Leben ohne Dich - Für Rabea


Wenn ich zaubern könnte,...

Mein Schmerz der unendliche, wäre kein Schmerz mehr,
denn du wärest hier bei mir.
Der Schmerz wäre Freude über dein Leben.

Wenn ich zaubern könnte,...

Die Sehnsucht in mir, wäre Erfüllung,
denn du wärest bei mir.
Die Sehnsucht wäre Dankbarkeit über Dein Hier-Sein.

Wenn ich zaubern könnte,...

Der Stein der Trauer, wäre ein Meer des Lachens,
denn du wärest bei mir.
Die Trauer wäre nie erwacht.

Wenn ich zaubern könnte,...

Erinnerungen würden nicht verblassen,
denn du wärest bei mir.
Erinnerungen wären Lebendigkeit und würden mehr und mehr.

Wenn ich zaubern könnte,...

Meine Tränen würden versiegen,
denn du wärest bei mir.
Ich sammelte die Tränen in einen Krug und leerte ihn ins Meer.

Wenn ich zaubern könnte,...

Ich schlösse dich in meine Arme – nicht in meine stillen Gespräche,
denn du wärest hier bei mir.
Alles wäre Vergangenheit, wie ein Traum, der verblasst
wenn das Licht des Tages ihn verjagt.

Wenn ich zaubern könnte,...

Wärest DU hier
 



Geliebte Rabea,

Du hast eine große Aufgabe auf deine winzigen Schultern laden müssen.

Ich habe Dich so sehr gewünscht und insgeheim die Erwartung gehabt, dass sich mein Leben mit Deiner Geburt auf wunderbare Weise erfüllten würde. Ich spürte Deinen Wunsch zu mir zu kommen so übermächtig, dass es an ein Wunder grenzte.

So warst Du für mich von Anfang an wie eine wunderbare Prophezeiung, die sich mit Deiner Geburt erfüllen sollte.

Anfangs war alles gut. Doch dann begann die Schwangerschaft kompliziert zu werden. Ich sollte mich schonen und bekam eine Haushaltshilfe, und ich stellte mich darauf ein, den Rest der Schwangerschaft liegend zu verbringen. Das wären immerhin noch 23 Wochen gewesen.

Aber das Schonen und Liegen allein reichte nicht aus. Mein Gebärmutterhals verkürzte sich weiter, und weil ich bereits ein Frühchen bekommen hatte, beschloss man im Krankenhaus mir einen Muttermundverschluss zu legen.

Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich durch die Schleuse auf den kalten OP-Stuhl gelegt wurde. In einer sehr unbequemen Lage darauf wartete, sediert zu werden. Es war zwar nicht meine erste Narkose aber ich hatte solche Angst, dich zu verlieren, dass ich beinahe panisch wurde und ich zum Anästhesisten sagte mir würde schwindelig werden.

Dann wachte ich wieder im Aufwachraum auf und hatte eine sehr nette Unterhaltung mit der Intensivschwester. Alles schien gut zu werden. Ich durfte auch wieder aufstehen und mich bewegen. Das war natürlich eine große Erleichterung.

Wären da nicht die stillen Ängste gewesen. Ach, hätte ich deinen Namen nicht ausgesprochen. Jedes Mal, wenn Olga – unsere Haushaltshilfe – Deinen Namen nannte, durchfuhr es mich kalt. Und ich dachte es wäre nicht gut ihn so oft auszusprechen. RABEA, Frühling und vierte Tochter. Die Angst, die mich ergriffen hatte, verließ mich nicht wieder.

Immerhin dachte ich, wenn Du ein Downkind wärst, so wie meine kleine Schwester, könnte ich damit leben. Ja, ich hätte es annehmen können.
 



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