Leben ohne Dich - Für Nico


Nico


Für unseren kleinen Mann, der am 7. Januar 2004 für immer die Augen schloss.

Nico ist am 11.7.2000 um 12:33 Uhr zur Welt gekommen per Kaiserschnitt. Alles verlief gut, er entwickelte sich prächtig. Doch schon früh mit ca. 12-15 Monaten erkannten wir, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Nico hielt immer den Kopf schräg und fiel andauernd hin. Er lief gegen Türrahmen, Tische. Er konnte nachts nie durchschlafen und wurde oft bis zu 15-mal wach, mal mehr mal weniger... Er bekam noch Asthma dazu und einige Allergien, die ihm zu schaffen machten. Er müsste ständig Medikamente nehmen und inhalieren.

Für uns stand fest, dass wir zum Arzt müssen und das taten wir auch. Als erstes wurde gesagt, dass die Gleichgewichts-störungen von den Ohren kommen könnten. Nach drei Untersuchungen beim Hals-Nase-Ohren-Arzt stand fest, dass es nicht davon kam. Wir wurden dann zum Kinderneurologen geschickt. Doch dieser Arzt meinte, dass unser Kind hyperaktiv sei und eine Aufmerksamkeitsstörung hätte. Wir glaubten es auch noch und gaben uns damit zufrieden, da er uns sagte, dass es wieder besser wird, wenn er älter wird.

Doch im Verlauf bemerkten wir, dass es nicht besser wurde. Wir gingen wieder zum Arzt und er sagte uns, dass es gut wäre eine Therapie zu machen. Mein Mann und ich waren damit einverstanden. Hauptsache es wird etwas gemacht. Ich nahm mir die Zeit, um alles mit ihm zu machen.


Nico


Doch in der Kindertherapie sagte man mir, dass er nicht hyperaktiv sei, aber er eine Schwäche der Motorik hat, und dass er dadurch immer hinfiel. Er benutzte so gut wie gar nicht den rechten Arm, er machte alles mit links.

Also starteten wir mit Krankengymnastik jede Woche, doch besser wurde es nicht. Am 28.11.2003 flogen wir für ein Wochenende zu meiner Schwester nach Italien, die dorthin ausgewandert ist mit ihrer Familie. Schon im Flugzeug fing es an, dass Nico über Schmerzen im Ohr und im Kopf klagte. Wir dachten uns nichts dabei, da es bei einem Flug schon mal passieren kann.

Angekommen in Italien, klagte der kleine weiterhin über Kopfschmerzen. Die kamen attackenweise und verschwanden auch wieder. Ich war froh, dass wir bald wieder zuhause waren. Als erstes ging ich zum Arzt mit ihm, doch mir wurde gesagt, dass es Kindermigräne sei und ich ihm bei Bedarf Kindersaft geben soll. Okay, das tat ich auch...

Aber es wurde nicht besser, im Gegenteil: immer schlimmer. Immer sagte er: "Mama, aua aua Kopf."

Ich ging wieder zum Arzt und sagte, dass etwas nicht stimmen würde mit Nico und dass ich mir große Sorgen machen würde. Es soll bitte ein EEG gemacht werden. Sie gab mir eine Überweisung.

Es war jetzt schon Mitte Dezember 2003 und die Neurologen wollten mir erst einen Termin im März 2004 geben. Eine Frechheit!!! Doch ich gab nicht auf und nach ca. drei Stunden telefonieren bekam ich für den 7. Januar 2004 einen Termin in einem Krankenhaus. Also hieß es bis dahin zu warten.

Doch am 4. Januar kam alles ganz anders.

Nico stand morgens auf und klagte wie immer über den Kopf, dabei erbrach er einmal. Danach war alles wieder in Ordnung und er fing zu spielen an. Wir dachten: Okay, vielleicht bekam ihm etwas nicht. Über den Tag hinaus spielte er weiter, doch so gegen 16 Uhr fing er an müde zu werden und wollte nur noch schlafen. Meine Mutter legte ihn auf die Couch und er schlief dann auch. So ca. eine Stunde, doch als er dann aufwachte, erbrach er ganz schlimm.

