Leben ohne Dich - Für Manuel

Manuel


Mein geliebter Sohn !

Du gingst,
ohne dass ich mich verabschieden konnte,
hinterließt eine unendliche Leere,
die niemand füllen kann.

Ich stand an deinem Grab,
doch ich konnte und kann nicht glauben,
dass du darin liegst.
Ich ersticke an dem Schmerz, an den Tränen.
Niemand, so scheint es, kann diesen Schmerz
mildern,
denn niemand wird dich je ersetzen.

Doch der Schmerz wird verblassen,
irgendwann,
denn ich werde begreifen,
dass du für mich niemals sterben kannst,
weil du in meinem Herzen ewig lebst !


Ich liebe dich
Mama



Ich schau auf dich herab jeden Tag
und weißt du, was ich mich jedes Mal frag?
Warum trauerst du so sehr um mich,
ich bin doch da... beschütze dich !

Ich bin nicht richtig fort,
nur an einem anderen Ort.
Weine nicht so sehr um mich,
weil du mir damit das Herz zerbrichst.
Ich will, dass du glücklich bist und lachst,
will, dass du lebst und Freude am Leben hast !

Dabei werde ich immer in deinem Herzen sein,
und wenn du willst, dann spür mich – du bist nicht allein.



Mein Weg wird mich ewig zu Dir führen...
egal wie... egal wo... und egal wann...


Werde ich auch alt und zittrig sein,
sehe ich auch die Blätter fallen,
gehe ich auch bei Sturm und Eis,
sitze ich in Wind und Regen...

Sonne...



Kann es für mich "OHNE DICH" nicht mehr geben


Sich mir die nächste Jahreszeit in ihrer Pracht
auch zeigen mag...erreicht mich nicht...
viel zu lange "OHNE DICH"...


immer wieder führt mich mein Weg zu Dir zurück
egal ob hier auf Erden oder in aller Ewigkeit


In Liebe Mama

Pass auf dich auf mein Junge
 

Manuel



Manuel wurde 2003 zu einer normalen Vorsorgeuntersuchung bei unserer Hausärztin untersucht. Es war ein paar Tage vor den Sommerferien. Die Ärztin konnte so aber nichts feststellen und sagte, er solle doch zwei Tage später morgens um 8 Uhr zur Blutabnahme kommen.

Er fuhr morgens mit seinem Fahrrad zur Ärztin und ließ sich Blut abnehmen. Am Nachmittag rief die Ärztin an und bat uns sofort zu kommen, sein Blutbild ist nicht in Ordnung. Mein Sohn und ich sind sofort los, als wir ankamen konnten wir auch direkt zu ihr rein.

Sie sah sehr ernst aus. Sie sagte es besteht Verdacht auf Leukämie. Manuel und ich waren in einem Moment ganz ruhig, wir wussten gar nicht so richtig, was ist Leukämie? Sie schrieb eine Überweisung zur Uniklinik Essen. Am Montag fuhren wir dann alle drei, mein Mann, Manuel und ich. Die Klinik wusste schon Bescheid, dass wir kommen.

Als wir da waren, mussten wir erst einmal lange warten bis er untersucht wurde. Ihm wurde aus dem Beckenkamm Blut abgenommen, nur da kann man feststellen um was für eine Leukämie es sich handelt. Dann kam das Schlimmste: es handelte sich um die schlimmste Form und zwar CML Cronisch Myologische Leukämie.

Wir konnten dann auch erst einmal wieder nach Hause fahren nachdem er wieder so einigermaßen fit war. Der Arzt verschrieb ihm dann Medikamente um seine Leukozyten wieder runterzukriegen. Zweimal die Woche musste er zur Kontrolle. Ohne eine Knochenmarktransplantation hätte er keine Überlebenschance gehabt.

Mit den Tabletten klappte eigentlich alles ganz gut, aber es war keine Lösung, man hätte nie gewusst wie lange es gut geht. Im Oktober bekamen wir dann die Nachricht, dass Manuel zwei Spender hat. Wir waren überglücklich.

Der Termin zur Transplantation wurde auf den 29.1.2004 festgelegt. Am 12.12.2003 musste er zur Voruntersuchung und den Zugang für die Transplantation legen lassen. Die OP wurde in einer anderen Klinik in Essen gemacht. Alles lief gut. Manuel kam dann auch nach einer Woche nach Hause.

Wir haben dann noch Weihnachten und das Neue Jahr gefeiert, was man so feiern nennt wenn man weiß, dass sein Kind schwer krank ist. Er ließ sich nie etwas anmerken, war trotz allem immer fröhlich.

Am 14.1.04 musste er dann in die Isolierstation. Sie fingen dann mit der Chemo an um sein Immunsystem kaputt zu machen. Ihm ging es in dieser Zeit sehr schlecht, er bekam aber auch alles, was der Arzt uns vorher mitgeteilt hatte, was alles auftreten kann. Wir waren von morgens bis abends bei unseren Sohn. Wir haben uns abgewechselt: mein Mann und ich und manchmal seine älteren Schwestern.

