, schließlich war der Gedanke auch gar nicht in meinem Kopf und antwortete wahrheitsgemäß: "Heute!"

"Na, dann machen wir doch erst mal einen Schwangerschaftstest, auch wenn es fast unmöglich ist." Gesagt getan und nach 10 Minuten wurde ich wieder ins Behandlungszimmer gerufen. Im Zimmer erschlägt mich fast das lächeln des Arztes: "Kein Knoten in ihrer Brust, wohl eher einer im Bauch, der noch größer wird und in 9 Monaten für ganz schön viel Lärm sorgt!"

WAHNSINN!!! Okay, nachdenken. Ich war 23 und hatte gerade angefangen mein Fachabitur zumachen und eigentlich an alles gedacht, nur nicht ans Kinderkriegen! Trotzdem habe ich mich 15 Minuten (nachdem alle Untersuchungen abgeschlossen waren) unendlich gefreut!

Kaum aus dem Ärztehaus draußen, rief ich meinen Freund, Markus, an. Ich war viel zu aufgeregt um auf den Abend zu warten!!! Er hatte kaum abgenommen, da platzte es auch schon aus mir heraus: "Hey Süßer, du wirst Papa!" und was sagt er? Typisch Realist: "Jetzt komm erst mal nach Hause. Ich bin schon da."

3 Tage später war er Feuer und Flamme! Schon in der 8. Woche kamen Sätze wie: "Ich glaub' unser Baby hat mich getreten!" Ich musste sooo lachen! Die ganze Schwangerschaft über hat mich unser kleines Töchterchen geschont. Das heißt keine Übelkeit, keine Kreislaufbeschwerden. Dafür mörderischen Hunger auf alles und für jedes Kilo, das ich zugenommen habe, noch ein Kilo Wasser obendrauf! Aber ich kann mich nicht beschweren, dafür habe ich es unserem Mäuschen nicht leicht gemacht. Ich hatte in den ersten 5 Monaten eine Infektion nach der anderen. Trotzdem war bei jeder Untersuchung alles in Ordnung und Zoe hat keinen Schaden davongetragen.

Seltsamerweise hatte ich schon ab der ersten Woche das Gefühl, dass unser Engel nicht lange bei uns bleibt... weshalb ich auch öfter zum Arzt gegangen bin als es sein musste und habe mich letztenendes sogar für einen Kaiserschnitt entschieden, obwohl es nicht nötig war, weil ich davon überzeugt war, dass mit Zoe Madhu irgendetwas passiert. Ich wusste nur nicht wann und wo... deshalb wollte ich kein Risiko eingehen. Sozusagen dem Schicksal ein Schnäppchen schlagen...

Am 22.07.2004 um 11:24 Uhr wurde unser Zaubermäuschen mit einer stolzen Länge von 53 cm und einem Gewicht von 3410 g im Altonaer Krankenhaus auf die Welt geholt.

Der schönste Moment in unserem Leben!!!

Markus hat Zoe Madhu sofort in den Arm gelegt bekommen und vor lauter Handtüchern konnte ich sie gar nicht richtig sehen, aber sie war gesund und alles in bester Ordnung. Außerdem war Markus´ erster Satz mehr als beruhigend: "Oh Gott ist sie schön!" Da war es mir erst mal "egal" dass ich sie nicht richtig anschauen konnte. 20 Minuten später lag sie auf mir... ich werde dieses Gefühl nie mehr vergessen. So warm, so echt – bedingungslose Liebe!

Ich hatte sie nur die halbe erste Nacht, im Krankenhaus, nicht bei mir, weil ich einfach zu erschöpft vom Kaiserschnitt war. Doch dann haben wir sie keine Minute mehr aus unseren Händen gegeben. 4 Tage später waren Zoe und ich zu Hause, abgeholt vom überstolzen Papa! Für uns war alles egal, wir waren total fasziniert von unserer Tochter!

Es folgten die schönsten zwei Monate und 3 Tage unseres Lebens... Zoe war absolut pflegeleicht. Die ersten 3 Wochen musste ich sie alle 4 Stunden wecken, damit sie ihre Milch trank und wenn sie wach war, hat sie kaum geschrien. Nur wenn sie Bauchschmerzen hatte oder doch wieder auf den Arm wollte. Sie hatte nämlich die Angewohnheit, wach im Bett zu liegen und das Mobile zu betrachten. Wollte ich oder Markus sie rausnehmen, hat sie die Hand weggeschoben und gegrummelt. So nach dem Motto: "Ey, ich meld mich schon, wenn ich was will!"
Ein wirklich erstaunliches kleines Mädchen...

Es gibt so viele kleine Erinnerungen, das erste Quietschen von Zoe Madhu, worüber sie selbst so erschrocken ist. Die vielen Male, die sie uns angelacht hat. Wie sie gelacht hat, wenn wir sie "Babybär" nannten und ihr Geschichten vom kleinen Bär und seinem Honigtopf vorlasen oder wie schelmisch sie geguckt hat, wenn sie mal wieder genau die Sekunde abgepasst und losgepieselt hat, wenn die schmutzige Windel weg und die saubere noch nicht da war! Wie gern Zoe in Papas Arm geschlafen und gekuschelt hat... alles kann ich gar nicht aufschreiben.

Dann kam das Wochenende, dass unser Leben für immer verändern sollte.

