Leben ohne Dich - Für Nico

Nico



Lebenslauf

Nico wurde am 15. April 1999 (in Schlanders, Südtirol) als zweites Kind von drei Geschwistern geboren.

Nico war ein sehr lebensfrohes, aufgewecktes und fantasievolles Kind, das immer zu Späßen und Scherzen bereit war. Er war sehr freundlich und sprach mit jedem Menschen, egal ob klein oder groß, ob alt oder jung.

Auch wenn Nico manchmal ein wenig frech war, so war er doch stets höflich und kontaktfreudig. Er war ein hilfsbereiter Junge und wollte immer und überall helfen, und das von Herzen. Nico sah sich immer in der Rolle als Beschützer von seinem kleinen Bruder David (6) und den Rest unserer kleinen Cousins und Freunden.

Nico


Was Nico am liebsten mochte waren Tiere. Er pflegte verletzte Tiere und versuchte sie aufzupäppeln, wenn auch oft vergebens. Man sah ihm an, dass er große Freude daran hatte, wenn er einem Tier helfen konnte.

Zum Beispiel fand er ein paar Tage vor seinem tragischen Unfall einen Schmetterling, der Verletzungen an den Flügeln hatte (ich sehe es vor mir als ob es gestern erst war). Er gab ihm Wasser, Gras und ein Zuhause (Blumentopf) und taufte ihn auf den Namen SCHMETTI.

In der Schule trieb er die Lehrer oft zur Verzweiflung, weil er nur von Tieren sprach. Er wollte immer Tierpfleger oder Tierarzt werden.

Nico war Fußballer bei einen Fußballteam, denn er kickte für sein Leben gern.

Es gab viele schöne, unvergessliche Momente und Tage, die wir mit unserem Nico verbringen durften. Wenn er es auch oft nicht leicht hatte mit seinen 9 Jahren, er lies sich nie unterkriegen, er war sehr stark.

Besonders die heilige Erstkommunion am 27. April 2008. Nico schaffte diesen Tag zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen, denn er plapperte munter während der Messe mit dem Herrn Pfarrer und das war so lustig, dass die ganze Kirche lachen musste. Der Herr Pfarrer meinte, Nico hätte die Messe fast alleine gehalten.

Was er auch gerne in seiner Freizeit machte, war Radfahren, was ihm letzten Endes zum Verhängnis wurde.

Wir werden unseren Nico immer in schöner Erinnerung halten, und zwar als unseren kleinen Lausbub, der uns immer zum Lachen brachte mit seinen lustigen Sprüchen, einfach mit seiner ganzen Art und Weise.

Nico



Der Unfalltag

Es war am 10. Mai 2008, das Wetter war wunderschön. Als Nico von der Schule nach Hause kam, fragte er mich: "Mama könnten wir eine Radtour machen?"

Darauf sagte ich: "Ja! Das ist eine tolle Idee!" Ich fragte ihn, ob er Tobias auch mitnehmen möchte. Er sagte: "Cool Mama, du bist die beste", und umarmte mich (es war seit Jahren geplant, dass wir eine Radtour machen wollten).

Also haben wir schnell Mittag gegessen und fuhren dann los. Tobias ist unser Nachbarjunge!

Wir fuhren zum Fischerteich nach Prad. Wir haben dort ein Eis gegessen und etwas getrunken. Dann fuhren wir noch zu meiner Schwägerin, um sie zu besuchen. Die Kinder haben ein wenig gespielt, sie hatten eine mortz Gaudi.

Dann so um 16 Uhr sagte ich: "Jetzt werden wir wieder nach Hause fahren." Nico wollte zuerst nicht. Ich und mein kleiner Sohn David (6) und Tobias haben dann Nico gerufen, bis er schließlich kam. Er ist voraus auf dem Radweg gefahren, er war ein wenig wütend weil er noch nicht nach Hause wollte.

Dann hörte ich ein Motorrad kommen (ich war direkt hinter ihm), ich schrie: "Nico pass auf!" Und in diesem Moment riss er meinen Nico mit, er war viel zu schnell.

Ich sprang vom Rad und rannte zu meinem Kind, das Motorrad lag auf ihm. Der junge Mann nahm sofort das Motorrad vom ihm und rief sofort den Krankenwagen.