Es durfte ja immer nur einer rein. Er war auch sowieso nicht so gut drauf. Dann war der Tag Null: er bekam das Knochenmark. Er war total aufgeregt, weil es ziemlich spät kam. Ich blieb dann noch eine ganze Zeit um zu sehn, ob er es auch vertrug.

Alles klappte ohne Probleme. Jetzt musste man warten bis das Knochenmark anwuchs. Ca. 21 Tage dauerte das ganze bis sich langsam etwas tat, die Leukos stiegen jeden Tag etwas mehr an. Dann endlich am 5.3.04 wurde er entlassen und konnte nach Hause. Wir waren alle superglücklich. Zuhause ist er erstmal zu seinem Computer, obwohl er in der KMT auch einen hatte.

Ein paar Wochen ging alles ganz gut, aber dann bekam er einen Herpesvirus, der sich als Bläschen auf seine Zunge legte. Er musste wieder in die Klinik und bekam Infusionen. Nach 10 Tagen konnte ich mich dann mit der Ärztin einigen und er durfte nach Hause und bekam dann von einem Pflegedienst dreimal tgl. diese Infusionen.

Es dauerte fast 3 Wochen bis ihm die Ärztin von der Klinik Tabletten verordnete. Durch die vielen Medikamente, die er nehmen musste, ging sein Immunsystem wieder runter und er fühlte sich nur noch müde und schlapp. Dann war sein Herpes endlich weg, da bekam er kurze Zeit später Durchfall und wieder in die Klinik.

Bis die Ärzte festgestellt hatten, dass es eine Abstoßreaktion des Darms war, waren fast zwei Wochen vergangen. Dann musste er erst Diät halten, alles half nichts, es wurde nur schlimmer. Er war schon richtig depressiv. Mal ging es ein bisschen besser, mal war es wieder total schlimm, mit viel Schmerzen verbunden. Er bekam schon so viel Infusionen, dass schon kaum noch etwas an den Ständer passte.

Ich war so am Boden zerstört, habe mir nie etwas anmerken lassen, aber manchmal bin ich dann zur Toilette zum Weinen. Haben aber immer die Hoffnung gehabt, dass alles gut wird. Anfang Juni bekam er dann so einen merkwürdigen Husten, worauf wir die Ärzte immer ansprachen, horchten ihn dann auch mal kurz ab, das war es auch schon. Bis der Husten dann etwas schlimmer wurde, dann wurde er schließlich geröntgt und Ultraschall usw.

Am 11.6. auf seinem Geburtstag musste er zur Lungenspiegelung, dann endlich nach ungefähr 3-4 Tagen konnten sie sagen, dass es eine Pilzinfektion ist, wäre aber alles kein Problem, sagte der Chefarzt. Er bekam dann immer mehr Medikamente. Er war so tapfer, hat alles mitgemacht damit er wieder nach Hause kann.

Ein paar Tage später bekam er plötzlich schlecht Luft, die Krankenschwester brachte ihm sofort Sauerstoff, aber so richtig Luft bekam er auch nicht. Schließlich kam dann die Oberärztin und meinte, es wäre besser wenn er auf die Intensivstation käme. Dann wurde alles vorbereitet für Manuel, nach 1 ½  Stunden wurde er dann runter gebracht.

Er bekam dann die Sauerstoffmaske auf, aber es half auch nicht, die Oberärztin sprach mit Manuel, ob es nicht besser wäre, wenn er ins künstliche Koma versetzt würde, dann könnte die Lunge sich besser erholen und er brauchte sich nicht so zu quälen beim Atmen. Er war dann auch einverstanden, er sagte nur, ob man ihn auch wieder wach machen könnte. Ja sicher, sagte sie, wenn sich die Lunge erholt hat, würde er wieder aus dem Koma geholt.

Ein paar Tage danach sah es aus. als ob sich alles zum Guten wenden würde, wir waren wieder voller Hoffnung und Freude. Aber dann schlagartig hat sich das Blatt wieder gewendet. Er bekam Fieber, das sie erst wieder runter kriegen mussten, dann ging es wieder so einigermaßen. Dann als wir am anderen Tag kamen, war er richtig gelb am ganzen Körper. Ich hatte Angst, habe aber nie was gesagt, wollte es auch nicht wissen.

Die Ärzte haben auch nie konkret etwas gesagt, sondern ließen uns immer in der Hoffnung, alles wird gut. Jeden Abend spät rief ich in der Klinik an und erkundigte mich, wie es ihm ging. Morgens um 5 halb 6 auch wieder bis wir zur Klinik fuhren. Ich habe ihm jeden Tag aus seinem Lieblingsbuch vorgelesen und seine Lieblingsmusik angemacht. Genau am 14. Tag bekamen wir morgens ganz früh den Anruf aus der Klinik, wir möchten doch kommen, Manuel ging es schlechter.

Wir haben uns sofort auf dem Weg gemacht, aber wir kamen zu spät, er war kurz vorher gestorben. Sein Kreislauf konnte nicht mehr. Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte, das war alles so wie in Trance.

Das ist Manuels Krankengeschichte, er war ein wunderbarer Sohn.

Manuel 



Home  |  Zurück  |  Seitenanfang