Am 24.09.2004 kam meine Oma aus Amerika und mein Papa, (unsere Familien leben in Süddeutschland, wir hier in Hamburg) als die beiden auf dem Weg zu uns waren, hatte ich wieder so ein komisches Gefühl und sagte zu Markus: "Du, irgendwas stimmt nicht. Ich hab das Gefühl, meine Oma stirbt am Sonntag." Das wäre ja nicht so abwegig gewesen, meine Oma ist über 80, nicht mehr ganz so fit, dann hatte sie einen langen Flug hinter sich und auch noch die Autofahrt von 8 Stunden! Aber alles kam ganz anders..

Bis Samstagabend, den 25.09.2004 ging es Zoe ganz gut. Am Freitag mussten wir kurz zum Kinderarzt, weil die Verdauung nicht so gut funktionierte, heute mache ich mir Gedanken, ob das schon das erste Erkrankungszeichen war, sie bekam ein Miniklistier und alles war wieder in Ordnung. Baby keine Bauchschmerzen mehr, lacht und macht Miniunsinn bis Samstagnacht – Mama und Papa beruhigt und ohne große Sorgen. Am Samstag Nachmittag haben wir alle zusammen, Uroma, Opa, Papa, Zoe und ich, Kaffe getrunken, Kuchen gegessen und ganz viele Bilder gemacht. Die Bilder die zu sehen sind, entstanden alle an diesem Nachmittag...

Doch dann die Samstagnacht.

Um 04:30  Uhr hatte Zoe plötzlich über 39 Grad Fieber. Wir riefen sofort einen Notarzt, der auch schnell kam. Er hat unser Mäuschen untersucht und meinte wir sollten uns keine Sorgen machen, sie hat nur eine kleine Erkältung und er gibt ihr jetzt ein Zäpfchen und dann ist wieder alles gut. Nach dem Zäpfchen ging es ihr auch wirklich erst einmal besser. Unser Schatz hat noch mal eine große Flasche Milch getrunken und mich von ganzen Herzen angelacht. Da musste ich auf einmal weinen. Erst dachte ich, dass war die Anspannung. Heute glaube ich das war eine erneute Vorahnung.

Am Sonntagmorgen um 7 Uhr bin ich aufgewacht und habe Zoe zu uns ins Bett geholt. Sie hatte so unruhig geschlafen, hatte aber kein Fieber. Also schliefen wir alle drei noch 2 Stunden. Die letzten 2 schönen Stunden mit unserem Engel. Als ich um 9 Uhr aufwachte, sah Zoe nicht mehr gesund aus. Ich möchte es nicht genau beschreiben...

Wir sind sofort ins Krankenhaus gefahren und mussten keine Minute warten, sie musste sofort beatmet werden, dann wurden wir auch schon aus dem Zimmer geschickt. Wir waren um halb zehn im Krankenhaus und um 13:20 Uhr durften wir sie wiedersehen...

Ich kann mich nicht mehr genau an die Zeit des Wartens, Hoffens und Bangens erinnern. Knapp 4 Stunden... Als die Ärzte kamen und uns sagten, dass unsere Tochter es leider nicht geschafft hat, konnte ich nur schreien. Dann war ich ruhig. Markus hat herzzerreißend geweint und immer wieder nur "Nein!" geschrien...

Ich durfte unser Funkelsternchen noch taufen und als wir sie beide zusammen in unseren Armen hielten wurden die Maschinen abgestellt...

Am 26.09.2004 um 13:25 Uhr ist alles, wofür wir gelebt haben, von uns gegangen...

Zoe Madhu starb an einer Menigokokkenbakterien-Infektion.

Wir haben sie dann noch gewaschen, frisch angezogen, ich hatte für Notfälle immer was Frisches in der Wickeltasche, und wir hatten ganz viel Zeit um uns von unserem Schatz zu verabschieden. Wir haben sie immer wieder in den Arm genommen, sie getragen und geknuddelt... immer noch diese kleine Illusion, dass vielleicht kuscheln und küssen helfen würde und sie dadurch zurückkommt...

Ich kann mich kaum daran erinnern, was wir gemacht haben nach diesem Tag. Meine Erinnerung beginnt erst wieder am Tag der Beerdigung.

Auch wenn es das schlimmste ist, sein eigenes Kind zu Grabe zu tragen, es war eine sehr schöne Beerdigung. Der Pfarrer, der Papa meiner besten Freundin, hielt eine sehr schöne Predigt, wir konnten die Musik selbst aussuchen und spielten alle Lieder, die wir mit unserem Engel gehört hatten. Das erste Lied war auch das Erste, das wir gehört hatten als wir aus dem Krankenhaus kamen: Bob Marley – Natural Mystic. Dann von Sade – Jezebel. Meine Schwester hat von Sting – Valbarasio ausgesucht und das letzte Lied war wieder Bob Marley – Keep your lights down low.

Es waren fast alle Menschen, die wir und unser Engelchen kannten, da. Alle Verwandte, fast alle Freunde und Bekannte, knapp 60 Personen, die unser Zaubermäuschen auf ihrem letzten Weg begleiten wollten.

Markus, zwei seiner besten Freunde und mein bester Freund haben den Sarg getragen. Ich war in diesem Moment so stolz auf meinen Partner und bin es noch immer... Ich glaube für ihn war das sehr wichtig.

Am Grab haben wir unserem Babybär das Gedicht vorgelesen, das Ihr auch lesen könnt und haben uns alle mit Sonnenblumen von ihr verabschiedet...

Zoe bedeutet Leben, Madhu süß wie Honig.

Das war es, was wir dir wünschten, ein Leben süß wie Honig... Wir lieben dich von ganzen Herzen und werden dich jeden Tag in unseren Herzen tragen.

Dein Mamabär Dominique und Dein Papabär Markus
 



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