Leben ohne Dich - Gedichte an Yannis


...für Yannis

Von Tina

Rosen

Steh nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.
Ich bin tausend Winde, die wehen,
ich bin das Glitzern der Sonne im Schnee,
ich bin das Sonnenlicht auf reifem Korn,
ich bin der sanfte Regen im Herbst.
Wenn du erwachst in der Morgenfrühe,
bin ich das schnelle Aufsteigen
der Vögel im kreisenden Flug.
Ich bin das sanfte Sternenlicht in der Nacht.
Steh nicht weinend an meinem Grab.
Ich bin nicht dort unten, ich schlafe nicht.



Ich habe es dir gewünscht

... für Yannis

Ich habe es dir immer gewünscht
dass du bestimmst
wann es vorbei sein soll
dass du einschläfst wenn du des Lebens genügend müde geworden bist
dass du deinen Krieg beendest
niemals kapitulierst
sondern am Ende das Leben besiegst.

Ich habe es dir immer gewünscht
dass du den Zeitpunkt bestimmst
dass du sagst oder nicht
wann du gehen möchtest
dorthin wo der Schmerz nur Erinnerung ist
dorthin wo dein Lachen jeder sieht
und wo Leben zeitlos wird.

und doch – es tut so weh.



...von Tina für Yannis

Yannis
ein Name
wie das blühende Leben

Yannis
alle Hoffnung einer Mutter

Yannis
endlich bist du da
hast das Licht der Welt erblickt

Yannis
deinen Namen könnte ich schreien vor Glück
– wenn nicht Yannis 5 Jahre später todkrank wird –
der Schock, die Trauer, die Wut, die Verzweiflung...
es lässt sich nicht beschreiben
niemand kann mir sagen wie lange du noch lebst
– dass dies eine seltene Krankheit ist – kann mich nicht trösten
2 Jahre täglich Yannis
täglich Trauer und Verzweiflung

Yannis, mein Sohn,
meine Kraft geht zu Ende !



Deine Hand, meine Hand

Deine Hand, meine Hand
du berührst mich, ich berühre dich.
Auch wenn wir getrennt sind,
sind wir für immer eins !



Eines Tages vielleicht

Vielleicht
kann ich
eines Tages
an dich denken
ohne
sterben zu müssen
– vielleicht –



Ohne Worte

Du sprichst ohne Worte
Du sprichst mit deinem Schauen
Du sprichst mit deinem Atmen
Du sprichst mit deinem Ruhig-Werden
Du sprichst mit deinem Einschlafen

Du sprichst ohne Worte

Stille, fremde Sprache

Nur mit dem Herzen kann ich sie lernen



Benjamin

Benjamin

Du warst gerade 5 Jahre alt
Papa lehrte dich die ersten Worte lesen
in deinem Buch von Benjamin Blümchen
da war plötzlich dieses Fieber
Kopfschmerzen – tausend Bilder zogen an dir vorbei
ganz so wie es ist –
wenn ihr euch vor dem Kindergarten
mit ausgestreckten Armen um euch selber gedreht habt

Gehirnentzündung

Überweisung
Krankenhaus
vielleicht bald gesund
vielleicht
ernste Blicke
Infusionen
viele Flaschen

7 Kerzen brennen auf deiner Geburtstagstorte
lesen hast du nicht mehr gelernt
deine Sprache hat keine Wörter mehr
und in deinen spastisch verkrümmten Händen
hältst du deinen BENJAMIN
 



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