In der Zeit wo er telefoniert hat, habe ich nur noch geschrien: "Oh mein Gott, oh mein Gott, Nico bitte atme, bitte atme!!"

Wie er so da lag, glaubte ich er sei tot, und auf einmal fing er an zu atmen. Aber er war bewusstlos. Nach ca. 15 Minuten kam der Notarzt. Ich schaute mich um wo mein kleiner ist, er war nicht weit weg, er hat nur noch geweint und geschrien: "Nico, Nico!" Ich lief zu ihm und nahm ihn in den Arm. Er sagte: "Mama, muss Nico sterben?"

Ich antwortete: "Nein, keine Angst, Nico schafft das." Es kam eine Frau und passte auf meinen kleinen auf, und auf Tobias, er hat es Gott sei Dank nicht gesehen. Ich habe dann meinen Freund angerufen, er ist dann sofort gekommen.

Er war außer sich vor Wut, er sagte nur: "Wo ist dieses Ar...? Wie kann man nur mit einem Motorrad auf dem Radweg fahren?" Der Junge hat sich hinter seinem Vater versteckt. Dann kam die Polizei, ich musste alles erzählen. Ich wollte zu meinem Nico, aber ich durfte nicht, musste zuerst der Polizei alles berichten.

Ich ging dann schlussendlich doch zu ihm, ich sah wie der Arzt den anderen anschaute und mit dem Kopf schüttelte. Das Blut lief ihm aus dem Mund (schrecklich). Dann kam der Hubschrauber. Ich durfte mit. Wir flogen nach Bozen ins Krankenhaus. Im Hubschrauber sah ich und fühlte auch, dass es Nico nicht schaffen würde.

Wir kamen dann im Krankenhaus an, schnell zur ersten Hilfe. Ich durfte nicht mit hinein. Ich musste warten, ich war wie in Trance, ich lief hin und her. Und dann durfte ich endlich hinein, aber mein Junge war nicht da.

Der Arzt sagte zu mir, dass er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma hat. Ich solle in den 2. Stock gehen. Ich irrte herum, hab alle angerufen und dann habe ich den 2. Stock endlich gefunden.

Ich war ganz allein. Es kam eine Krankenschwester und ich fragte: "Wo ist mein Junge?" Sie sagte, er sei im OP. Also wartete ich. Einige Zeit später kam mein Freund und der Vater von Nico.

Die OP-Tür ging auf und es kam eine Ärztin und sagte, dass es sehr schlimm aussähe. Ob er Bluter sei? Ich sagte, dass ich es nicht wisse. Er hatte viel Blut verloren.

Nach 5 Stunden durften wir endlich zu ihm. Er sah fürchterlich aus, die ganzen Schläuche, sein Gesicht war ganz geschwollen, er hatte den Kiefer gebrochen.

Sie sagten immer nur, dass er sehr instabil sei. Am nächsten Tag sagte man zu uns, dass Nico sterben wird!

Ich habe nur noch geweint, ich hielt seine kleine Hand und sang ihm sein Lieblingslied vor (Ein Stern, der deinen Namen trägt). Ich wollte ihn nicht loslassen. Ich sah, wie viel Blut Nico brauchte, da habe ich mich aus freien Stücken entschlossen, die Organe zu spenden. Er war hirntot und das Genick war gebrochen.

Am 13. Mai haben sie um 5 nach 5 Uhr in der Früh die Maschinen abgeschaltet. Ich bekam einen Anruf vom Arzt, der mir sagte, es sei vorbei. Man merkte ihm an, dass das Sprechen ihm schwer fiel.

Sie haben alles versucht. Diesen Arzt werde ich nie vergessen, er war sehr freundlich, einfach ein normaler Mensch.
 


Viel zu früh von uns gegangen.

Deine Abschiedsstunde schlug zu früh,
doch Gott der Herr bestimmte sie.
Dich zu verlieren ist so schwer,
Dich nicht mehr bei uns zu haben
noch viel mehr.

(von deiner Mama)


Eines Morgens wachst Du nicht mehr auf,
die Vöglein aber singen,
wie sie gestern sangen.
Nichts ändert diesen Tagesablauf,
nur Du bist fortgegangen.
Du bist nun frei,
und unsere Tränen wünschen Dir Glück.

(Johann Wolfgang von Goethe)


Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus,
flog über stille Lande, als flöge sie nach Haus.

(Joseph von Eichendorff)
 



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