Wir zögerten nicht lange und fuhren in das Krankenhaus, wo er auch den Termin hatte für das EEG. Nach ganz kurzer Untersuchung sagte man uns, dass er eine Hirnhautentzündung hätte. Ich dachte: oh nein... Doch nach 20 Minuten sagte man uns, das wäre es doch nicht, denn er hätte kein Fieber. Nico sagte sogar der Ärztin wo er Schmerzen hätte. Immer wieder sagte er: "Aua, aua Kopf!!!"

Sie legten ihn stationär, nahmen ihm Blut ab und legten ihm eine Infusion an, sonst nichts! Die Nacht erbrach er weiter und machte in die Hose. Er schämte sich dafür, obwohl er es nicht brauchte. Er schlief wieder ein und am nächsten Morgen schlief er immer noch tief und fest. Ich machte mir schon Sorgen, denn er reagierte nicht auf meine und Omas Stimme. Ich rief sofort meinen Mann auf der Arbeit an, dass er kommen sollte.

Nachdem ich wieder ins Zimmer ging, bekam Nico einen Krampf. Ich rief die Ärztin, doch als sie kam, war der Krampf vorbei. Ich erklärte ihr das, doch sie ging wieder. Nach kurzer Zeit bekam er wieder einen Krampf, er bekam rote Flecken im Gesicht und stöhnte ganz laut. Ich habe es immer noch in den Ohren. Nico spuckte auch Schaum aus dem Mund, es war furchtbar. Ich rief wieder die Ärztin!

Wir mussten das Zimmer verlassen und tausend Ärzte gingen rein. Geräte wurden geholt und und und... Es war wie in einem Traum, ich dachte nur: es kann nicht sein. Nico wurde beatmet aus dem Zimmer gebracht, runter zum CT. Wir durften nicht mit und wurden ins Ärztezimmer gerufen. Als dann auch noch der Chefarzt mit uns reden wollte, alleine, war mir klar, dass wir gleich was Schlimmes zu hören bekommen.

Die Antwort war, dass Nico einen Tumor im Kleinhirn hat, so groß wie ein Tennisball. Sie müssten ihn sofort in ein anderes Krankenhaus verlegen, die darauf spezialisiert sind. Nico wurde fertig gemacht für die Fahrt.

Es war furchtbar, seinen kleinen Körper regungslos an diesen Apparaten zu sehen. Die Fahrt ging los und der Krankenwagen hatte sich auch noch verfahren. Zeit, die kostet!!!!! Angekommen nach 40 Minuten, wurde uns gesagt, dass es sehr schlecht um ihn stände. Sie hätten ihn zu spät bekommen.

Zu 100% hätte er so keine Überlebenschance und die OP wäre nur ein kleiner Versuch.

Wir hatten uns an einem kleinen Strohhalm festgehalten. Nach der OP sagte uns der Arzt, dass ein Wunder geschehen müsste, damit er überlebt. Ich habe so viel gebetet und gebetet und zu Gott gesprochen: Lass ein Wunder geschehen, bitte!!!

Am 6. Januar bekamen wir die Nachricht, dass er hirntot sei und wir uns auf den Tod einstellen sollen. Ich glaubte das nicht, wieso hatte es vorher keiner erkannt??? Unser kleiner Nico tot??? Nein das will und konnte ich mir nicht vorstellen.

Doch es kam so, nach mehreren EEG's stand es fest, dass die Geräte abgestellt werden. Der Tag stand fest: Mittwoch, der 7. Januar 2004.

Als meine ganze Familie dorthin kam, standen schon alle Ärzte da und warteten auf uns, auch die Seelsorge und eine Therapeutin. Es war Hölle, nur die HÖLLE!!!

Wir gingen ins Zimmer rein, ich bekam einen Stuhl und Nico wurde mir in die Arme gelegt. Ich wusste was auf mich zu kommt, doch es war so schön ihn wieder in den Armen zu halten. Ich wollte für ihn da sein und ihn begleiten, ihm sein Lieblingslied vorsingen und ihm einfach sagen, dass ich ihn liebe und dass ich da bin.

Ich sang ihm -Schick mir 'nen Engel- von Overground, das was er zuvor immer sang. Als ich meine Augen öffnete, waren alle Geräte aus.

Die Zeit war da, 11:06 Uhr, die Uhrzeit, zu der unser Nico für immer die Augen schloss.

Nico, du wirst immer unser kleiner Mann bleiben wir werden dich immer lieben, und irgendwann weiß ich, dass wir uns wieder sehen.

Wir lieben dich unendlich...
Mama und Papa


Nico
 

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